Travel Notes #26: Bambuszug, Killing Cave und eine nervenaufreibende Hauptstadt

Battambang ist eine ganze Ecke weniger touristisch als Siem Reap. Man sagt, „hier sieht man noch das wirkliche Kambodscha“ und genau das gefällt uns. Die Stadt hat einen kleinen Markt, Cafés und Street Food Stände. Hier kannst du ein paar Tage wunderbar entschleunigen und das gewöhnliche Leben der Einwohner kennenlernen. Dabei sammeln wir Erfahrungen, die uns nachdenklich machen.

Wir genießen die Ruhe und die Gastfreundschaft der kleinen Stadt, die immerhin die drittgrößte Kambodschas ist. Sehenswürdigkeiten sucht man hier vergeblich. Wer etwas erleben möchte, muss ein bisschen raus aus dem Ort. Wir buchen uns dafür einen Tuk Tuk Fahrer, der uns zum Bamboo Train, zur sogenannten Killing Cave und später zur Bat Cave bringen soll.

In diesem Gebäude befindet sich der Zentralmarkt von Battambang.

Bamboo Train

Beim Bamboo Train handelt es sich um eine alte Bahnstrecke, die nach der Schreckensherrschaft der roten Khmer, von einigen Bewohnern ins Leben gerufen wurde, um einzelne Dörfer miteinander zu verbinden. Heute sind die kleinen Bambuszüge eine beliebte Touristen-Attraktion. Wir machen eine Fahrt auf einem der wackeligen und gefühlt nicht ganz sicheren Vehikel. Nach etwa 15 Minuten Fahrt erreichen wir ein kleines „Dorf“, das mehr oder weniger nur aus Verkaufsständen mit Kokosnüssen, Getränken und Klamotten besteht.

Bevor es los geht, muss der Zug erstmal auf die Schienen gebracht werden.
Das „Dorf“.

Wir werden sofort von kleinen Kindern belagert, die versuchen uns Armbänder zu verkaufen. Ich gebe zu, dass es mir schwer fällt, nichts zu kaufen. Denn mit dem Kauf wird den Kindern vermittelt, dass Schule und Bildung nicht wichtig ist, um Geld zu verdienen. Wir haben dafür Getränke an einigen Ständen gekauft und hoffen, damit zumindest ein bisschen was Gutes getan zu haben.

Das kleine Mädchen hat es mir wirklich nicht leicht gemacht, nichts bei ihr zu kaufen.

Im Internet wird immer wieder davon abgeraten, bei den Kindern etwas zu kaufen. Zu sehen, wie sie sich an jeden „Neuankömmling“ heranschmeißen, um einen Dollar zu verdienen, macht uns wirklich betroffen und traurig. Die Stimmung auf der Rückfahrt ist dementsprechend etwas bedrückend. Beste Voraussetzung für unseren nächsten Halt – die Killing Cave.

Killing Cave

Mit dem Tuk Tuk geht es weiter zur Killing Cave der roten Khmer. Unter Pol Pot kam die rassistische Guerrilabewegung an die Macht und löschte zwischen 1975 und 1979 einen großen Teil der eigenen Bevölkerung aus, um eine Art Agrarstaat zu implementieren. Dabei starben schätzungsweise rund 2 Millionen Männer, Frauen und Kinder jeden Alters einen grausamen Tod, indem sie zum Beispiel in diese Höhle geworfen wurden und unten auf einen Stein aufschlugen. Wir besichtigen die Höhle sowohl von oben, als auch von unten. Unser Tuk Tuk Fahrer fungiert dabei als Guide und erzählt uns über dieses schlimme Kapitel der kambodschanischen Geschichte.

In dieses Loch wurden die Opfer der roten Khmer geworfen.
Unten befindet sich eine Sammlung mit unzähligen Knochen der Opfer.

Was muss in diesen Leuten vorgegangen sein, dass sie die eigene Bevölkerung grundlos töten? Wir sind am Ende stark verwundert, dass man in Deutschland in der Schule nie von dieser Historie gehört hat, die zeigt, zu was für Gräueltaten Menschen unter einem bestimmten Einfluss fähig sind. 

Die Bat Cave von Phnom Sampov

Zum Tagesabschluss besuchen wir die Bat Cave. Ehrlich gesagt, konnte ich mir vorher nicht viel darunter vorstellen. Ich dachte, wir fahren zu einer Höhle, in der ein paar Fledermäuse unter der Decke hängen. Ganz nett, aber auch nicht spektakulär. Besonders schön soll das Ganze zum Sonnenuntergang aussehen. Wir suchen uns einen Platz von wo aus wir einen guten Blick auf den Höhleneingang haben und machen es uns mit einem Getränk bequem. Plötzlich fährt unser Fahrer vor und bittet uns, einzusteigen. Auf der Rückseite der Höhle soll das eigentliche Highlight stattfinden. Nach einer kurzen Fahrt halten wir und klettern einen Berg hoch, auf dem sich schon einige andere Menschen eingefunden haben. Sogar Frauen mit Körben voller Bier und anderer Getränke schleppen sich den steilen Hügel nach oben, um noch ein paar Dollar zu verdienen.

