Travel Notes #20: Athen – Liebe auf den zweiten Blick

Die Sonne möchte in Kalambaka heute nicht so recht aufgehen. Es fühlt sich an diesem Morgen fast ein bisschen wie Herbst an. Ich hole noch schnell etwas zum Frühstück, bevor wir uns zum Bahnhof aufmachen. Um ein bisschen Abwechslung zum Busreisen zu bekommen und mehr Komfort zu genießen, haben wir uns dazu entschieden, mit dem Zug nach Athen zu fahren. Die Tickets kaufen wir schon einen Tag zuvor. Die Dame am Schalter warnt uns, dass es „dangerous“ wird, da es zum Wochenende auf der Strecke erfahrungsgemäß voll wird. Und sie soll Recht behalten. Bei unserer Ankunft am Bahnhof ist der Bahnsteig schon ordentlich mit Reisenden gefüllt. Dass ein voller Zug unser kleinstes Problem sein wird, ahnen wir noch nicht.

Nach etwa einer Stunde müssen wir in Enippeas, einem Ort, der nur aus dem Bahnhof besteht, umsteigen. Wir tauschen einen betagten Regionalzug gegen einen komfortableren Intercity Zug. Die nächsten Stunden können wir ein bisschen die Füße hochlegen und entspannen bis eine Durchsage auf griechisch ertönt. Wir verstehen kein Wort, können von den Reaktionen der anderen Reisenden aber ableiten, dass es nichts Gutes bedeutet. Einige der Fahrgäste schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und das Getuschel geht los.

Endstation Lamia

In Lamia ist Endstation – für alle. Wir stranden in einem Kaff, wo wir definitiv nicht hin wollten. Die Stimmung ist aufgeheizt. Niemand weiß, wie es weitergeht. Es dauert nicht lange bis die ersten Taxis vorfahren und ein paar Leute damit verschwinden. Hektisch wird versucht, ein Schienenersatzverkehr zu organisieren. Wir stehen inzwischen zwei Stunden hier herum und wissen nicht, wie oder wann es endlich weiter geht. Im Gegensatz zu den Griechen sind wir aber noch vergleichsweise entspannt.

Kein Weiterkommen.
Unter Fahrgästen und Organisatoren entstehen hitzige Diskussionen.

Endlich kommen die ersten Busse, um die Fahrgäste abzutransportieren. Um die Fahrzeuge bilden sich Menschentrauben und das Gedränge geht los. Jeder möchte zuerst mit. Wir haben darauf keinen Bock und bleiben erstmal sitzen und nehmen einen der letzten Busse. Eigentlich sollten wir jetzt in Athen ankommen. Aber bis zu unserer Ankunft vergehen nochmal gut 4 Stunden, die wir im Bus verbringen.

Es ist inzwischen später Nachmittag, als wir die vollgestopfte Stadtautobahn erreichen. Einladend sieht es hier bisher nicht aus. Die Gebäude entlang der Straßen sind marode, zerfallen oder wurden nie fertig gebaut. Wir stecken im Stau und quälen uns im Schritttempo bis zum Bahnhof. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, dass ich niemals nach Athen ziehen würde, wo Griechenland doch so viele schöne Ecken zu bieten hat.

Vom Bahnhof aus gehts mit der U-Bahn weiter, die natürlich auch komplett überfüllt ist. Wir erreichen gegen Abend endlich die Unterkunft, die in einem Wohngebiet im Dachgeschoss liegt. Der atemberaubende Blick von der riesigen Dachterrasse entschädigt erstmal für die Strapazen der Anreise.

Die Stadt

Je mehr wir die Stadt erkunden, desto mehr verliebe ich mich in Athen. Es ist laut, es ist voll und es stinkt nach Großstadt. Aber genau diese Mischung gefällt mir an dieser Metropole. Jeder Stadtteil hat dabei seinen ganz eigenen Charme. Rund um die Akropolis ist es extrem touristisch.

Flohmarkt in Athen.
Garagen voller Gerümpel.

