Ungarn – Langos, Wein und Balaton

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6–9 Minuten

Titelfoto: Blick auf die Burg von Eger

Unsere ca. 3 wöchige Reise durch Ungarn beginnt kurz hinter der rumänischen Grenze. Wir fahren mit dem Zug von Baia Mare nach Debrecen. Außer, dass wir uns das Abteil mit ein paar pubertierenden Mädchen teilen müssen, die uns mit ihrer Musik aus einer Bluetooth-Box beschallen, ist die Fahrt relativ entspannt. Die Grenzüberquerung funktioniert ohne viel Aufsehen. Die Pässe aller Reisenden werden eingesammelt und kontrolliert, wir müssen nicht einmal aussteigen.

Grenzüberquerung mal anders.

Debrecen und der Hortobágyi-Nationalpark

Debrecen empfängt uns mit Sonnenschein und wir erreichen unsere Unterkunft nach 20 Minuten Straßenbahnfahrt. Da es bei den AirBnBs nicht ungewöhnlich ist, dass man auch mal mit den Gastgebern zusammen wohnt, sind wir bei der vollgestellten Wohnung anfangs ziemlich unsicher, ob nicht plötzlich jemand nach Hause kommt. Die Küche ist vollgestopft mit Lebensmitteln, es gibt einen extra Vorratsraum und im Badezimmer stehen viele angebrochene Utensilien wie Shampoos und Duschgels. Es sieht total bewohnt aus, zumal es auch zwei große Schlafzimmer gibt. Wir schauen vorsichtshalber noch einmal in unsere Buchung, ob das Apartment wirklich zur alleinigen Nutzung ist.

Bei der Erkundung der ca. 200.000 Einwohner Stadt, lassen wir es etwas ruhiger angehen. Wir schlendern durch die Gassen, schauen uns Theater und Museen von außen an. Dabei fällt, wie schon in Rumänien, auf, dass es auch hier überall viele Kirchen zu sehen gibt. Alles ist sehr gepflegt und vieles in Barockarchitektur gestaltet. Der Hauptplatz der Stadt ist der Kossuth Platz, um den zahlreiche historische Gebäude versammelt sind. Ansonsten ist es eine unaufgeregte Stadt ohne großartige touristische Highlights, weshalb wir aber auch nicht hier sind.

Wir haben diesen Ort hauptsächlich als Ausgangspunkt für einen Ausflug in die Puszta gewählt. Dieser steht nach einem heftigen Unwetter und jede Menge Regen jedoch auf der Kippe, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so lassen wir uns am nächsten Morgen nicht abhalten, zum Bahnhof und mit dem Zug in den Hortobágyi-Nationalpark zu fahren. Gut eine Stunde fahren wir mit einem betagten Bummelzug durch plattes Land.

Wir sehen schon weite Steppenlandschaften, die ersten Vögel, Esel, Pferde und andere Tiere, bis wir an einem verlassenen Bahnhof im Nirgendwo aussteigen müssen. Da sich der Park über ca. 82.000 ha erstreckt, können wir zu Fuß natürlich nur einen klitzekleinen Teil erkunden und sind froh, mit dem Zug schon durch einen anderen Teil der Puszta gefahren zu sein. Denn dort sieht es völlig anders aus als hier, wo wir gerade aussteigen.

Viel nichts – genau der richtige Ort zum Abschalten.

Wir spazieren los und schon nach 10 Minuten fängt es wieder leicht an zu regnen. Es ist aber nur Nieselregen, also nicht weiter dramatisch. Unangenehmer sind die Tonnen Matsch, die bereits nach kurzer Zeit an unseren Schuhen kleben und wirklich hartnäckig sind. Wir wandern weiter und genießen überall eine unfassbare Weite und Ruhe. Während der ganzen 3 Stunden sehen wir ein Häuschen und ansonsten nur die Natur.

Wir beobachten die Wasserbüffel im und am Wasser und sehen jede Menge Zugvögel. In der Zwischenzeit hat sich der leichte Regen verabschiedet und es kommt sogar die Sonne heraus, sodass wir auf einem Aussichtsturm ein kleines Picknick mit einem herrlichen Ausblick machen können. Auf dem Rückweg schauen wir noch einmal bei den Wasserbüffeln vorbei und treten dann die Rückreise nach Debrecen an.

Eger – Ungarns Weinhochburg

Am nächsten Tag führt unsere Reise mit dem Zug weiter nach Eger, eine der ältesten Städte Ungarns. Dass einen kleine Dinge sehr glücklich machen können, merken wir an unserer Zufriedenheit beim Betreten der Unterkunft. Hier haben wir sogar eine Terrasse mit einem kleinen Garten, der pure Luxus für uns, sodass wir hier in den nächsten Tagen einige Stunden mit unseren Büchern verbringen.

Blick über die Stadt.

Eger hat eine wunderschöne, gut erhaltene Altstadt mit historischen Gassen und Gebäuden, meistens im Barockstil erbaut. Als wir am Hauptplatz, dem Dobó-Platz ankommen, stehen dort eine Menge Weinbuden und überall in der Stadt performen Musikgruppen. Was ein Timing, dieses Wochenende ist hier offensichtlich Weinfest. Auch wenn wir nicht die großen Weintrinker sind, herrscht bei so einer Veranstaltung immer nochmal eine andere Stimmung in der Stadt und die gefällt uns sehr gut.

Ausgelassene Stimmung auf dem Dobó Platz.

Wir genießen die Atmosphäre sowohl am Tag als auch am Abend und gönnen uns in einem kleinen Laden eine ungarische Spezialität, Langos. Schon beim Blick auf die Nachbartische läuft uns das Wasser im Mund zusammen und wir können es kaum erwarten, unsere Bestellung serviert zu bekommen.