Selbst ohne die Fledermäuse ist der Blick über die Landschaft mehr als imposant. Die Sonne geht langsam hinter den unendlich wirkenden Wäldern aus Palmen unter, als wie auf Knopfdruck Millionen (schätzungsweise 15 Millionen!!!) von Fledermäusen die Höhlen verlassen, um auf Futtersuche zu gehen. Wir sind absolut beeindruckt von dem Naturschauspiel und genießen den Augenblick, den ich zwar fotografiere, aber in Bildern kaum wiedergeben kann. Das muss man einfach selbst erlebt haben.

Phnom Penh

Die Feiertage verbringen wir in der Hauptstadt Kambodschas. Eine Stadt, mit der wir irgendwie nicht richtig warm werden. Die Fahrt in einem Local Bus ist noch ganz witzig. Wir sind die einzigen Ausländer und scheinbar sehr interessant für die Einheimischen. Die Frau vor uns fragt nach einem Selfie mit uns und teilt es anschließend aufgeregt in einer Facebook Gruppe. Offensichtlich fahren Touristen hier eher selten mit. Das merken wir auch direkt bei unserer Ankunft in Phnom Penh. Die Tuk Tuk Fahrer versprechen sich offenbar ein gutes Geschäft mit uns und lassen uns kaum aussteigen. Ich behaupte einfach, dass unser Hotel ein paar Meter entfernt liegt und wir kein Tuk Tuk benötigen. Wir schnappen unsere Rucksäcke und flüchten aus der Traube von Fahrern.

In Wirklichkeit liegt unser Appartment in einem der vielen Wolkenkratzer der Stadt. Nachdem wir ein paar Tage im beschaulichen Battambang verbracht haben, wirkt diese Stadt befremdlich. Kaum noch Stände mit Street Food. Stattdessen französische Cafés und westliche Fastfood-Ketten, soweit das Auge reicht. Auf den Straßen mehr Touristen als Einheimische. Ein kleiner Kulturschock und eigentlich möchte man direkt umdrehen.

Heiligabend ohne Kakerlaken

Zu Weihnachten wollten wir uns etwas gönnen. In einem Appartment mit Blick über die Stadt verbringen wir unsere nächsten Tage. Da darf das Zimmer auch mal etwas mehr kosten, was offenbar aber nicht heißt, dass es deswegen sauberer ist, als in einem günstigen Gasthaus. Bei unserer Ankunft begrüßen uns im Badezimmer und in der Küchenzeile ein paar Schaben und andere Krabbeltiere. Wir gehen mit Tüchern auf die Jagd und erledigen ein paar der lästigen Viecher. Leider bringt das nur bedingt etwas und auch Insektenspray, das wir vom Reinigungsteam bekommen, schafft keine Abhilfe.

Zumindest der Ausblick kann sich sehen lassen.
Genauso wie der 360 Grad Rooftop Pool.

Nach mehreren Beschwerden beim Gastgeber und zwei weiteren Nächten gibt er uns an Heiligabend ein anderes Zimmer im darunter liegenden Stockwerk. Der Ausblick ist ähnlich gut wie vorher und hier sind wenigstens keine Tiere mehr. Über den teilweise üblen Geruch aus dem Badezimmer rege ich mich schon gar nicht mehr auf.

Die Stadt selbst gefällt uns aus irgendwelchen Gründen nicht besonders. Vielleicht ist sie uns einfach zu groß, zu unpersönlich oder zu unauthentisch. Die Spaziergänge durch die Stadt strapazieren mein Nervenkostüm immer wieder aufs Neue, denn an jeder Ecke lauern die Tuk Tuk Fahrer und hoffen auf einen Auftrag.

TUK TUK? TUK TUK?

„Sir, Tuk-Tuk?“ Keine 20 Meter können wir uns im Großstadt-Moloch von Phnom Penh fortbewegen, ohne dass wir von einem Fahrer angesprochen werden. Während ein „No, thank you!“ den meisten Fahrern ausreicht, laufen dir andere mit einem einlaminierten DIN-A4 Zettel hinterher auf denen sie ihre Touren zu den Attraktionen der Stadt anpreisen. Kein Wunder, denn der Markt um die Touristen ist hart umkämpft. Bis heute hat sich der Tourismus in Phnom Penh von der Pandemie nicht erholt und so bemühen sich an jeder Straßenecke Väter und Großväter ums Überleben für ihre Familien.

Wir sind beinahe erleichtert, als es endlich weitergeht und wir Phnom Penh in Richtung Kampot verlassen können. 

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