2023: Mein fotografischer Weltreise-Jahresrückblick

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7–11 Minuten

Titelfoto: Die tausende Jahre alten Bäume im Deadvlei in Namibia gehörten zu meinen persönlichen Highlights der Afrika-Reise.

Schneller als man gucken kann, neigt sich ein weiteres Jahr dem Ende zu. Es ist Zeit, einen Blick auf die vergangenen zwölf Monate zu werfen, die geprägt waren von Abenteuern, Entdeckungen und fotografischen Augenblicken. Als Teil unserer Reise haben wir uns durch verschiedene Kontinente der Welt bewegt und dabei nicht nur Menschen, Tiere und Landschaften fotografisch festgehalten, sondern auch eine Vielzahl von Lektionen gelernt.

Drei Kontinente in einem Jahr

Irgendwo in Laos. Wir waren auf einem Motorbike unterwegs und geflasht von diesem Ausblick.

Die ersten 6 Monate des Jahres haben wir in Südostasien verbracht. Wir bereisten Kambodscha, Laos, Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Singapur und Indonesien. Eine wirklich spannende und aufregende Zeit, in der wir in neue Kulturen eintauchten und die Menschen und deren Gebräuche näher kennenlernen durften. Immer wieder wurden wir positiv von der offenen Art der Einwohner Südostasiens überrascht. Egal, welches der Länder wir bereisten, wir wurden immer herzlich und mit offenen Armen empfangen. Diese positive Lebenseinstellung war es auch, die das Fotografieren in den unzähligen Straßen und Gassen für mich einfach von der Hand gehen lies und mir die Berührungsängste mit den fremden Menschen nahm.

Street Portrait in Jakarta.

Besonders unsere (vorerst) letzte Station in Jakarta war für mich noch einmal besonders prägend. Trotz dieser unfassbar riesigen Metropole, in der das Zwischenmenschliche hätte leicht verloren gehen können, waren die Einwohner immer hilfsbereit und offen uns gegenüber. Obwohl wir uns in Südostasien immer wohl gefühlt hatten, war irgendwann jedoch die Luft raus. Vielleicht waren es einfach genug Eindrücke und Erlebnisse, die wir in unseren Köpfen erst einmal verarbeiten mussten. Wir hatten das Gefühl, zumindest vorübergehend wieder nach Europa gehen zu müssen. Und obwohl wir die asiatische Küche absolut in unsere Herzen geschlossen haben, mussten wir uns eingestehen, dass wir die Nase voll von Reis und Nudeln hatten und tatsächlich auch banale Dinge, wie z.B. deutsches Brot vermissten.

Obwohl das Essen in Südostasien oftmals ein Gedicht war, hatten wir es irgendwann satt.

Finalist beim Brussels Street Photography Festival 2023 und erste Erfahrungen mit ausgestellten Bildern

Während unseres Südostasien-Aufenthalts erreichte mich die frohe Botschaft, dass ich es unter die Finalisten des Brussels Street Photography Festival 2023 geschafft habe. Mit meinem Bild „Tram to Baščaršija“ schaffte ich es bis in die Top 60 des Wettbewerbs und mein Bild wurde neben den anderen Finalisten in einer Ausstellung im Herzen Brüssels präsentiert.

Als wäre das nicht schon Ehre genug, gewann das Foto auch noch den Publikums Award. Eine wirklich runde Sache, die mich auch ein bisschen Stolz gemacht hat.

Eine weitere Ausstellung, bei der ein kleiner Teil meiner Fotos gezeigt wurde, folgte kurze Zeit später in meinem Geburtsort Bremen. Unter dem Motto „Bremen auf Reisen“ zeigte der Bremer Friseursalon To Ting Fotos von Reisenden, die aus Bremen stammen.

Zurück nach Europa und Veröffentlichung eines ersten Zines

Mit einem 10-tägigen Stopover in Istanbul reisten wir zurück nach Europa. Trotz eines schweren Starts verliebten wir uns relativ schnell in die Stadt am Bosporus. Die aufregenden Viertel und die überragende türkische Küche machten uns den Abschied nicht gerade leicht. Dass die Menschen hier allerdings anders ticken als beispielsweise in Jakarta merkte ich mancherorts an den Reaktionen auf meine Kamera. Hier stieß ich das eine oder andere Mal auf Ablehnung und so musste ich mich wohl oder übel daran gewöhnen, dass in Europa wieder ein etwas anderer Wind weht.

