Travel Notes #10: Bosniens Süden – Čapljina, Počitelj und die Kravica-Wasserfälle

Nach dem ganzen Touri-Trouble nehmen wir uns eine kleine Auszeit und schlagen unser nächstes Lager in Čapljina auf. Es ist ein starkes Kontrastprogramm zu Mostar, denn hier gibt es quasi nichts. Die Zugfahrt dauert nur eine halbe Stunde und so sind wir bereits gegen 10:00 Uhr morgens in der Stadt. Der Check-In in die Wohnung ist eigentlich erst ab 12:00 Uhr möglich, doch die Gastgeberin versucht netterweise, uns schon eher hereinzulassen.

Wir haben die Anweisung bekommen, in ein Café zu gehen, wo wir die Schlüssel bekommen sollen. Eine Dame stellt sich uns vor und zeigt uns an, dass wir uns setzen und warten sollen. Englisch kann sie leider nicht und so ist eine Verständigung kaum möglich. Sie fängt an zu telefonieren und wir warten geduldig auf weitere Instruktionen oder die Schlüssel. Nach dem Telefonat verschwindet sie hinter dem Bartresen und fängt an, 2 Kaffee zu machen. „Das wäre doch nicht nötig gewesen“, denke ich mir. Doch der Kaffee ist nicht für uns. Sie setzt sich zu einer Freundin und beide trinken ihren Kaffee und schnacken. Wir sitzen einfach nur da, warten und wissen nicht so recht, was wir tun sollen. 

Irgendwann zeigt die Dame an, dass wir ihr folgen sollen. Es geht in einen Hof, wo wir von einer weiteren Dame erwartet werden. Sie zeigt uns die Wohnung und wir können endlich unser Zeug loswerden.

Mogorjelo

Ein paar Kilometer von uns entfernt liegen die Überreste eines römischen Gutshofes, den wir uns ansehen. Nichts Aufregendes, aber trotzdem interessant. Vor allem, weil wir ab dem Eingang wieder einmal eine tierische Begleitung dabei hatten, einen ganz verspielten Welpen.

Wir hätten ihn am liebsten mitgenommen.

Da wir nächste Woche mit dem Bus weiter müssen, machen wir noch einen kleinen Umweg über den Busbahnhof. Wir wollen uns zumindest schon mal vorab informieren, welche Verbindungen und Möglichkeiten es zur Weiterreise gibt. Doch keiner der Schalter ist besetzt. Das Büro des Busunternehmens, das wir im Internet gefunden haben, existiert nicht mehr.

Von dem Büro ist nur noch die Werbung an der Fassade übrig.

So wie die ganze Stadt hat wohl auch der Busbahnhof schon bessere Tage gesehen. Es gibt zwar ein Neubauviertel, doch der große Teil der Stadt scheint einfach zu zerfallen. Das Zentrum ist bis auf ein paar Cafés und Wettbüros so gut wie ausgestorben.

Ausgegrillt…
… und ausgebrannt.

Počitelj

Circa 5 Kilometer von Čapljina entfernt liegt Počitelj. Ein altes Dorf mit einer Burgruine und schönen alten Häusern. Einen Bus dorthin gibt es scheinbar nicht und so machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Die Strecke führt leider nur an einer viel befahrenen Landstraße entlang. Wir wären lieber entlang der Neretva, dem Fluss, der auch durch Mostar fließt, gegangen.

Die alte Brücke führt über die Neretva.
Zumindest eine Haltestelle gibt es. Auf einen Bus kann man hier allerdings vermutlich lange warten.

Dadurch, dass wir früh gestartet sind, erreichen wir schon um kurz nach zehn das Dorf. Auf dem Weg nach oben zur Ruine bin ich aber schon wieder schweißgebadet und die Mittagshitze kommt erst noch.

Oben angekommen, haben wir einen tollen Ausblick über Počitelj und den Fluss. Wir tigern durch die vielen kleinen Gassen und genießen die Ruhe, denn außer einer Handvoll anderer Besucher ist hier niemand. Am Fuße des Dorfes gibt es ein kleines Restaurant, wo wir uns vor der Heimkehr noch ein Radler und einen kühlen Gerstensaft gönnen.

Auf dem Rückweg suchen wir uns durch eine etwas abgelegene Gegend einen Weg an den Fluss und finden einen schönen Fleck, wo wir einfach mal die Füße ins Wasser halten können.

Außer uns scheint hier keine Menschenseele zu sein und es ist so schön ruhig, bis plötzlich Schüsse zu hören sind. Wir erschrecken uns und Melina stockt der Atem. Ich rede mir ein, dass es vermutlich nur ein Jäger oder ein Spinner ist, der auf Blechdosen oder sonst etwas zielt.

Andererseits haben wir nicht ein Tier gesehen und es ist hier wirklich recht abgelegen, aber man muss sich ja Mut zusprechen. Während immer Mal wieder Schüsse fallen, packen wir unser Zeug zusammen und sehen zu, dass wir Land gewinnen und heil nach Hause kommen. 

