Travel Notes #23: Der Höllentrip nach Ayutthaya

Nervenaufreibende Fahrten hatten wir in der jüngeren Vergangenheit mehr als genug. Deshalb hätte ich diesen Beitrag gerne anders begonnen. Aber wie heißt es so schön? „Hätte, hätte Fahrradkette“. Mit dem Zug wollen wir von Chiang Mai runter in den Süden nach Ayutthaya fahren. Doch wie so oft, geht diese Fahrt ordentlich in die Grütze.

Zwar müssen wir schon um 5:00 Uhr morgens aus den Federn, um mit dem Bus zurück nach Chiang Mai zu gelangen, ansonsten gestaltet sich der Morgen aber als überraschend entspannend. Dass der Bus unentwegt klappert und klötert, als würde er eine ganze Ziegenherde beherbergen, stört uns genauso wenig wie die Polizeikontrolle irgendwo in der Einöde des Thailändischen Dschungels.

Nach gut zwei Stunden erreichen wir pünktlich den Bahnhof in Chiang Mai. Es ist sogar noch Zeit genug, um gleich nach dem Ticket-Kauf einen Kaffee im 7Eleven auf der anderen Straßenseite zu kaufen. Wir gehen zum Schalter und kaufen 2 Tickets für den 9:00 Uhr Zug.

„Two tickets to Ayutthaya please.“

„At what time?“

„9 o’clock please.“

„The train is full. What time?“

„9 o’clock please.“

„The train is full! The next train leaves at 15:30.“

Nicht deren sch… Ernst! Der verdammte Zug ist ausgebucht. Bevor ich ausflippe setze ich mich erstmal und versuche herunter zu kommen. Im Internet suche ich nach einer Busverbindung, doch die Busse sind selbstverständlich ebenfalls ausgebucht und die nächsten freien Plätze gibt es erst in zwei Tagen. Vielleicht waren wir etwas zu blauäugig, den Berichten im Internet zu glauben, in denen es immer wieder hieß, dass man locker kurz vor Abfahrt einfach ein Ticket kaufen kann. Jetzt sitzen wir hier, müde und genervt, wobei es „angepisst“ noch besser trifft.

Dass wir später abfahren bedeutet gleichzeitig, dass wir die kommende Nacht im Zug und nicht in der gebuchten Unterkunft verbringen. Beim Ticketkauf habe ich die Wahl zwischen Schlafabteil in der 1. Klasse oder „komfortable“ Sitzplätze in der 2. Klasse. Ich entscheide mich für letztere Option, was sich später noch rächen soll.

Die nächsten Stunden verbringen wir in der Stadt und versuchen die Zeit bis zur Abfahrt totzuschlagen. Bei unserer Rückkehr in den Bahnhof steht der Zug bereits auf dem Gleis. Es gibt sowohl Nummern an den Waggons, als auch Schilder auf dem Bahnsteig. Dummerweise stimmen die Nummern auf den Schildern nicht mit denen überein, die am Zug stehen. Ich gehe die Wagen ab und überspringe gleich mal die abgewrackt aussehenden Waggons, denn wir haben ja 2. Klasse gebucht. Irgendetwas kann hier nicht stimmen. Die Wagennummer, die auf dem Ticket steht, finde ich nirgendwo. Ich sehe mir nochmal jeden Waggon genau an und falle fast vom Glauben ab, als ich feststelle, dass ich uns zwei schöne Plätze in einem rollenden Sarg gebucht habe.

Von außen sieht der Wagen tatsächlich besser aus als von innen. Die Sitze sind abgerockt, alles ist kaputt. Keine Klimaanlage sondern nur laut surrende Ventilatoren, die gebetsmühlenartig ihre Runden unter der Decke drehen. Aber hey, die Fenster sind ja sonst auch noch alle auf, da können wir uns schön den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Das ist aber auch nur so lange schön, bis die Abenddämmerung einsetzt und durch die Beleuchtung im Waggon allerhand Viehzeugs angezogen wird.

Viele der Mitreisenden scheint all das nicht weiter zu stören. Sie essen und machen die Augen zu, um zu schlafen. Die Idee an sich ist gar nicht schlecht, doch es hapert an der Umsetzung. Andauernd Tiere, die einem im Gesicht herumfliegen und der nicht endende Lärm machen es uns nicht leicht.

Mit etwa einer Stunde Verspätung erreichen wir um etwa 4:30 Uhr endlich Ayutthaya. Wir haben den Zug noch nicht einmal ganz verlassen, als sich die Tuk Tuk Fahrer auf die Reisenden stürzen, wie ein Fliegenschwarm auf einen frischen Hundehaufen. Um diese Uhrzeit können die Fahrer theoretisch alles verlangen und vermutlich würde ich es sogar zahlen, denn ich habe die Schnauze gestrichen voll vom Tag und möchte nur noch ins Bett und endlich schlafen.

