Nach einer abwechslungsreichen und wirklich spannenden Woche in Johannesburg, die locker noch drei Wochen länger hätte dauern können, beschließen wir, die Stadt hinter uns zu lassen und den Rest des Landes zu erkunden. Wie immer setzen wir auf die Autovermietung unseres Vertrauens – nur, dass dieses Vertrauen an diesem Tag ordentlich auf die Probe gestellt wird.
20 Minuten vor Abholzeit stehen wir in der Tiefgarage der Vermietung, wo vor uns fünf andere Kunden die Warteschlange zieren. Die Abfertigung läuft in etwa so effizient wie eine Schnecke auf Valium, weshalb wir erst nach einer halben Stunde den Schalter erreichen. Zehn Minuten später werden wir zu unserem Auto geführt, und schon fällt uns die Kinnlade runter: Eine XXL-Familienkutsche, ausgestattet mit zusätzlichen Sitzen im Kofferraum anstelle von Platz für unser Gepäck.
Im Prinzip ist uns egal, welches Auto wir fahren – in Südafrika aber zählt nur eine Regel: Gepäck darf nie sichtbar sein. Also reklamieren wir. Und warten. Nach einer Stunde zaubert man uns eine klapprige Limousine herbei. Kleinwagen? Nope. Aber immerhin erfüllt sie unser einziges Kriterium: Gepäck bleibt unsichtbar. Wir verstauen alles und gehen zurück zum Schalter, um neue Papiere zu holen. Während wir dort mal wieder warten, beobachtet Melina, wie ein Mitarbeiter und ein anderer Kunde unser neues Auto inspizieren – und den Kofferraum öffnen. Was soll das denn jetzt?

Klarer Fall: Auch diese Karre wurde doppelt vergeben. Der Kunde braucht das Auto dringend, also laden wir unser Gepäck wieder aus und landen erneut auf der Warteliste. Mittlerweile stehen wir seit 1,5 Stunden in dieser kalten Tiefgarage und beobachten einen chaotischen Haufen Angestellter, die wild durcheinanderlaufen, ohne wirklich etwas zu erreichen. Irgendwann, weitere 30 Minuten später, wird uns schließlich ein Polo vor die Nase gestellt. Keine Inspektion, kein Vertrag, keine Papiere – nur das Chaos, das vom ersten Auto übrig blieb. Und die Krönung? Nach 600 Kilometern blinkt die Inspektionsleuchte. Willkommen im Abenteuerland.
Abenteuerliche Ankunft in Graskop
Dank der Autoverzögerung kommen wir spät in Graskop an. Vor unserem AirBnB: ein verschlossenes Tor. Wir hatten unsere Ankunftszeit kommuniziert, aber trotzdem dauert es einige Klingelversuche und Nachrichten, bis die Gastgeber – eine etwas chaotische, an die Flodders erinnernde Familie – endlich öffnen. Die Anlage ist schön, aber leider in einem Zustand, der an eine verlassene Filmkulisse erinnert. Kein Highlight, aber es wird für die nächsten Tage unsere Basis für die Erkundung der Panoramaroute.
Panoramaroute – Naturkino vom Feinsten
Am nächsten Morgen sind wir früh unterwegs, um die berühmte Panoramaroute zu entdecken. Und was soll man sagen? Naturkino vom Feinsten! Wasserfälle, tiefe Schluchten und atemberaubende Aussichten. Jeder Stopp bietet neue Ausblicke und kurze Wanderungen, die den Abenteuerfaktor noch verstärken.
Natürlich fehlen auch hier die üblichen tierischen Verdächtigen nicht: Kühe und Ziegen auf den Straßen gehören in Südafrika einfach dazu, wie Streusel auf einen Kuchen. Sie sind quasi der Auftakt für das, was in den nächsten Tagen noch kommt…
Einer der bekanntesten Stops auf der Route ist God’s Window. Hier öffnet sich ein unglaubliches Panorama über die weite Landschaft des Lowveld und auf den Blyde River Canyon. Der Name ist nicht ohne Grund gewählt – der Blick aus dieser „Himmelsfenster“-Aussicht ist einfach himmlisch. Die weiten, grünen Täler, die sich bis zum Horizont erstrecken, lassen uns für einen Moment den Atem anhalten.

