Titelfoto: Der Siriu See
Der vorletzte Tag unseres Roadtrips durch Transsilvanien ist angebrochen und so machen wir uns auf den Weg von Brașov in Richtung Bukarest, wo wir den Mietwagen zurückgeben müssen. Allerdings werden die nächsten Tage für mich zu einer gesundheitlichen Herausforderung, wie ich sie bisher auf der Reise noch nicht erlebt habe.
Wir halten unterwegs wieder an unzähligen Orten an und landen durch Zufall auch am Siriu See. Die Aussicht ist spektakulär, ein schöner blauer See, umgeben von grünen Bergen. Welch ein Start in den Tag.

Als wir weiter in Richtung unseres geplanten Zwischenstopps fahren, werden wir von einer Horde Ziegen ausgebremst, die es sich auf der Straße bequem machen. Während wir große Augen und Fotos machen, ist der Hirte weniger erfreut und versucht seine Ziegen wieder auf die Weide zu lotsen. Doch einige von ihnen treibt es immer wieder zu uns, wir hätten sie am liebsten eingepackt. Jetzt wird es aber auch Zeit, unseren letzten Zwischenstopp zu erreichen. Eine ganz besondere Landschaft.
Berca
Berca, eine Gemeinde im Kreis Buzău, rund 130 Kilometer nördlich von Bukarest. Noch nie gehört? Wir auch nicht, bis wir von einer anderen Reisenden von diesem Schauort eines sehr seltenen Naturphänomens erfahren haben. In dem hier liegenden geologischen und botanischen Naturreservat lassen sich sogenannte Schlammvulkane finden, die zwischen drei und acht Meter hoch werden. Statt heißer Lava spucken diese Vulkane kalten Schlamm, der durch Gaseruptionen unter der Erde entsteht. Aus einer Tiefe von bis zu 3000 Metern befördern diese Eruptionen eine Mischung aus Tonböden und Grundwasser zutage.


Das Gebiet sieht wie eine Mondlandschaft aus und wir spazieren eine ganze Weile durch diese außergewöhnliche Kraterlandschaft. Wirklich beeindruckend, was die Natur alles bietet. Als wir auf dem Weg zum größten Krater sind, bleibt Melina mit einem Schuh im Schlamm eines spuckenden Vulkans stecken. Sie kann sich, obwohl es sehr rutschig ist, zum Glück noch auf den Beinen halten, sodass es nur den Schuh und das Hosenbein erwischt.

Das hätte auf den letzten Metern noch gefehlt. Allerdings sollte die Wanderung durch die Kraterlandschaft sowieso die letzte für unsere mehr als durchgelaufenen Schuhe werden, also ab in die Tonne mit den Tretern und weiter Richtung Bukarest.
Rückreise nach Bukarest
Bevor wir uns in Bukarest wieder von dem Luxus eines Mietwagens verabschieden müssen, nächtigen wir in einem kleinen Vorort und kaufen zum Abendbrot noch ein frisches, warmes Brot vom Bäcker, Hummus und eine Melone am Straßenrand.
Irgendetwas davon scheint mir nicht richtig zu bekommen und ich merke über Nacht, wie es mir immer beschissener geht. Leider ist es auch beim Erwachen am nächsten Morgen nicht besser und wir fragen uns, wie es weitergehen soll. Wir sind in einem Kaff vor Bukarest und müssen heute definitiv bis 11:00 Uhr das Auto zurückbringen. Eine öffentliche Anbindung gibt es nicht, sodass erst einmal keine andere Wahl bleibt, als mit dem Auto zum Verleiher zu fahren. Melina gibt sich alle Mühe, langsam und ohne großartige Kurven und Schlaglöcher zu fahren, damit mein Magen einigermaßen stabil bleibt. Das funktioniert soweit auch ganz gut und ich halte bis zum Verleiher durch.

Dieser fährt uns dann allerdings mit dem Shuttle mit einer dermaßen rüpelhaften Fahrweise zum Airport, dass ich mich kurz nach dem Aussteigen direkt am Flughafenvorplatz übergeben muss. Mir geht es richtig dreckig und ich frage mich ernsthaft, wie ich jetzt noch eine knapp einstündige Busfahrt in die Stadt überstehen soll. Schon morgens hatten wir entschieden, aufgrund meines Gesundheitszustandes die Weiterfahrt auf Übermorgen zu verschieben und buchten kurzfristig eine Nacht in Bukarest.
Der Weg dorthin zieht sich wie Kaugummi. Am liebsten würde ich mich einfach auf die Straße legen und die Augen schließen. Während ich damit beschäftigt bin, meinen schlappen Körper in den Bus und anschließend zur Unterkunft zu befördern ohne mich erneut zu übergeben, kämpft Melina sich mit den gut 50 kg Gepäck durch die Straßen. Zu all dem gesellt sich noch die drückende Mittagshitze von 30 Grad hinzu.
Endlich erreichen wir die Unterkunft. Ich will nur noch ins Bett und schlafen. Offensichtlich haben wir in der leicht überhasteten Buchung am Morgen allerdings für nur eine, statt zwei Personen gebucht. Sie geben uns aber zu verstehen, dass es kein Problem sei, solange wir bis morgen früh auschecken, weil dann neue Gäste für das große Zimmer kommen.
Die Hoffnung, dass wir am nächsten Tag weiterreisen können löst sich relativ schnell in Luft auf. Es geht mir kaum besser, aber wir müssen trotzdem raus aus der Unterkunft. Also buchen wir ein neues Zimmer in einem anderen Stadtteil von Bukarest. Wieder sind wir eine gute Stunde mit den Öffis unterwegs, um ins nächste Zimmer zu ziehen und ich verbringe wieder einen fast kompletten Tag mit schlafen.
Horrorfahrt nach Cluj

