Travel Notes #12: Kotor – Das schönere Dubrovnik?

Wir sind schon früh am Busterminal von Dubrovnik, um von hier aus nach Montenegro zu reisen. Wie schon auf der Fahrt von Bosnien nach Kroatien, müssen wir wieder auf Globtour vertrauen, die uns schon vorgestern einiges an Nerven gekostet haben. Die Beförderung fürs Gepäck ist zwar etwas günstiger als bei der vorherigen Fahrt, abgezockt werden wir dieses Mal dafür aber auf andere Weise.

Statt der ausgewiesenen 1€ pro Gepäckstück sind es heute nur 2€. Da müssen wir uns ja schon fast drüber freuen. Während ich unsere Rucksäcke abgebe, steigt Melina schon in den Bus, um uns ein paar gute Sitzplätze zu ergattern. Als ich in den Bus steige sitzt sie allerdings ganz vorn und schimpft mir entgegen, dass wir hier nochmal etwas bezahlen sollen. Eine ältere Dame verlangt von mir die Tickets. Ich zeige ihr die Tickets auf dem Smartphone, die wir online über FlixBus gekauft haben. Das reicht ihr nicht. Sie verlangt einen Euro dafür, weil sie die Tickets ausdrucken „muss“. Ich erkläre ihr mehrfach, dass ich das Ticket auf dem Smartphone habe und laut FlixBus die digitale Form ausreichend ist.

Ich frage sie, wie ich das Ticket denn bitte ausdrucken soll und ob sie glaubt, dass ich einen Drucker in meinem Rucksack mit mir herumschleppe. Ein Wort gibt das andere und es ist wieder mal keine Lösung in Sicht, außer diesen blöden Euro zu bezahlen. Wir sind nicht die einzigen, mit denen sie dieses Spiel abzieht. Immer wieder gibt es laute Diskussionen und genervte, wütende Mitreisende. Als die Dame allen Fahrgästen das Geld aus der Tasche gezogen hat, verschwindet sie aus dem Bus und wird nie wieder gesehen. Unsere angeblich gedruckten Tickets inklusive.

Reichlich „angepisst“ starten wir endlich nach Montenegro. Ach, wo wir gerade bei „angepisst“ sind. Wir sind noch keine 10 Minuten unterwegs, da tropft es ganz übel aus dem Dach des Busses in den Sitzbereich der Fahrgäste. Einige von ihnen werden richtig nass gemacht und müssen ihre Sitzplätze verlassen. Unfassbar, nachdem man zuvor noch um sein Geld betrogen wurde. Klar, ist der eine Euro irgendwo lächerlich, aber hier geht es ums Prinzip.

Zum Glück sitzen wir hinten.

Es dauert nicht lange und wir passieren die Grenze zu Montenegro. Wir durchfahren Herceg Novi und einige Dörfer, bis wir Kotor erreichen. Schon beim Durchfahren befürchte ich, dass der Weg für uns wieder nach oben geht. So ist es natürlich auch. Nach einem steilen Anstieg erreichen wir unsere Unterkunft. 

Die Gastgeberin zeigt uns unser Zimmer und bietet uns „Welcome Drinks“ an, die wir aus irgendeinem Grund in dem Moment ablehnen. Wir sind einfach zu erschöpft und müssen erstmal zur Ruhe kommen. Etwas später klopft es an der Tür und Ratka (die Gastgeberin) steht mit frischen Pfannkuchen vor uns. Wir sind überwältigt von ihrer Gastfreundschaft und so fühlen wir uns direkt wohl in der neuen Bleibe. Den Rest des Tages lassen wir ruhig angehen und gehen nur noch herunter zum Strand und etwas für die kommenden Tage einkaufen.

Der Strand in der Nähe der Unterkunft.

Perast

Zu Fuß starten wir ins etwa 5 Kilometer entfernte Perast, eine kleine Stadt in der Bucht von Kotor. Einen Teil der Strecke gehen wir über ruhige Straßen direkt am Wasser entlang. Zwischendurch legen wir einen Stopp ein und kühlen uns beim Schwimmen ab.

Irgendwann geht es dann aber nur noch entlang der Hauptstraße, auf der wir als Fußgänger gut aufpassen müssen, weil hier einige entlang heizen, als gäbe es keinen Morgen mehr.

Perast ist wirklich ein schönes Städtchen mit alten Häusern und circa 16 Kirchen, was für den kleinen Ort wirklich viel ist. Gefühlt ist jedes zweite Gebäude ein Gebetshaus. Dazu gibt es außerdem zwei kleine Inseln, auf denen weitere Kirchen stehen. Die Preise in den Restaurants an der Promenade sind allerdings unchristlich. Wir suchen uns ein Café, dass nicht ganz so schick aussieht, in der Hoffnung, hier etwas günstiger etwas trinken zu können. Aber selbst in dem leicht ranzig wirkenden Laden mit Souveniershop soll eine kleine 150 ml Dose Cola 3,50€ kosten. Noch bevor der Kellner da ist, schnappen wir uns unsere Sachen und gehen wieder. Letztendlich wird es dann „nur“ ein Eiskaffee aus dem Supermarkt.

Blick über die Stadt.
Die beiden Inseln liegen vor der Stadt und können mit Booten besucht werden.
Eine der zahlreichen Kirchen von Perast.

Bevor wir den Bus zurück nehmen, gönnen wir uns noch ein Eis, denn das ist hier tatsächlich noch bezahlbar.

Die Altstadt von Kotor

Städte soll man eigentlich nicht miteinander vergleichen. Trotzdem komme ich hier kaum drum herum, weil wir vor kurzem noch in Dubrovnik waren. Die Altstadt von Kotor ist um einiges weniger überlaufen und hat irgendwie mehr Charme. Zwar gibt es auch hier viele Restaurants und Cafés, diese sind aber bei Weitem nicht so voll. So gesehen ist es einfach etwas ruhiger und entspannter.

Blick über die Dächer der Altstadt.

Wenn du Lust hast, kannst du die Festung besichtigen. Wir haben uns allerdings das Eintrittsgeld gespart und haben einen Wanderweg ein paar Meter neben der Festungsmauer genommen. Von hier hat man einen ähnlich guten Ausblick über die Stadt und muss keinen Eintritt bezahlen.

Wir gehen den „Zick-Zack-Weg“ immer weiter nach oben, damit ich ein Foto machen kann. Die Sonne macht uns bei dem Aufstieg ganz schön zu schaffen und wir würden einiges für ein kaltes Getränk geben. Wir sind schon kurz vorm Aufgeben. Aber mich hat mal wieder der Ehrgeiz gepackt und irgendwie schaffe ich es auch, Melina zu überreden, noch etwas weiter zu gehen.

Irgendwann kommen wir an einer Hütte an, in der ein alter Mann wohnt und seinen Hof zum relaxen und kalte Getränke anbietet, wenn er nicht gerade wieder einschläft. Besser geht es nicht. Bei einer eiskalten Cola ruhen wir uns in seinem Garten aus und genießen den tollen Ausblick auf die Bucht von Kotor.

Besonders einladend sieht es auf den ersten Blick nicht aus.
Der Ausblick entschädigt für den anstrengenden Aufstieg.

Kotor ist eine tolle Stadt und wir fühlen uns hier sehr wohl. So langsam heißt es aber Abschied nehmen, denn wir möchten noch etwas mehr von Montenegro sehen. Unser nächstes Ziel ist die südlichste Stadt des Landes – Ulcinj.

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

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