2025 – Mein fotografischer Jahresrückblick

Posted by

·

, ,

·

Lesedauer

6–8 Minuten

2025 neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr, das sich rückblickend wie ein tiefer Einschnitt anfühlt – vielleicht eines der bewegendsten meines bisherigen Lebens. Mit dem Ende unserer Weltreise mussten wir in Deutschland wieder bei null anfangen. Beruflich, privat, emotional. Und dann gibt es diese Ereignisse, die völlig unerwartet kommen und dir von einem Moment auf den nächsten den Boden unter den Füßen wegziehen.

Rückkehr nach Deutschland

Schon die Aussichten auf 2025 ließen erahnen, dass uns ein Jahr voller Unbekannter bevorstand. Bis Ende Februar genossen wir unsere letzten Tage in Fernost, reisten von Japan nach Südkorea und umrundeten anschließend über mehrere Wochen die Insel Taiwan. Je näher das Ende der Reise rückte, desto schwerer wurde die Stimmung. Wir klammerten uns an all die Erlebnisse der letzten Jahre und hofften insgeheim, dass es irgendwie weitergehen würde. Doch die Rückkehr nach Deutschland kam – gnadenlos und unumkehrbar.

So dystopisch wie die Rush Hour in Taipeh war in etwa auch meine Stimmung kurz vor dem Ende unserer Reise.

Zurück im Alltag – wenn Freiheit plötzlich fehlt

Nach unserer Heimreise fanden wir uns schneller im Alltag wieder, als uns lieb war. Fast so, als wären wir nie weg gewesen. Termine, Verpflichtungen, Arbeit – das System hatte uns rasch wieder eingesogen. Und obwohl wir funktionieren, fühlt es sich innerlich oft ganz anders an. Angekommen sind wir bis heute nicht. Einmal vom Reisevirus infiziert, kommt man so schnell – wenn nicht sogar nie – wieder davon los. Flashbacks gehören inzwischen zum Alltag, viele Erlebnisse der letzten Jahre sind noch immer nicht richtig verarbeitet.

Unsere Lust aufs Reisen ist ungebrochen. Vielleicht gerade deshalb, weil der Kontrast zum Leben der vergangenen zweieinhalb Jahre so deutlich spürbar ist. Damals unterwegs, frei in Entscheidungen, nah bei uns selbst. Heute wieder eingebunden, fremdbestimmt, oft unter Druck. Dieser Widerspruch schmerzt. Zu wissen, wie sich Freiheit anfühlen kann – und sie im Alltag dennoch nicht leben zu können – ist schwer auszuhalten.

Und trotzdem gibt es Dinge, die sich richtig anfühlen. Wir haben eine tolle Wohnung gefunden, sie nach unseren Vorstellungen eingerichtet und ein Zuhause geschaffen, das wir nicht mehr hergeben möchten. Genau darin liegt der Zwiespalt: Sicherheit und Stabilität auf der einen Seite, Fernweh und innere Unruhe auf der anderen. Ein Zustand, der nicht vollkommen zufrieden macht, den wir aber aktuell nicht verändern können.

Beruflicher Neuanfang – Erwartungen und Ernüchterung

Ein wenig Bedenken begleiteten uns bei der Jobsuche. Während wir unterwegs waren, hörten wir immer wieder, wie händeringend Fachkräfte in allen Bereichen gesucht würden. Wir gingen davon aus, nach unserer Rückkehr viele Möglichkeiten zu haben. Für mich stand fest, dass ich nicht in meinen alten Job zurückkehren wollte. Ich wollte einen beruflichen Neuanfang wagen.

Das Arbeitsamt nahm mir diese Vorstellung jedoch recht schnell. Um es kurz zu machen: Vermittelt wirst du in dem Beruf, den du gelernt hast. Eine Umschulung gibt es nur, wenn man bereits einen Arbeitsvertrag im neuen Bereich vorlegen kann. Ein Wunder also, dass mich niemand einstellen wollte, so ganz ohne Berufserfahrung.

Ich bewarb mich dennoch auf einige Stellen und fand durch einen glücklichen Zufall einen guten Job in meiner alten Heimatstadt, der mich auf neue Weise fordert.

Ein Wochenende unter Gleichgesinnten

Im April wartete dann direkt ein fest eingeplantes Highlight auf uns: das Treffen mit Gleichgesinnten in Hessen. Schon unterwegs, auf kleinen Umwegen durch Fachwerkstädte und ruhige Altstädte, kam dieses vertraute Gefühl zurück. Ein sanftes Ankommen, bevor auf dem Campingplatz Menschen, Gespräche und Geschichten den Ton angaben.

Am Lagerfeuer wurde gelacht, gefachsimpelt und viel genickt. Dieses stille Einvernehmen unter Menschen, für die Reisen kein Urlaubsformat, sondern ein Lebensgefühl ist. Ein Wochenende voller Inspiration, Fernweh – und dem beruhigenden Wissen, mit diesem Virus nicht allein zu sein.

Entspannte Stimmung am Lagerfeuer.

Neue Märkte erschließen – unsere erste Convention

Mitte des Jahres wurde es dann richtig anstrengend. Mehrere Umzüge standen an, jedes Wochenende wurde geschuftet – neben der Arbeit, oft bis zur Erschöpfung. Unser eigener Umzug bildete schließlich den Abschluss dieser Phase. Parallel dazu gründeten wir ein Gewerbe und nahmen am Zine Markt Bremen teil.

Meine Schwester und ich auf dem Zine Markt Bremen.

Einige Ideen, die auf Reisen entstanden waren, konnten wir tatsächlich umsetzen. Vieles aber auch nicht. Trotzdem war es ein wichtiger Schritt. Wir haben gelernt, ausprobiert, verworfen – und feilen bereits an neuen Ideen, die wir in Zukunft verwirklichen möchten.

