Travel Notes #13: Ulcinj – Urlaub mit Einheimischen und einer Runde fremdschämen

In einem Minibus geht es von Kotor in den Süden Montenegros. Der Wagen ist voll bis auf den letzten Platz und es riecht abwechselnd nach Schweiß und faulen Eiern. Ich sitze neben einem mürrischen älteren Mann, der im Gegensatz zu den anderen Fahrgästen zumindest ruhig ist. Wenn ich schon die Gerüche nicht abstellen kann, dann wenigstens das Gesabbel, indem ich ein bisschen Musik höre. Zu blöd nur, dass die Akkus meiner Kopfhörer leer sind. Das war dann wohl nichts.

Obwohl der Bus schon voll ist, halten wir immer wieder an und gabeln noch irgendwo am Straßenrand weitere Fahrgäste auf. Da der Bus einen Zwischenstopp in Budva macht, habe ich die Hoffnung, dass es dort etwas leerer wird und Melina und ich wenigstens einen Platz nebeneinander bekommen. Budva stand ursprünglich auch auf unserer Liste. Nachdem wir aber gelesen haben, dass es dort inzwischen extrem touristisch sein soll, haben wir uns dazu entschieden, die Stadt auszulassen.

Während der Bus durch die Straßen Budvas fährt, fühlen wir uns in unserer Entscheidung bestätigt. Die Stadt hat sich zu zu einem Touristen-Hotspot entwickelt. Wohin wir auch sehen, werden Hotels aus dem Boden gestampft. Der ganze Ort gleicht einer Großbaustelle. Am Busbahnhof steigen tatsächlich einige Leute aus und wir setzen uns schnell nebeneinander. So viele Menschen wie eben ausgestiegen sind, steigen auch locker wieder ein. Einige setzen sich schon in den Gang, weil kein Platz mehr ist.

Urlaub mit Montenegrinern

Die ersten Eindrücke auf dem Weg zur Unterkunft sind schon mal durchweg positiv. Ulcinj sieht sehr ursprünglich aus und ist stark muslimisch geprägt. Die Zeit des Massentourismus ist schon vorbei und der Strand wird hauptsächlich von Einheimischen besucht. Bevor wir uns unters Volk mischen können, müssen wir noch einchecken, was zu einer kleinen Geduldsprobe wird. Denn bei unserer Ankunft ist niemand da. Keine Gastgeber und auch keine Gäste, die wir ansprechen können – einfach niemand. Dadurch, dass wir uns keine montenegrinische SIM Karte gekauft haben, haben wir auch keine Möglichkeit, jemanden anzurufen. An der Eingangstür steht zwar eine Whatsapp Nummer, aber bei 60 Cent für 50 KB lasse ich die mobilen Daten lieber aus.

Irgendwann kommt ein Typ in Badeshorts um die Ecke, der sich als unser Gastgeber vorstellt. Er war eine Runde im Meer schwimmen. Er schmeisst sich schnell ein paar Klamotten über und zeigt uns unser Zimmer. Wir bekommen sogar ein kostenloses Upgrade auf ein größeres Zimmer. Warum, wissen wir nicht, aber wir nehmen das Angebot gerne an. Vor allem, weil direkt vor unserem Fenster die große Dachterrasse mit einem mega Ausblick liegt. 

Der Blick von der Dachterrasse. Bei gutem Wetter kann man bis Italien sehen.
Ein paar, in die Jahre gekommene, Autos unweit der Unterkunft.
Eine Marktverkäuferin hat uns mit einer sog. Maneki Neko (ich nenne sie Winkekatzen) um den Finger gewickelt. Erst lockt sie einen mit dem Teil an und verkauft dann ihre Waren zu einem überhöhten Preis. Naja, da sind wir wohl selbst schuld.

Wir kaufen ein paar Vorräte für die nächsten Tage ein und sind bei der Rückkehr leicht geschockt. Denn auf der zuvor leeren Dachterrasse halten sich jetzt ein paar Gäste auf. Das ist grundsätzlich nicht weiter schlimm, doch einer von ihnen liegt breit wie ein Eimer auf der Liege, die anderen besaufen sich am Tisch und sind dabei ordentlich laut. Nennt mich gerne einen Spießer, aber sowas brauche ich in solch einer Unterkunft nicht. Wir sind hier nicht auf Malle und außerdem in einem Privathaus. Es stellt sich heraus, dass es auch noch Deutsche sind. Eigentlich hätten wir nichts dagegen uns ein bisschen mit anderen Reisenden auszutauschen, aber unter den Umständen haben wir schon keinen Bock mehr. Das Dreiergespann gibt sich auch die nächsten Tage keine Blöße und trinkt sich laut und bis spät in die Nacht den Verstand weg.

Zumindest Tagsüber müssen wir sie kaum ertragen, weil wir unterwegs sind. Zum Beispiel in der Altstadt von Ulcinj, die oben auf einer Klippe an der Küste liegt. Anders als viele andere Altstädte, ist es hier tagsüber relativ ruhig. Es gibt so gut wie keine Souvenirshops, sondern fast ausschließlich Restaurants, die Meeresfrüchte servieren.

Viele schmale Gassen…
…und kaum Touristen. So gefällt uns das.

Sandstrand, blaues Wasser und ein paar Dinge, die dort nicht hingehören

Wir halten uns hauptsächlich am Strand auf und genießen das hervorragende Wetter. Leider ist er teils mit Kippen übersäht, obwohl hier täglich gereinigt wird. Eine Binde und ein Pflaster im Wasser trüben den Badespass bei mir ein bisschen. Aber gegen die Massen kommen die Reinigungskräfte einfach nicht gegen an. Wenn man darüber hinweg sehen kann, ist die kleine Bucht aber wirklich schön und lädt zum Entspannen ein. Die Restaurants an der Promenade bieten Speisen und Getränke zu humanen Preisen an – Meerblick inklusive. Insgesamt ist Ulcinj ein schöner Abschluss unseres Montenegro-Trips.

Unser nächstes Reiseland ist Albanien und wird im ersten Moment ein ziemliches Kontrastprogramm zu Montenegro sein.

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.