Polen: Krakau und Breslau – Besuch in Polens Königsstädten

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4–6 Minuten

Nach unserem Trip durch Ungarn, geht es als nächstes in ein Land, welches wir bei unserer Reiseplanung so gar nicht auf dem Zettel hatten. Warum wir das Ziel dann aber doch noch eingebunden haben, hat einen ganz besonderen Grund.

Die Fernbushaltestelle von Budapest liegt etwas außerhalb der Stadt. Um genug Puffer zu haben starten wir früh morgens mit der Tram, um den Bus nicht zu verpassen. Dummerweise ist die Haltestelle nicht überdacht und so sitzen wir auf unseren Backpacks in der prallen Sonne und brutzeln vor uns hin. Hoffentlich nicht vergebens, denn die Haltestelle ist so schlecht beschildert, dass wir uns nicht einmal sicher sind, ob wir hier richtig sind. Andere Reisende sind mindestens genauso unschlüssig und sprechen uns immer wieder an, ob sie hier richtig sind.

Um kurz nach 9:00 Uhr sitzen wir im Bus nach Polen. Es geht einmal quer durch die Slowakei bis wir am Nachmittag Krakau erreichen. Unsere Bleibe befindet sich in einem Hinterhof einer Flüchtlingsunterkunft und erinnert eher an eine Jugendherberge oder eine Knastzelle aus den 80er Jahren. Spartanisch eingerichtet mit 2 Einzelbetten, einem Stuhl, einer kleinen Kommode und sogar einem Fernseher, hat die Unterkunft zwar alles, was man braucht, mehr aber auch nicht. Mit etwas mehr als 40€ die Nacht nicht gerade günstig für das, was wir bekommen. Aber in Europa, in einer beliebten Großstadt und zur Ferienzeit, dürfen wir uns wohl nicht beschweren. 

Schon der Flur sieht „einladend“ aus.

Krakau – Kultur und kulinarische Highlights

Krakau ist eine quirlige Stadt mit historischem Kern, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und heute Touristen aus aller Welt anzieht. Überall sieht man Kutschen, die die Besucher durch die alten Gassen der zweitgrößten Stadt Polens fahren. Besonders interessant finden wir das jüdische Viertel, wo es einen kleinen Flohmarkt mit alten Kameras, Büchern und anderen Dingen gibt. Hier probieren wir auch eine polnische Spezialität – Zapiekanka. Die klassische Variante des Pilz-Baguettes war in den Siebzigern ein beliebter Snack der Arbeiterklasse. Heute erfreut sich das Fast Food sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen großer Beliebtheit und ist mit vielen verschiedenen Toppings erhältlich.

Der Rynek Główny bildet mit dem Tuchmarkt (Gebäude) den Kern der Altstadt.
Auf bunt geschmückten Kutschen können sich Touristen durch die Gassen fahren lassen.
Eine Häuserfront im jüdischen Viertel.
Analoge Kameras auf dem Flohmarkt.
Zapiekanka – Der Klassiker mit Pilzen, Käse und Ketchup.

Durchgebraten in Breslau

Um von Krakau nach Breslau zu gelangen, finden wir einen Anbieter, der noch günstiger als FlixBus ist. Mit Neobus kommen wir für 15€ für 2 Personen nach Breslau. Dafür muss ich mich aber beim Einsteigen gleich vom Busfahrer anknurren lassen, weil ich kein polnisch verstehe. Die nächste Überraschung erwartet uns dann oben im Doppeldecker. Der Bus ist brechend voll und es riecht nach Wurst. Wir müssen uns noch irgendwo zwischen die anderen Fahrgäste quetschen, denn eine Sitzplatzreservierung gibt es bei dem Unternehmen nicht. Naja, irgendwo muss der günstige Preis ja herkommen. Die Beinfreiheit in dem Vehikel ist etwa vergleichbar mit der in einem Ryanair Flugzeug. Gut, dass die Fahrt nur etwa 4 Stunden dauert. 

In Breslau angekommen, müssen wir die restliche Strecke mit dem Stadtbus zurücklegen. An der Haltestelle herrscht knallende Hitze und es gibt keine Möglichkeit sich irgendwo in eine schattige Stelle zu verkriechen. Passend dazu fällt die Busfahrt aus und wir müssen geschlagene 20 Minuten in der brütenden Hitze ausharren, bis wir endlich von hier weg kommen.

Ich kann mir die Wartezeit zumindest ein bisschen mit Street Photography vertreiben.

Nachdem unsere erste Unterkunft in Polen nicht unbedingt das Gelbe vom Ei war, versuchen wir es in Breslau mit einem Hostel, das auf den Bildern im Internet wirklich fancy aussah. Und tatsächlich entsprechen die Fotos der Wahrheit. Das Hostel hat das Motto des Videospiel-Klassikers GTA Vice City aufgegriffen und die Räume farblich im Stil der 80er Jahre gestaltet – wirklich cool. Die Freude vergeht uns allerdings, beim Hinaufgehen der Treppen. Langsam aber sicher realisieren wir, dass wir ein Zimmer im Dachgeschoss erwischt haben und das bei schlappen 35 Grad, die hier zur Zeit täglich herrschen. Ich habe 14 Jahre lang in einer Dachgeschosswohnung gelebt, aber daran gewöhnt habe ich mich bis heute nicht.

Küche im GTA Vice City Style.

Trotz geöffneter Fenster und abendlicher Abkühlung ist die Luft im Zimmer zum Schneiden und wir sehnen uns insgeheim ein Sauerstoffzelt herbei. Dementsprechend unruhig verbringen wir die Nacht und wenden uns im Bett wie runzelige Bockwürste auf einem Tankstellengrill. Als wäre die Hitze nicht schon nervig genug, plagen uns außerdem die lauten Motoren der Autoposer und Biker, die die Straßen vor dem Hostel auf und ab rasen.

Nach 2 Kaffee und einer furztrockenen Brezel machen wir uns auf in die Altstadt. Heute ist Maria Himmelfahrt und „passend“ dazu veranstaltet das polnische Militär einen Schnuppertag mit Parade. Wir interessieren uns mehr für die Gassen und die Architektur der Stadt und ziehen mehrere Stunden durch die malerischen Straßen, die gesäumt von kleinen Kaffees und Eisdielen sind. Bei dem Wetter gönnen wir uns auch ausnahmsweise Mal ein großes Eis auf die Hand.

In Breslaus Straßen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Verkäufer mit allerhand Trödel für Kinder trifft man hier an jeder Ecke.

Ein kleines Highlight der Stadt ist der Laternenanzünder, der jeden Abend durch die Gassen der Dominsel zieht, um per Hand die Straßenlaternen anzuzünden. So schön diese Tradition auch ist, so nervig scheint es auch zu sein, dass ihm einige Touristen auf Schritt und Tritt mit ihren Kameras folgen und er teilweise Probleme hat, seiner Arbeit nachzugehen. Ich versuche ein wenig Abstand zu wahren und mache aus sicherer Entfernung ein paar Fotos und lasse den Mann ziehen, anstatt ihm hinterher zu laufen.

Fußgängerbrücke zur Dominsel.
Der Laternenanzünder bei der Arbeit.

Wir genießen noch ein wenig die Ruhe und die angenehme Abendluft, bevor wir uns wieder in der Dachkammer des Hostels durchbraten lassen.


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