Kravica-Wasserfälle

Am letzten Tag in Bosnien gönnen wir uns einen Ausflug zu den Kravica Wasserfällen. Irgendwo im Internet stand etwas von ca. 10 Kilometern Entfernung. Das ist jetzt nicht so weit, aber zu Fuß wollen wir jetzt auch nicht unbedingt gehen. Also geht es gleich morgens um 9:00 Uhr zur Busstation, wo wir nach einem Bus in die Richtung fragen. Der nächste Bus fährt erst um 12:00 Uhr. Das ist uns zu spät, denn gegen Mittag wird es hier wieder richtig heiß. 

Wir entscheiden uns dann doch für ein Taxi, die immer direkt vor dem Bahnhof stehen. Nur heute ist natürlich kein einziges vor Ort verfügbar. Wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt gibt es aber noch „Orange Taxi“, aber hier haben wir genauso wenig Glück. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite gibt es einen kleinen Laden Namens „Orange Car Rental“, der, so vermuten wir, doch irgendwas mit den Taxen zu tun haben wird. Der Besitzer versteht kein Englisch und die Verständigung ist nicht ganz leicht. Er versteht aber unser Vorhaben und fängt an zu telefonieren. Tatsächlich steht wenige Minuten später ein Taxi für uns bereit und wir können den Ausflug doch noch starten.

Schnell wird uns allerdings klar, dass das mit den ca. 10 Kilometern nicht ganz der Wahrheit entspricht. Die Fahrt geht immer wieder über Land und durch kleinere Dörfer bis ein Schild kommt, auf dem „Kravica Waterfalls 4 KM“ steht. Das hätten wir im Leben nicht laufen können und sind froh, dass wir uns fürs Taxi entschieden haben. Da wir gelesen haben, dass viele mit Taxi hier her kommen, machen wir uns auch keine Gedanken darüber, wie wir zurück kommen. Sicherlich werden hier nachher ein paar Taxen halten.

Die Wasserfälle sind wirklich gewaltig und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingehen, geschweige denn zuerst fotografieren soll. Wir schlagen unser „Lager“ an einem schönen Platz auf, lassen den Ort auf uns wirken und verbringen einige Stunden in der Anlage. Neben den großen Wasserfällen gibt es etwas versteckter noch die kleinen Wasserfälle. Der Weg dort hin schlängelt sich entlang des Wassers und ist echt schön. Vor allem sind hier weniger Menschen, weil die meisten bei den großen Fällen bleiben.

Immer mehr Badegäste und Reisegruppen schieben sich die Treppen herunter zu den Wasserfällen und überall wird es voller. Ein guter Zeitpunkt, die Heimfahrt anzutreten. Am Eingang angekommen warten wir eine Weile, dass ein Taxi kommt, aber es kommt einfach keins. Melina fragt an der Kasse nach, ob man uns eventuell eins rufen kann, was auch kein Problem wäre. Nur die Anfahrt soll allerdings 10€ kosten, weil man hier so weit ab vom Schuss ist. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns dazu, die etwa 4 Kilometer zur Hauptstraße zu Fuß zu gehen und dort unser Glück zu versuchen. Allein die Strecke bis dort hin, zieht sich wie Kaugummi.

Irgendwo im Nirgendwo.

„Bis zum nächsten Restaurant, dann ein kaltes Getränk und ein Taxi rufen“, so ist unser Plan. Aber es taucht kein Restaurant oder Café auf. Wir sind schon fast 2 Stunden unterwegs, bis wir an einem Supermarkt vorbei kommen, der aber geschlossen zu sein scheint. Glücklicherweise versucht Melina einfach, die Tür zu öffnen. Der Laden hat doch geöffnet und wir gönnen uns erstmal eine eiskalte Cola. Während der Verschnaufpause hält ein Auto mit deutschem Kennzeichen vor dem Laden. Wir fragen die Frau aus dem Fahrzeug, ob sie zufällig weiß, wie weit es noch bis Čapljina ist. So ganz genau kann sie es nicht sagen, aber sie schätzt so circa 15-18 Kilometer. Dabei sind wir schon fast 7 Kilometer bis hierher gelaufen.

Weit kann es ja nicht mehr sein.

Warum wir nicht einfach nach einem Taxi fragen, können wir auch nicht beantworten. Wir setzen den Fußmarsch nach der Pause weiter fort und laufen und laufen und laufen bis ein Café am Straßenrand auftaucht. Ich werfe ein Blick ins Handy, das mir sagt, dass wir „nur noch“ 7 Kilometer von Čapljina entfernt sind. Wir haben schon so viel geschafft und ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich zu stolz bin, uns doch noch ein Taxi zu bestellen. Also gehen wir weiter, bis uns die Socken qualmen.

Nach 4 Stunden in der prallen Hitze kommen wir endlich zuhause an und fallen völlig erschöpft aufs Sofa. Am Ende des Tages stehen gut 23 Kilometer Fußmarsch auf der „Haben-Seite“. Gut, dass wir Morgen nicht ganz so früh auschecken müssen, denn gepackt haben wir auch noch nicht. 

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Travel Notes #10: Bosniens Süden – Čapljina, Počitelj und die Kravica-Wasserfälle

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