Es hilft alles nichts, wir müssen weiter. Ich bin immer noch ziemlich K.O., aber mein Magen und Darm sind stabil und heute müssen wir ja auch quasi nur im Zug sitzen. Wir sind schon durch die halbe Welt gereist und haben dabei schon einige beschissene Zugfahrten mitgemacht, aber das was uns hier widerfährt, ist eine absolute Frechheit und grenzt an Körperverletzung. Nicht nur, dass im Waggon die Klimaanlage auf einer Strecke von 8,5 Stunden nicht funktioniert und vermutlich weit über 40 Grad im voll besetzten Waggon herrschen, gibt es nicht einmal mehr Wasser im Bordrestaurant.
Von gratis Wasser für die fast dehydrierten Fahrgäste fangen wir gar nicht erst an. Noch dazu muss man sich vom „Barkeeper“ dumme Sprüche gefallen lassen, weil man mit 2 Personen nur ein Getränk nach dem anderen und nicht immer gleichzeitig 2 kauft. Am liebsten hätte ich dem Mann keinen Cent mehr in den Rachen geworfen, allerdings sind wir auch nach 3 Litern Getränke vom Gefühl her völlig am Austrocknen.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kommen wir auch noch mit über 2 Stunden Verspätung in Cluj-Napoca an. Das war hoffentlich das letzte Mal, dass wir mit dem Unternehmen reisen mussten.
Völlig erschöpft kommen wir mitten in der Nacht bei der Familie an, bei der wir die nächsten Tage wohnen werden. Alle sind schon im Pyjama und es ist uns total unangenehm, so spät hier aufzukreuzen, auch, wenn wir im Grunde genommen nichts dafür können. Trotz enormer Verständigungsprobleme begreift die Familie recht schnell, dass wir dringend noch eine Flasche Wasser benötigen und sind heilfroh, dass sie uns eine überlassen. Gierig kippen wir einen Liter in uns rein und bekommen dann unseren wohl verdienten Schlaf.
Die Altstadt von Cluj-Napoca
Der gestrige Reisetag hinterlässt bei uns auch am nächsten Tag noch seine Spuren und wirft mich gesundheitlich gefühlt wieder einen Schritt zurück. Trotzdem machen wir uns auf den Weg in die Altstadt von Cluj-Napoca, die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Sie macht trotz ihrer Größe einen recht gemütlichen Eindruck als wir durch die Straßen ziehen. Gesundheitlich geht es mit mir wieder bergab und wir beschließen, nur noch schnell etwas zu essen und zurück zur Wohnung zu gehen.


Da es nur eine Kleinigkeit auf die Hand sein soll, schleift mich Melina in eine Art Dönerladen. Okay, ein bisschen Brot, Fleisch und Salat wird wohl nicht schaden. Der kleine Burger auf dem Werbeplakat ist bei Fertigstellung eher ein XXXL-Döner und da es im Angebot zwei gibt, entscheide ich mich, nach Tagen ohne Essen direkt mal ein wenig davon zu probieren. Großer Fehler.

Nach wenigen Bissen quälen mich wieder Magenschmerzen und Übelkeit. Was habe ich mir da nur eingefangen? Wir rudern wieder zurück zu Tee, Wasser und Schonkost und dies für eine ganze weitere Woche.
Nach ein paar Tagen in Cluj-Napoca geht es für uns weiter Richtung Norden. Wir wählen wieder eine Mitfahrgelegenheit, die sich allerdings um mehr als 1 Stunde verspätet, sodass wir am Ende fast 2 Stunden an der Tankstelle auf unseren Fahrer warten. Als der junge Fahrer dann noch mit einer verbundenen Hand aussteigt und das bei einem Schaltwagen, schwant uns Böses. Aber alles läuft gut. Die Fahrt durch das idyllische Maramureș ist trotz fehlender Klimaanlage recht angenehm und der Fahrer setzt uns am Ende sogar direkt vor unserem Appartment ab.
Baia Mare und die Holzkirchen von Maramures
Baia Mare, die Landeshauptstadt von Maramureș, ist ein netter kleiner Ort, der außer einen winzigen Altstadt und einem Markt nicht allzu viel zu bieten hat. Viel mehr interessiert uns die Gegend um den Ort herum. In den nächsten Tagen möchten wir mit einem Mietwagen die Umgebung erkunden und unter anderem die berühmten Holzkirchen besuchen sowie eine Fahrt mit der letzten Dampfbahn durch Rumäniens Wälder machen.


Die von der Unterkunft angebotene Möglichkeit, ein Auto zu mieten, existiert aber leider gar nicht und die Vermietungen im Ort haben so kurzfristig keine Autos mehr frei. Ganz toll. Wir ärgern uns tierisch über die Falschangaben und als der Vermieter dann noch zu einem wirklich unverschämten Preis anbietet, er könne uns ja einen ganzen Tag rumfahren, sind wir stinksauer.


Es hilft nichts, ändern können wir es nicht. Wir schauen uns in den nächsten Tagen in Ruhe den Ort an und ich kuriere mich weiter aus, denn ich kämpfe nach wie vor mit Magenschmerzen und Übelkeit. Nach 5 Tagen in Baia Mare heißt es dann Abschied nehmen, nicht nur von der Stadt, sondern auch von Rumänien. Wir ziehen weiter, über die Landesgrenze hinaus.
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