Langos gibt es in vielen Varianten, was uns die Wahl nicht leichter macht.

Trotz des Weinfestes vor der Tür zieht es uns noch raus aus der Stadt, rein ins sogenannte Tal der Schönen Frau, wo seit dem 16. Jahrhundert Wein erzeugt wird. Woher das Tal seinen besonderen Namen hat, weiß keiner so genau, hier existieren verschiedene Geschichten. Das Gebiet war früher Eigentum des Bischofs von Eger, so konnte man einen Keller nur mit Genehmigung des Bischofs bauen. Ab 1774 konnten auch Gutsherren hier ein Grundstück bekommen und Keller bauen, sodass sich die Anzahl sehr schnell erhöhte und zwischen den Kellerbesitzern eine eigenartige Gewohnheit entstand. Sie besuchten einander und verkosteten die Weine, manchmal mehrere Tage lang. Zu dieser Zeit durfte keine Frau in den Keller hinuntergehen. Einzige Ausnahme, sie sollte schmackhafte, hausgemachte Würste, frisches Brot und Speck für die Männer hinbringen, damit sie weiter zechen konnten.

Die für die Region typischen Weinkeller.

Heute gibt es hier über 150 Weinkeller und viele Möglichkeiten, den Wein zu verkosten. Die Preise sind für uns überraschend günstig und so schleppen die Leute hier Kanisterweise Wein weg. Wir entscheiden uns aufgrund unserer Weiterreise für die kleinste Einheit, einen ganzen Liter, eines typischen Weißweins aus der Region, an dem wir wohl einige Tage trinken werden.

Die Frau mit Brot und Speck sucht man hier vergeblich.

Zum Ende unseres Eger Aufenthaltes statten wir noch der Basilika einen Besuch ab. Diese ist das zweitgrößte religiöse Gebäude von ganz Ungarn und ist wirklich beeindruckend. Auf dem Rückweg zur Unterkunft genießen wir auf Höhe der Burg von Eger noch einen tollen Überblick über die Stadt, welch ein toller Abschluss.

Die beeindruckende Basilika von Eger.

Balaton – Anreise mit Hindernissen

Statt wie geplant in die nächste Stadt zu reisen entscheiden wir uns kurzerhand für eine spontane Auszeit am Balaton. Der Süßwassersee im Westen Ungarns ist eine bedeutende Urlaubsregion und wurde früher auch von vielen Deutschen besucht. Beim Buchen einer Unterkunft hat man die Qual der Wahl und kann zwischen etlichen Orten rund um den See wählen. Da allerdings gerade Ferienzeit ist, sind bezahlbare Unterkünfte so kurzfristig eher rar und für uns ist es wie immer wichtig, recht einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen zu können.

Eisenbahnfans können in Ungarn viel entdecken.

Apropos öffentliche Verkehrsmittel in Ungarn. Gerade noch hoch gelobt, erleben wir auf dieser Fahrt den Supergau. Wir fahren von Eger nach Budapest-Keleti, müssen dann mit der U-Bahn einmal quer durch die Stadt zum Budapest-Déli Bahnhof und dort den Zug zum Zielort nehmen. Normalerweise reichen die 30 Minuten Umsteigezeit völlig aus, um vom einen Bahnhof zum anderen zu kommen. Da wir allerdings mit einer 20 minütigen Verspätung in Budapest-Keleti ankommen, haben wir trotz Rennen zur U-Bahn keine Chance, den Anschlusszug zu erreichen.

Schon gut genervt gehen wir zum Schalter, um nach einer Erstattung und der nächsten Reisemöglichkeit zu fragen. Doch statt einer Erstattung werden wir erneut zur Kasse gebeten, wir müssen eine neue Sitzplatzreservierung kaufen. Warum unsere bereits bezahlte Reservierung nicht einfach auf einen neuen Zug umgeschrieben wird, ist uns ein Rätsel und wir sind mächtig angepisst, vor allem von dem wirklich unfreundlichen, arroganten Personal hinter dem Tresen, das wir am liebsten durchs Fenster ziehen würden. Aber hilft ja nichts, also nochmal bezahlen und mit dem nächsten Zug weiter fahren, allerdings mehrfach umsteigen statt ursprünglich direkt zu fahren und mit einer zweistündigen Verspätung in unserem Zielort ankommen.

Blick über den See.

Es wird letztendlich die Stadt Keszthely am Westufer des Plattensees. Hier lässt es sich auch trotz des sehr durchwachsenen Wetters gut aushalten. Nachdem ich gerade die letzten Krankheitssymptome aus Rumänien los bin, kündigt sich schon die nächste an. So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass alles, was ich in Asien nicht bekommen habe, mich jetzt in Europa heimsucht. Erst kann ich wochenlang nicht richtig essen, jetzt kann ich weder richtig liegen noch sitzen. Langsam aber sicher schlägt sich das auch in meiner Stimmung nieder und ich habe nicht wirklich Bock, noch weiter zu reisen.

Trotzdem verbringen wir einen Tag am Strand und baden im See. Ungewohnt ist für uns die Tatsache, dass man überall deutsch hört und liest und einem bei Anfragen auf englisch auf deutsch geantwortet wird. Irgendwie ein komisches Gefühl. Wir versuchen uns in der Woche am Balaton vorrangig etwas auszuruhen und auszukurieren, uns Gedanken zu machen und herunterzufahren, da wir anschließend wieder eine Stadt besuchen, bei der wir mit Sicherheit erneut etliche Kilometer zu Fuß zurücklegen werden.

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