Travel Notes #19: Meteora – Vier Busse und kein Halleluja

Von Parga aus machen wir uns früh Morgens auf den Weg nach Trikala. Die Fahrt wird lang, obwohl das Ziel eigentlich nur 223 Kilometer Nord-Östlich liegt. Der Weg mit dem Bus führt jedoch erstmal in den Süden nach Preveza, wo wir in einen anderen Bus umsteigen müssen. Bereits auf dem ersten Abschnitt haben wir eine Verspätung von rund 40 Minuten. Die Fahrt zieht sich nicht nur deshalb in die Länge, sondern auch, weil sich schräg hinter uns ein anderer Fahrgast alle paar Minuten übergeben muss. Wir hoffen einfach, dass er nur das Busfahren nicht verträgt oder er einen über den Durst getrunken hat.

Glücklicherweise haben wir in Preveza genug Puffer und so ist die Verspätung für uns nicht weiter tragisch. Den kurzen Aufenthalt am Busbahnhof nutze ich, um ein paar Kekse zu kaufen. Frische Backwaren wären mir zwar lieber, aber im Supermarkt gibt es nur abgepacktes Brot.

Der Busbahnhof von Preveza.

Wir sitzen im zweiten Bus und können jetzt entspannen, da wir direkt durchfahren. In einer kleinen Stadt namens Flippiada sollen wir auf einmal alle aussteigen und den Bus wechseln. Warum auch immer. Wir folgen den Anweisungen und sitzen schließlich in einem anderen Bus. Über Vier Stunden sind wir inzwischen unterwegs und haben noch nicht einmal Ioaninna passiert, das nur 109 Kilometer von Parga entfernt liegt.

Nach langer Zeit erreichen wir endlich Kalambaka, unser eigentliches Ziel. Da der Bus direkt durch den Ort fährt, fragen wir, ob der Fahrer uns nicht einfach irgendwo an der Straße herauslassen kann. Leider klappt das nicht und so fahren wir direkt an unserer Unterkunft vorbei und anschließend 20 Kilometer weiter nach Trikala. Von dort müssen wir in einen weiteren Bus steigen und die überflüssigen 20 Kilometer wieder zurückfahren.

Nachmittags erreichen wir endlich die Unterkunft, ruhen uns etwas aus und gehen in den nahegelegenen Lidl, der ein Grund mehr war, warum wir uns für genau diese Unterkunft entschieden haben. Wir decken uns für die nächsten Tage mit Lebensmitteln ein und können uns so voll und ganz auf die Erkundung der Gegend konzentrieren.

Der Gang, der einem beim Reisen lieber erspart bleibt

Schon in Parga hatte Melina mit Bauch- und Rippenschmerzen zu kämpfen. Vielleicht was falsches gegessen oder irgendwas sitzt quer, dachten wir. Doch die Schmerzen werden immer schlimmer und es bleibt uns leider nichts anderes übrig, als in Kalambaka einen Arzt zu suchen, der sich den Fall genauer ansieht. Wir finden eine Praxis etwas außerhalb der Stadt und machen uns direkt auf den Weg dort hin. Sie machen allerhand Untersuchungen und verpassen ihr zum krönenden Abschluss eine Spritze, von der wir leider nicht wissen, was genau es war.

Das Medical Center von Kalambaka etwas außerhalb der Stadt.

Die Klöster von Meteora

Die Klöster von Meteora lassen sich bequem mit dem Linienbus für 1,60 € erreichen, der mehrmals täglich in die Berge fährt. Es gibt auch zahlreiche Tourenangebote mit Minivans, die vermutlich teurer sind. Wir fahren mehrmals in das Gebirge, besuchen das Varlaam-Kloster, eines von 6, das für Besucher zugänglich ist und wandern durch die großartige Landschaft. Immer wieder hat Melina mit gesundheitlichen Problemen zu tun und wir überlegen inzwischen, ob wir überhaupt ein weiteres Mal „hochfahren“, oder es lieber bleiben lassen.

Die Toiletten des Kloster-Museums sind etwas gewöhnungsbedürftig.

Gegen Abend sollen die Felsformationen noch einmal viel majestätischer aussehen und so raffen wir uns vor der Weiterreise nach Athen noch einmal auf und fahren bis zum letzten Kloster hoch, um uns dort einen guten Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang zu suchen. Da der letzte Bus schon nachmittags in Kalambaka startet, müssen wir oben noch ein wenig Zeit „totschlagen“.

Ein Schäfer schickt seine Herde aus mindestens einhundert Ziegen von einem Feld zum nächsten.

Je näher wir dem Sonnenuntergang kommen, desto mehr Menschen finden sich auf den zahlreichen Felshängen ein. Zwischendurch werden Touristen in Reisebussen angekarrt, die aber nur kurze Zeit für ein paar Fotos haben und somit nach wenigen Minuten wieder in den Bussen verschwunden sind, um den nächsten Spot anzusteuern. In genau solchen Momenten freuen wir uns immer wieder über unser Glück bzw. das Privileg, dass wir uns unsere Tage so stricken können, wie wir es gerne möchten und für richtig halten.

Für den Abend haben wir uns extra ein kleines Picknick, bestehend aus Tzatziki, Brot, Wurst und Rohkost zusammengestellt. Dass sich eine aufdringliche Katze zu uns gesellt und mir die Wurst am Liebsten aus den Händen reißen möchte, haben wir natürlich nicht eingeplant. Der Versuch, sie mit ein bisschen Gemüse abzuspeisen schlägt fehl und so muss ich den Tzatziki-Pott immer wieder verschließen, damit sie nicht den Kopf hineinsteckt.

Hat sich selbst eingeladen.

Gut gesättigt genießen wir das langsame Untergehen der Sonne. Durch den tiefen Stand ändert sich minütlich das Licht und verleiht jedem Moment eine eigene Stimmung. Ich mache dutzende Fotos, teilweise immer wieder mit dem gleichen Ausschnitt, nur mit einer anderen Atmosphäre. Mit guter Ausbeute im Gepäck brechen wir auf, um runter ins Tal zu wandern.

Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es relativ schnell dunkel und wir müssen sehen, wie wir zurück zur Unterkunft kommen. Wir gehen einen kleinen Weg, der uns durch einen Wald nach unten in die Stadt führt. Laternen oder andere Lichtquellen gibt es hier nicht. So ein bisschen erinnert mich das an die Nachtwanderungen, die ich gemeinsam mit meinem Vater in Dänemark gemacht hatte, als ich noch klein war.

Wir leuchten uns gegenseitig mit dem Handy und einer Taschenlampe den Weg und hoffen, dass wir nicht von irgendwelchen Tieren angefallen werden oder uns im Dunkeln verlaufen oder umknicken. Der Weg ist schon älter und sieht so aus, als wären hier vielleicht vor hunderten von Jahren schon die Mönche zu den Klöstern gewandert.

Es ist inzwischen stockdunkel und gut eine Stunde Waldspaziergang liegen hinter uns, als wir endlich eine Straße mit Beleuchtung erreichen. Nur noch ein paar Minuten durch die Wohnsiedlung und wir sind endlich zuhause.

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

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