Inspiriert durch die Metropole, die zu einem Teil auf dem Europäischen und zum anderen Teil auf dem Asiatischen Kontinent liegt, habe ich ein erstes E-Zine mit einer kleinen Auswahl meiner Fotos herausgebracht. Auf insgesamt 40 Seiten zeige ich 38 Fotos, mit denen ich versucht habe, ein bisschen das Flair der Stadt einzufangen und zu vermitteln. Mehr Infos über das Zine findest du hier.

Mit Stationen in Rumänien, wo ich mir zum ersten Mal auf der gesamten Reise den Magen verdorben hatte, Ungarn und Polen erreichten wir Anfang September schließlich für drei Tage die alte Heimat, in der sich in den 11 Monaten unserer Abwesenheit nicht allzu viel verändert zu haben schien. Wir besuchten unsere Familien und verbrachten ein wenig Zeit zusammen, bevor wir direkt zu neuen Abenteuern aufbrachen. 

Eine der schönsten Straßen Europas – die Transfăgărășan in Rumänien.

Achtung Spoiler-Alarm!

Als aufmerksamer Leser meines Blogs hast du vermutlich gemerkt, dass die Reiseberichte nur noch sehr sporadisch veröffentlicht wurden. Das lag daran, dass wir auf unserem kurzen Stopp in Deutschland den Laptop zurückgelassen haben und deshalb nicht wie gewohnt weiterarbeiten konnten. Der nun folgende Teil des Rückblicks wurde in den Travel Notes noch nicht veröffentlicht. Wenn dir das egal ist, kannst du entspannt weiterlesen.

Reise nach Afrika

Blick auf Kapstadt in Südafrika.

Von Düsseldorf aus flogen wir nach Kapstadt und bereisten die nächsten Monate Südafrika und Namibia, die so anders waren, als alles, was wir bisher auf unserer Weltreise kennenlernen durften. Wir taten uns schwer mit den Menschen in den Städten näher in Kontakt zu treten. Fast immer hatten wir den Eindruck, dass das Thema Apartheid immer noch in den Köpfen vieler Menschen verankert zu sein schien und vielerorts eine Trennung zwischen Schwarz und Weiß herrscht. Menschen schwarzer Hautfarbe leben zu einem großen Teil noch immer in sogenannten Townships am Stadtrand, während sich die „Weißen“ in „Gated Communities“ aus Angst vor Überfällen hinter hohen Mauern inklusive Stacheldraht und elektrischen Zäunen selbst weg sperren.

Keine Botschaft, kein Militärgebiet, sondern eine normale Wohngegend in Johannesburg, Südafrika.

Dementsprechend war es auch wieder schwieriger der Street Photography nachzugehen. Um nicht direkt aufzufallen, habe ich für die Straße meine Ricoh GR III reaktiviert, die ich notfalls auch mal schnell in meiner Tasche verschwinden lassen konnte. Eine goldrichtige Entscheidung, wie ich rückblickend finde.

Dieses eingesperrte Leben empfanden wir häufig als störend und einengend. Immer wieder zog ich Vergleiche zu Asien, wo wir nach Lust und Laune raus auf die Straße konnten oder abends den Tag unter Leuten ausklingen ließen. Wir wollten unser Glück natürlich nicht zu sehr herausfordern und so waren wir in Afrika in der Regel ab 18:00 Uhr in unserer Unterkunft, um nicht einem Überfall zum Opfer zu fallen.

Müll ist in den Townships ein großes Problem.

Selbstverständlich gab es auch viele positive Erlebnisse, wie zum Beispiel eine von Guides organisierte Tour durch ein Township mit anschließendem Besuch in einer dort ansässigen Kindertagesstätte. An dieses Erlebnis denken wir oft zurück. Diese Kinder waren gefühlt so glücklich und wussten nichts von den Sorgen, mit denen sich ihre Eltern tagtäglich herumschlagen mussten. Diese Augenblicke und Begegnungen einer Reise sind es, die lange, wenn nicht für immer im Gedächtnis haften bleiben, die einen wach rütteln und zum Nachdenken über sein eigenes Leben anregen.