Meet & Street in Dresden

Das erste Meet & Street nach unserer Reise führte uns nach Dresden. Eine Stadt, die ich wirklich mag und längst in mein Herz geschlossen habe. Die Vorfreude war groß – umso größer die Enttäuschung. Der Regen am ersten Abend vermieste mir die Stimmung gründlich. Am Haupttag merkte ich dann, wie sich langsam eine ordentliche Grippe ausbreitete. Am Nachmittag funktionierte ich nur noch irgendwie.

Wiedersehen mit Freunden. V.li. Stefan, Philipp und ich. (Foto: Stefan Lauterbach)

Dass eines meiner Fotos bei einem Wettbewerb gewonnen hat und ausgestellt wurde, konnte ich in diesem Zustand kaum genießen. Wirklich schade. Umso größer die Hoffnung, im nächsten Jahr in Freiburg unbeschadet am Meet & Street teilnehmen zu können.

Mein Foto aus Südafrika hat es im Wettbewerb in die Top 20 geschafft.

Reise nach Georgien – Ein Gefühl von Freiheit

Ende Oktober führte uns unsere erste längere Reise nach der Rückkehr nach Georgien. Schon am Flughafen waren sie wieder da – diese Travel-Vibes, die wir so lange vermisst hatten. Dieses Gefühl, unterwegs zu sein, ohne zu wissen, was der nächste Tag bringt.

Auch wenn wir nur etwa zweieinhalb Wochen Zeit hatten, hat uns dieses Land unglaublich viel gegeben. Nach all den Umstellungen und Strapazen konnten wir endlich den Kopf frei bekommen, los lassen und einfach sein – zumindest für einen Moment.

Wenn das Leben plötzlich leise wird – ein schmerzhafter Verlust

Der November brachte schließlich Wochen, die alles überschatteten. In unserem Umfeld geschah viel Schlimmes. Mehrere Ereignisse, Situationen und Schicksale, die man sonst nur aus düsteren Filmen kennt, wurden plötzlich Realität. Dinge, auf die man nicht vorbereitet ist – und auf die man sich auch nicht vorbereiten kann.

Unter anderem verlor ich völlig unerwartet einen meiner besten Freunde. Ein Verlust, der bis heute nachwirkt. Und längst nicht das Einzige, was uns in dieser Zeit getroffen hat.

Diese Wochen haben uns schmerzhaft vor Augen geführt, wie kurz und zerbrechlich das Leben ist. Auch im Kreis von Familie und Freunden wurde deutlich, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Menschen, die immer präsent und scheinbar unerschütterlich waren, sind es plötzlich nicht mehr. Das verändert den Blick auf vieles.

Nach Jahren voller Bewegung und Ortswechsel ist unser Leben ruhiger geworden – vielleicht sogar zu ruhig. Wir bewegen uns weniger, sind schneller müde und fühlen uns öfter ausgelaugt. Gerade deshalb ist uns die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden wichtiger denn je. Geburtstage, Treffen, kleine Feiern – sie haben heute ein anderes Gewicht als früher.

Fotografie als Erinnerung – warum Bilder heute mehr bedeuten

In diesem Zusammenhang hat auch die Fotografie für mich eine neue Bedeutung bekommen. Es geht nicht mehr nur um Street Photography oder das Festhalten fremder Welten, sondern um Erinnerungen. Um Menschen, Begegnungen und Momente, die man später nicht mehr wiederholen kann.

2025 war kein leichtes Jahr. Es war geprägt von Gegensätzen – von Dankbarkeit und Frust, von Nähe und Überforderung. Wir stecken irgendwo dazwischen: nicht mehr unterwegs, aber auch noch nicht angekommen.

Ausblick auf 2026

Was 2026 für uns bereit hält, wissen wir nicht. Es gibt keinen großen Plan, keine festgezurrten Routen, keine gebuchten Flüge. Nur lose Gedanken, die immer wieder auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Sri Lanka schwebt irgendwo im Hinterkopf, seit Kurzem auch Länder wie Kirgisistan. Und wie so oft kommen neue Orte hinzu, noch bevor man die alten wirklich greifen kann.

Wichtiger als konkrete Reiseziele ist inzwischen etwas anderes geworden. Dass wir gesund bleiben. Dass unsere Familien und Freunde gesund bleiben. Und dass die Welt – so naiv es klingen mag – nicht weiter aus den Fugen gerät, nicht noch mehr im Chaos versinkt, nicht noch mehr von Kriegen und Krisen bestimmt wird.

An dieser Stelle möchten wir uns für deinen Support bedanken. Wir wünschen dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und Gesundheit für die Zukunft!


6 responses to “2025 – Mein fotografischer Jahresrückblick”

  1. Avatar von Lisa
    Lisa

    So schön geschrieben und ich fühle mich in so vielem verstanden. Ich hab gleich Gänsehaut.

  2. Avatar von
    Anonym

    Toll geschrieben. Kann mich in einigen selbst wiederfinden. 😀

  3. Avatar von Claudia

    Danke Dennis für den Einblick in dein Jahr und in deine offenen Gedanken.
    Möge 2026 ein gutes Jahr werden.

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Hallo Claudia, wir danken dir für dein tolles Feedback. 🙂

  4. Avatar von Manuela
    Manuela

    Wow. Was für ein ehrlicher und offener Bericht. Danke, dass wir daran Teil haben dürfen. Für eure Zukunft wünschen wir euch viel Glück!

    1. Avatar von Dennis Gloth

Antworte auf den Kommentar von LisaAntwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.