Ayutthaya

Nachdem wir ordentlich Schlaf nachgeholt und gefrühstückt haben, das nächste Highlight. Unter einem unserer Rucksäcke hat es sich ein sogenannter Skolopendra gemütlich gemacht. Wie das Ding ins Zimmer gekommen ist, wissen wir nicht. Aber eins wissen wir genau, dass es wieder raus muss – und zwar so schnell wie möglich! Mit einem Glas versuche ich das Tier, das aussieht wie ein überdimensionaler Tausendfüßler mit Stacheln, einzufangen.

Irgendwie passt das Vieh von den Abmessungen her nicht so ganz ins Gefäß und wir entschließen uns, den Gastgeber um Hilfe zu bitten. Als dieser das Tier sieht, verlässt er mit einem „OHWOWOW!“ ganz schnell das Zimmer, um wenige Sekunden später bewaffnet mit einem Spaten zurückzukehren. Mit einem gezielten Schlag und ordentlich Druck setzt er das Tier soweit außer Gefecht, um es nach draußen zu befördern, wo er ihm den Rest gibt. Skolopendra sind sehr giftig und aggressiv, für den Menschen aber wohl nicht lebensgefährlich.

Nach der ganzen Aufregung wollen wir nun aber endlich die Stadt genauer ansehen. Am Besten geht das mit Fahrrädern, die wir uns für lau in der Unterkunft leihen können. Man muss schon ein wenig masochistisch veranlagt sein, um in einer thailändischen Stadt mit dem Fahrrad zu fahren. Aber was soll ich sagen, es funktioniert überraschend gut. Um die Tempelanlagen Ayutthayas abzufahren ist es sogar perfekt, da die Entfernungen zwischen den Tempeln nicht zu weit sind und du dir das Geld für ein Tuk Tuk sparen kannst. 

Die Wachhunde der Tempelanlage.
Leider werden Elefanten hier immer noch als Touristenattraktion angeboten.

Das geben wir anschließend lieber auf dem Nachtmarkt für Street Food aus und kommen erstmals in den Genuss von frittierten Shrimps. Da wir beide keine Seafood Fans sind, tasten wir uns erstmal langsam heran und probieren jeder nur einen Shrimp. Die Dinger sind echt gut und so kaufen wir gleich noch ein paar hinterher. Anschließend noch Pommes mit Käse und der Tag endet perfekt.

Ayutthaya hatten wir anfangs gar nicht als Ziel geplant, sondern eher als Zwischenstopp für die Fahrt in den Süden eingeschoben. Letztendlich sind wir aber sehr angetan von dem Ort mit seinen vielen Tempelruinen. Von Ayutthaya aus sind es nur noch 80 Kilometer bis nach Bangkok, von wo aus wir als nächstes nach Krabi fliegen. Wir nehmen wieder den Zug. Dieses Mal 3. Klasse. Ohne Stress, ohne Ärger, ohne Probleme.

5 Kommentare zu „Travel Notes #23: Der Höllentrip nach Ayutthaya

  1. Moin! Der Bericht ließt sich wie es eben in anderen Ländern so sein kann – raus aus der Komfort Zone. Aber die Bilder sind klasse und – wie eigentlich so oft – spiegeln die Strapazen nicht so recht wieder. Gute Reise weiterhin!

    1. Moin Mathias, vielen Dank für dein Feedback. Gegen das Verlassen der Komfortzone haben wir im Grunde auch gar nichts. Ich glaube, das darf man bei so einer Reise auch nicht, fängt bei kaltem Wasser beim Duschen an ;). Am Meisten hatte mich an dem Tag gestört, dass wir durch die spätere Abfahrt dementsprechend viel später am Ziel ankamen. Es war natürlich auch irgendwo unsere eigene Schuld, aber der Tag war dann echt gelaufen für mich. Das Widerspiegeln der Strapazen ist auf den Bildern auch nicht ganz leicht umzusetzen. Muss ich vielleicht noch dran arbeiten. Wobei ich eigentlich hoffe, in der nächsten Zeit von solchen „Abenteuern“ verschont zu bleiben. Nochmals vielen Dank und alles Gute.

      1. Moin Dennis, vielen Dank für Deine schnelle Reaktion! Deine Bilder und der Bericht sind klasse, ich bin total begeistert.
        Ich kenne es von meinen eigenen Bildern. Wenn Unbeteiligte sie anschauen, oder ich sie mir später anschaue sieht es gut aus. Unter welchen Bedingungen sie teilweise entstanden sind ist nicht erkennbar, vielleicht auch sehr viel verlangt. Gute Reise!

    1. Naja, wir haben auch sehr viele positive Momente erlebt. Nur die Fahrten sind oft abenteuerlich und rauben uns einiges an Nerven. Trotzdem bereuen wir den Schritt nicht. 😉

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