Neben den menschlichen Begegnungen beeindruckte Südafrika uns vor allem mit saftig grünen Tälern, türkisblauen Meeren, tollen Nationalparks und einer spannenden Tierwelt. Dass unser spontaner Trip nach Namibia das fast noch toppen konnte, hätten wir uns wohl nicht träumen lassen.

Spontaner „Abstecher“ nach Namibia

Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich habe selten so abwechslungsreiche Landschaften in einem Land gesehen, wie dort. Von steinigen zu sandigen Wüsten bis hin zu langen Küstenabschnitten wurde uns hier alles geboten. Ich kannte einige Orte Namibias nur aus Dokumentationen oder von Bildern in Büchern oder dem Internet. Ich hätte mir aber nie ernsthaft träumen lassen, dass ich eines Tages gleich mehrere dieser Orte selbst besuchen würde und wie sehr mich diese dann noch einmal faszinierten als ich sie mit eigenen Augen sah.

Bilder wie gemalt. Der Etosha Nationalpark hat uns total beeindruckt.

Der Etosha Nationalpark mit seiner reichen Tierwelt hat uns dann noch einmal den Rest gegeben – im positiven Sinne. Die Tiere wurden uns quasi auf dem silbernen Tablett serviert. Hyänen, Elefanten, Löwen, Leoparden, Zebras, Strauße, Antilopen, Böcke, einfach alles sahen wir dort. Eindrücke, die uns nicht mehr loslassen und von denen wir sicherlich noch viele Jahre zehren werden.

Zurück in Deutschland

Seit Dezember leben wir wieder in Deutschland. Der Alltag hat uns schneller eingeholt, als es uns lieb war. Überhäuft mit behördlichen Angelegenheiten, Verpflichtungen und bürokratischem Wahnsinn, schloss uns die Bundesrepublik in ihre Arme.

Einem Termin fieberte ich jedoch schon länger entgegen. Im Dezember fand in Hamburg die Ausstellung 7Spaces von 7 Street Fotografinnen aus aller Welt statt. Ich genoss es sehr, nach langer Zeit wieder ein paar Freunde aus der Szene zu treffen und neue Bekanntschaften zu machen. Und ich erinnere mich noch oft an meinen letzten Hamburg-Besuch vor der Reise, der für mich ein fotografischer Flop war. Dieses Mal kam ich motivierter nach Hamburg, was sich auch direkt in der Ausbeute meiner Fotos widerspiegelte. Die Ausstellung und die Begegnungen haben mich inspiriert und lassen mich positiv in die Zukunft blicken.

Das Jahr, die Reise und die Begegnungen haben uns geprägt, haben unsere Sicht auf Vieles verändert und uns in vielerlei Hinsicht noch mehr zusammengeschweißt. Wir haben gelernt, wie wir in Stresssituationen reagieren, wie wir gemeinsam Hürden überwinden und uns gegenseitig motivieren und immer wieder aufs Neue antreiben.

Ausblick auf 2024

Ein so ereignisreiches Jahr wie 2023, wird schwer zu übertreffen sein – soviel steht fest. Doch sind es auch genau diese Ereignisse, die uns nach Neuem streben lassen. Neue Orte warten darauf, entdeckt zu werden, neue Geschichten warten darauf, erzählt zu werden. Die Kamera bleibt mein ständiger Begleiter, ich freue mich darauf, die Welt durch ihren Sucher weiter zu erkunden und ich versuche, meinen Blick für die Details weiter zu schärfen.

Während ich diese Zeilen verfasse, sitzen wir im regnerisch-kalten Deutschland im Kreise unserer Familien, die uns jederzeit unterstützen und uns das erste Ankommen nach 16 Monaten auf Reise so einfach wie möglich gestaltet haben. Wir freuen uns, dass wir Weihnachten und Silvester gemeinsam verbringen, jedoch sind wir mit unseren Gedanken auch immer schon wieder irgendwo in der Welt unterwegs, fiebern unseren nächsten Abenteuern entgegen und jagen nach diesem einen Gefühl. Dieses Gefühl, das viele Reisende vermutlich mit Freiheit beschreiben.

In diesem Sinne wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffe, dass wir uns 2024 gesund und munter wiedersehen.

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