Das einem ganz schnell die Lust am Erkunden einer Stadt vergehen kann, stelle ich fest als es Melina in der U-Bahn immer schlechter geht. Weiterhin sind es die Bauchschmerzen, die sie schon in Meteora in die Knie gezwungen hatte. Die Behandlung dort hat leider nichts bewirkt. Im Gegenteil, sie hat inzwischen so starke Schmerzen, dass sie kaum noch gehen kann. Es hilft nichts, wir müssen ins Krankenhaus. Dort muss sie allerhand Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Abends sind wir gut 600€ ärmer und um eine Erkenntnis reicher. Nämlich, dass wir nicht wissen, was sie hat. Laut den Ergebnissen ist sie kerngesund und es fehlt ihr nichts. Wenn die Schmerzen zu stark sind, soll sie Tabletten nehmen und zur Sicherheit noch einmal einen Gynäkologen aufsuchen. Wir verzweifeln an der Diagnose, da wir nichts machen können. Wenn wir wenigstens wüssten, was die Schmerzen verursacht.

Ganz langsam aber sicher geht es ihr ein wenig besser. Zumindest so gut, dass wir ein bisschen auf Sightseeing-Tour gehen können. Mit der U-Bahn ist alles gut erreichbar und wir nutzen das 5-Tage-Ticket so gut es geht aus.

Der Fischmarkt von Athen

Wer Fisch mag, ist auf einem der größten Frischfischmärkten Europas genau richtig. Wir, bzw. unsere Nasen und Gaumen sind leider keine Fans der Meerestiere und so habe ich mir bei dem Gang durch die alte Markthalle das Atmen durch die Nase weitestgehend verkniffen. Trotzdem lohnt sich der Gang, um die Atmosphäre in sich aufzusaugen. Der Fleischmarkt, der quasi den Fischmarkt umsäumt, ist ebenso interessant. Allerdings ist dieser nichts für schwache Gemüter. Denn hier ist noch gut zu erkennen, welches Tier bzw. Körperteil es war, bevor es in den Vitrinen der Händler landete.

Nur ein paar Straßen weiter landen wir in einem Viertel, was ich oberflächlich als Chinatown betiteln würde. Die Geschäfte unweit des Omonia-Platzes werden überwiegend von Asiaten bzw. Indern geführt. Für mich ist es wie eine kleine Vorschau auf das, was uns in den nächsten Wochen erwarten soll.

Der Omonia-Platz. Früher Vorzeige-Objekt, heute eine Art Schandfleck, der von Kriminalität dominiert wird.

Ein letztes Mal in die Taverne

Bevor wir Europa verlassen, möchten wir noch einmal richtig schön griechisch Essen gehen. Bei Trip-Advisor wird ein Laden besonders angepriesen, der etwas außerhalb liegt. Egal, wir haben ja ein U-Bahn-Ticket. Mit Maps suchen wir in der Straße nach dem Laden und trauen unseren Augen nicht, als wir vor einer alten Kaschemme stehen, wo ein paar Lammspieße gegrillt werden. Normalerweise habe ich dagegen nichts einzuwenden, aber unter „essen gehen“ verstehe ich dann doch etwas anderes.

Ein paar Meter weiter finden wir zufällig eine kleine Taverne, in der aber kein Gast ist. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen, aber der Typ an der Tür lässt uns fast keine andere Wahl, als hineinzugehen. Der Laden sieht echt urig aus. Dadurch, das außer uns niemand da ist, das Personal noch keine Arbeitskleidung trägt und auch keine Musik läuft, ist die Stimmung etwas komisch. 

Spätestens als das Essen kommt, ist uns das aber egal. Die Portionen sind üppig und es schmeckt einfach fantastisch. Besser hätte der (kulinarische) Abschluss unserer Europareise nicht sein können.

Abschied aus Europa

In den letzten 3 Monaten konnten wir viele, überwiegend positive Eindrücke in den unterschiedlichen Ländern gewinnen. Europa ist extrem vielfältig, landschaftlich sowie menschlich. Wir wurden überall herzlich aufgenommen und haben uns fast immer sehr wohl gefühlt. Welche Stadt oder welches Land uns am besten gefallen hat, kann, bzw. möchte ich gar nicht entscheiden.

Als nächstes geht es rüber nach Südostasien. Das wird für uns eine ganz neue Herausforderung. Aber wir sind gespannt und aufgeregt, was uns dort erwartet. 

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

Ein Kommentar zu “Travel Notes #20: Athen – Liebe auf den zweiten Blick

  1. Irrtum, der größte Frischfischmarkt Europas ist in Hamburg. Der größte der Welt ist Tokio, danach Seattle und denn Hamburg.

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