Nicht weit von God’s Window entfernt finden wir die faszinierenden Potholes – riesige, durch Wasser und Sandstein geformte Höhlen, die über Millionen Jahre hinweg entstanden sind. Die Blicke in diese beeindruckenden natürlichen Schalen sind wie aus einer anderen Welt – es ist fast unvorstellbar, dass die Natur diese surrealen, perfekten „Töpfe“ so geformt hat. Über Jahrtausende hat sich der Fluss in das harte Gestein gegraben und dabei diese eindrucksvolle Formation geschaffen.


Die Fahrt führt uns weiter zum Blyde River Canyon, einem der größten und grünsten Canyons der Welt. Ein wahrer Genuss für unsere Augen, besonders wenn man am Aussichtspunkt steht und den weitläufigen Canyon mit seinen dramatischen Felswänden und steilen Abhängen überblickt. Die Farben des Wassers und des Himmels sind so intensiv, dass wir fast das Gefühl haben, in einem Gemälde zu stehen.

Ein weiteres Highlight der Panoramaroute sind die Three Rondavels, die steil aus dem Canyon herausragen. Diese Felsen erinnern an traditionelle runde Hütten der einheimischen afrikanischen Bevölkerung, die sogenannten „Rondavels“, daher auch der Name. Die gewaltigen Felsformationen, die sich wie Türme in den Himmel erheben, sind ein weiteres Beispiel für die enorme Kraft der Natur, die uns an jeder Ecke dieser Route aufs Neue überrascht.

Kruger Nationalpark – Willkommen bei den wilden Bewohnern Afrikas
Keine Reise in den Nordosten Südafrikas wäre komplett ohne einen Abstecher in den Kruger Nationalpark. Auf eigene Faust cruisen wir am ersten Tag 8 Stunden durch die 2 Millionen Hektar große Wildnis. Anfangs läuft es eher mau: leere Wasserlöcher und ein paar Kleintiere. Doch nach der Kaffeepause – inklusive einer neugierigen Hyäne – dreht sich das Blatt: Elefanten, Giraffen, Zebras, Adler und Warzenschweine lassen sich blicken. Jungtiere inklusive! Ob winzige Elefanten, kleine Giraffen oder eine Babyhyäne – wir wollen sie am Liebsten alle einpacken.



Um den nächsten Tag im Kruger voll auskosten zu können, haben wir uns eine Unterkunft in der Nähe des Nationalparks gemietet. Früh morgens, um 4:00 Uhr, steht unser Guide William vor unserer Hütte, um uns abzuholen. Und dann passiert etwas Unerwartetes: Ein kleines Missverständnis wird unser Glück. Wir haben eine Halbtagestour gebucht, doch da ein anderes Paar für den ganzen Tag bezahlt hat, dürfen wir bleiben – wir werden nicht einfach mittendrin abgesetzt. Jackpot!

William, der auf seinen Safaris schon mehrfach Kopf und Kragen riskiert hat, entpuppt sich als absoluter Profi. Er weiß genau, wo er Tiere finden kann, und dank des erhöhten Sitzes im Safari-Jeep haben wir einen spektakulären Blick über die Landschaft. Alles perfekt? Nicht ganz. Irgendwann meldet sich mein Bauch – und zwar lautstark. Dringender als nötig macht sich das Bedürfnis nach einer Toilette bemerkbar. Aber hier einfach auszusteigen? Nicht wirklich eine Option. Den halben Vormittag quäle ich mich mit Bauchgrummeln durch die Savanne, während ich darauf hoffe, dass es nicht in die Hose geht.




Endlich kommt die ersehnte Pause, und der Nachmittag ist für mich deutlich entspannter. Wir fahren noch stundenlang durch den Park, entdecken unzählige Tiere und genießen jede Minute. Die Tour endet und wir sind bereits auf dem Rückweg und raus aus dem Park, als William über Funk einen heißen Tipp eines Kollegen bekommt, wo sich ein paar Löwen tummeln sollen. Wir machen noch einmal kehrt und fahren einige Kilometer und tatsächlich finden wir in einiger Entfernung ein paar Tiere. Ein perfekter Abschluss eines aufregenden Tages. Nach gut 10 Stunden endet diese ereignisreiche Safari – ein unvergessliches Erlebnis, trotz kleiner „Bauchhürden“.



Kommentar verfassen