Nach Krakau und Breslau ziehen wir weiter. Von Breslau geht es für uns mit dem Zug weiter in Polens erste Hauptstadt, Posen. Beim Schlendern durch die Gassen wird recht schnell klar, dass die gesamte Stadt derzeit eine Großbaustelle ist. Sämtliche Plätze und Straßen sind aufgerissen, Restaurants und Läden nicht erreichbar und man hat kaum eine Wahl, welchen Weg man gehen möchte. Shit happens.




Wir machen wie immer das Beste draus und laufen etwas weiter in die Außenbezirke, durch Parks bis hin zum Maltasee. Außerdem schauen wir uns die ehemalige Hugger-Brauerei, heute Stary Browar an, welche von einer der reichsten Frauen Polens zu einem schicken Einkaufszentrum umgebaut wurde. Direkt dahinter befindet sich eine große Wiese mit Liegestühlen, in denen wir eine Stunde verweilen und die Sonne genießen.




Auszeit an der polnischen Ostsee
Ein paar Tage später geht unsere Reise auch schon wieder weiter. Nach unserem Städte-Marathon der letzten Wochen ist es wieder an der Zeit, etwas herunterzufahren und abzuschalten. Wir entscheiden uns für 6 Tage relaxen an der polnischen Ostseeküste. Erneut wählen wir den Zug, denn bislang war dies ein zuverlässiges und relativ komfortables Transportmittel in Polen. Dieses Mal kommt es jedoch anders.
Beim Online Ticketkauf bekommen wir das erste Mal seit langem die Info, dass wir im ersten Zug keine reservierten Plätze bekommen können. Dass wir am Ende allerdings mitsamt unserem Gepäck auf dem Boden im Speisewagen zwischen Mülleimer und Durchgangstür landen, haben wir nicht erwartet. Wir fühlen uns wie Hühner zusammengefercht in der letzten Ecke. Zuvor mussten wir aufgrund der Check Out Zeit unseres Apartments schon 2,5 Stunden im Bahnhof warten. Jetzt also mindestens 3,5 Stunden in der Ecke hocken, da kommt Freude auf. Nach 1,5 Stunden Fahrt haben wir Glück und es werden zumindest zwei Plätze am Tresen frei, sodass wir uns einen Drink gönnen, um wenigstens noch ein wenig Zeit auf einem Hocker zu verbringen.
Gegen 18:45 Uhr erreichen wir endlich unseren Zielbahnhof in Wladyslawowo. Nun nur noch fix die 1,6 km Fußmarsch zur Unterkunft hinter uns bringen und dann kann es mit der Urlaubswoche auch schon los gehen.

Wir haben uns dieses Mal ein Zimmer mit einem riesigen Balkon gegönnt, auf dem wir die nächsten Tage sehr viel Zeit mit Lesen, Rätseln, Zocken und Nachdenken verbringen. Leider ist das Wetter nicht ganz so sommerlich, aber eingepackt in einer Decke und mit einer Tasse Tee in der Hand lässt es sich wohl aushalten. Einen Tag können wir am Ende doch noch im Sand am Strand verbringen, auch wenn bei den Temperaturen nicht an schwimmen zu denken ist.
Der Ort und die Strände sind jeden Tag gut besucht. Kein Wunder, denn Wladyslawowo ist ein beliebter Urlaubsort der Einheimischen und es sind gerade Ferien. Dass wir hier in einem absoluten Touristen Hotspot landen, war uns von Anfang an bewusst und tatsächlich stört es uns hier auch mal so gar nicht, weil wir nichts groß besuchen und besichtigen, sondern einfach relaxen möchten. Und das lässt sich auf dem Balkon unseres Apartments in einer kleinen Nebenstraße wirklich gut umsetzen.
Wir genießen die Tage an der Küste sehr, treffen wichtige Entscheidungen zu unserem weiteren Reiseverlauf und fiebern dem Highlight am Monatsende entgegen.


Familientreffen in Danzig
Der Tag ist gekommen. Der Grund, warum wir die letzten Wochen durch Polen gereist sind, ist in greifbarer Nähe. Heute werden wir nach über 13 Monaten auf Reisen einen Teil unserer Familie wiedersehen, doch bis es soweit ist, vergehen noch einige Stunden.
Für uns geht es, wie könnte es anders sein, mit dem Zug weiter nach Danzig. Nachdem die Fahrgäste in unserem 8-Personen-Abteil zig Mal wechseln, da sie offensichtlich keine Lust haben, sich an die Reservierungen im Ticket zu halten, erreichen wir Danzig am Mittag. Weil die Check-In Zeiten generell in Polen immer ziemlich spät und die Check-Out Zeiten ziemlich früh sind, müssen wir noch eine Weile mit unserem Gepäck überbrücken. Als wir kein passendes Café finden und sich dann noch ein Happy Hour Schild in einer Seitengasse unmittelbar im Hinterhof unserer Unterkunft auf tut, ist die Entscheidung gefallen – scheiß auf Kaffee, es gibt ein kühles Bierchen am frühen Nachmittag. Die Kneipe ist wirklich cool. Alte Möbel, ein Tresen aus Videokassetten und überall skurrile Dekorationen. Dazu günstiges und leckeres Bier, was will man mehr.

Einige Stunden später checken wir in unserer Unterkunft mitten in der Fußgängerzone in der Altstadt ein, zentraler geht es wirklich nicht. Kurz noch die wichtigsten Dinge für den Abend einkaufen und ab zum Flughafen.
Durch Verspätungen mit der Airline lässt die Familie noch ein wenig auf sich warten, sodass wir langsam echt aufgeregt sind. 100 Fragen schießen uns gleichzeitig durch den Kopf und ehe wir zu viel nachdenken können, öffnet sich die Schiebetür und wir fallen Melina‘s Eltern und Schwester nach über 13 Monaten in die Arme. Ganz egal, was man sich vorher vorstellt oder einredet, es kommt sowieso anders und so ist das Wiedersehen natürlich für alle emotional und einfach schön.

Die nächste Zeit verbringen wir also nicht mehr nur zu zweit, sondern zu fünft in Danzig. Wir flanieren durch die schicke Altstadt, stöbern in Souvenirläden und fahren sogar kurz an den Strand von Danzig, um dort die Füße ins Wasser zu halten und ein leckeres Eis in der Sonne zu futtern. Auch wenn es hier und da Mal kurz etwas angespannt ist, weil unsere Spar-Gewohnheiten der Langzeitreise auf der einen Seite und ein Kurzurlaub der Familie auf der anderen Seite, nicht einfach zu vereinbaren sind, finden wir am Ende immer einen Kompromiss. Wir genießen die gemeinsame Zeit und es fühlt sich schnell so an, als wären wir gar nicht lange weg gewesen.

In den nächsten Tagen machen wir noch Ausflüge in die umliegenden Stadtteile, unter anderem nach Zaspa. Hier gibt es jede Menge Streetart zu sehen und man kann sogar auf der ehemaligen Landebahn des alten Flughafens spazieren gehen. Diese wurde ganz einfach in die Wohnsiedlung integriert. Außerdem besuchen wir das riesige Werftgelände mit seinen Kränen. Den Zuraw M3 Kran kann man sogar erklimmen und so einen einmaligen Blick über das gesamte Gelände bekommen.




Abgerundet wird unser Städtetrip von dem Besuch toller, einzigartiger Restaurants und Cafés, in die wir ohne die Familie vermutlich nie reingegangen wären.

Die Zeit ist natürlich viel zu schnell vergangen, doch da sich unsere Reisepläne bekanntlich ständig ändern, ist der Abschied nur von kurzer Dauer.

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