2022: Ein fotografischer Jahresrückblick

Das Jahr 2022 geht zu Ende. Schneller als gedacht und vielleicht prägender, als all die anderen Jahre zuvor. Zeit für einen kurzen Rückblick auf ein Jahr voller Veränderungen.

Mit Vollgas ins Jahr 2022 gestartet

Der größte Hammer kam direkt im Januar, als ich nach über 20 Jahren meinen Job in einer Spedition gekündigt habe. Natürlich mit dem Hintergedanken, dieses Jahr auf große Reise zu gehen. Fotografisch veränderte sich nicht viel. Ich hatte mit Philipp und Felix ein paar coole Walks, bei denen ich das eine oder andere gute Foto mitnehmen konnte. Aber so richtig zufrieden war ich mit der Entwicklung meines Stils nicht und dümpelte aus künstlerischer Sicht irgendwo im Nirgendwo herum.

Ich kann nicht wirklich sagen, woran es lag, aber die eigenen Bilder langweilten mich zum Teil. Vielleicht lag es an meiner Herangehensweise. Ich liebe die Candid Street Photography nach wie vor, trotzdem fühlte ich mich in Deutschland immer wieder gehemmt, auf den Auslöser zu drücken.

Im Februar griff Putin die Ukraine an. In Bremen gingen am Abend des 24. Februar spontan Menschen auf die Straße, um gegen den Krieg zu demonstrieren.
Eines meiner letzten Fotos aus Bremen. Aufgenommen bei einem Walk mit Felix Busse.

Meet & Street in Hannover

Im Juli, kurz bevor die Reise beginnen sollte, besuchte ich gemeinsam mit Felix und Philipp die 2. Ausgabe des „Meet & Street“ in Hannover, das große Treffen der Deutschen Street Photography Szene. Es waren viele nette Gespräche dabei, u.A. mit Achim Katzberg und Ralf Scherer, beide sehr angenehme Zeitgenossen. Insgesamt ein tolles Event, um die Menschen hinter den Kameras bzw. Instagram Accounts kennenzulernen. Durch eine Guerrilla Ausstellung der Fotos taten wir außerdem etwas Gutes für die Obdachlosen in Hannover. Die Bilder der Ausstellung konnten gegen eine kleine freiwillige Spende von den Passanten mitgenommen werden. 

Die Ausbeute an Fotos bei den Walks war bei mir nicht der Renner.
Aber bei einer solchen Veranstaltung stehen ohnehin die Gespräche im Vordergrund.

Auf zu neuen Ufern

Im August war es dann endlich so weit. Nachdem wir versucht hatten, unseren Hausstand so gut wie möglich zu verringern, haben wir unsere Heimat im Sommer verlassen. Wir reisten quer durch Europa. Von Deutschland über Tschechien, Österreich, Bosnien & Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Albanien bis nach Griechenland. Reisen, ohne ein Ende vor Augen zu haben, ist ein tolles Gefühl. Mit meiner Fotografie war ich aber noch immer nicht da, wo ich gerne gewesen wäre. Statt den Hundertsten Shot von Jemanden zu machen, der mir irgendwo durchs Bild läuft, war ich immer auf der Suche nach etwas Anderem. Ich liebe gute Street Portraits von Fremden, denen man zufällig auf der Straße begegnet. Solche Bilder in die Realität umzusetzen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Zwischendurch habe ich versucht, solche Fotos zu machen, aber irgendwie fehlte mir oft die Antriebskraft oder der Mut. Das sollte sich erst in Asien langsam ändern.

Theth in Albanien. Eines unserer Highlights in Europa.
Meteora in Griechenland. Ein magischer Ort.
Eine Sache, die wir in Asien manchmal vermissen. Griechisches Essen. Was würde ich jetzt für eine Portion Tzatziki geben…

Anfang November landeten wir in Bangkok. Ich war noch nie zuvor in Asien und dementsprechend aufregend waren die ersten Tage in Thailand. Hier wimmelte es nur so von interessanten Szenen auf der Straße, was aber auch daran liegt, dass es für uns Europäer so fremd und anders ist. Für die Menschen, die hier leben, ist es quasi „business as usual“. So langsam wurde ich lockerer und meine Fotos gefielen mir auch wieder besser. Den Schalter legte ich dann endgültig in Kambodscha um. Vielleicht war es auch nicht ich selbst, sondern eine Begegnung mit einem Fremden.

Mike und ich auf dem Markt in Siem Reap.

In Siem Reap trafen wir auf Mike, der selbst Street Fotograf ist. Nachdem Melina mir einen imaginären Tritt in den Hintern gegeben hat, sind wir mit Mike auf einen spontanen Photo Walk gegangen. Seine Art, wie er beim Fotografieren mit den Menschen umgegangen ist, hat mich bis heute tief beeindruckt. Diese Leichtigkeit und offene Art den Leuten gegenüber hätte ich gerne. Aber ich arbeite täglich daran und ich behaupte jetzt einfach mal, ohne mich selbst zu loben, dass man eine positive Veränderung in meinen Bildern erkennen kann.

Siem Reap, Kambodscha. Mein persönliches „Bild des Jahres“. Für mich stimmt hier Kompostion, Licht und Farbe. Das Mädchen auf dem Foto bringt mich immer wieder zum Nachdenken.
Ein Krabbenfischer in Kep, Kambodscha. In diese Richtung der Fotografie möchte ich mich gerne weiterentwickeln. Es ist nicht die klassische Street Photography, sondern geht ein bisschen mehr in die dokumentarische Richtung. Mein Ziel ist es, die Einflüsse aus beiden Stilen zu vereinen.

Das lange Reisen hat uns schon jetzt geprägt und sicherlich auch in gewisser Weise verändert. Ich kann nur Jedem raten, der über eine Veränderung in seinem Leben nachdenkt, daran festzuhalten und sich von niemanden in die Suppe spucken zu lassen. Man lebt schließlich nur einmal.

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute für 2023. Komm gut rein und bleib gesund. 

2 Kommentare zu „2022: Ein fotografischer Jahresrückblick

  1. Halli hallo ihr Beiden,
    ich wünsche Euch auch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Hier in Bremen ist es etwas trübsinnig. Meine Mutter ist kurz vor Weihnachten gestorben. Aber sie hat es jetzt überstanden. Wie wird denn in Asien der Jahreswechsel gefeiert? Auch mit Knallkörpern und Feuerwerk?
    Liebe Grüße von Gritt

    1. Moin Gritt, wir hoffen, ihr hattet auch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Das mit deiner Mutter tut uns sehr leid und wir möchten Dir unser herzliches Beileid aussprechen. Der Jahreswechsel wird hier auch mit Feuerwerk gefeiert, allerdings mit weniger Rumgeballer und alles etwas gemäßigter. Zumindest war es in Kampot, Kambodscha, so. Wir wünschen euch alles Gute fürs neue Jahr. Bis bald.

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