Wir landen nachts in Valencia. Vom Airport bis zum Hostel sind es nochmal etwa 45 Minuten mit der U-Bahn. Unsere Unterkunft ist eine Art Gemeinschaftswohnung mitten im Zentrum. Gut gelegen, aber mit dem kleinen Haken, dass man jemanden braucht, der einen reinlässt. Blöd nur, wenn dieser Jemand nicht ans Handy geht.

Da stehen wir also vor der Tür, nur wenige Meter entfernt von unserem Zimmer und kommen doch nicht herein. Wir warten und warten. Mit jeder Minute haben wir weniger Bock auf Abenteuer und mehr Lust auf ein Bett oder wenigstens auf eine Antwort.
Nach diversen erfolglosen Anrufversuchen und einer Mischung aus Müdigkeit und Resignation öffnet sich plötzlich die Tür. Per Fernsteuerung. Schnell rein und ab ins Nest!
Wenig Schlaf, viel Programm
Viel Schlaf ist nicht drin, aber zum Ausruhen haben wir ohnehin keine Zeit. Uns bleiben nur wenige Tage, um Valencia zu erkunden, und die Stadt ist groß. Also los. Kaum sind wir unterwegs, merken wir, dass wir zurück in Europa sind.



Es ist zehn Uhr morgens und auf vielen Tischen steht bereits ein kühles Bier oder Wein. Oder beides. An einem Tisch wird Sangria geschlürft, am nächsten schäumt das Mahou. Ich brauche aber erstmal einen Kaffee, um die letzte Nacht zu verarbeiten.


Wir machen das volle Touri-Programm: Markthalle, Altstadt, probieren Baguette mit Schinken, Bocadillo de Jamón, wie es hier korrekt heißt und laufen, laufen, laufen. Valencia ist charmant und chillig. Unser Erster Eindruck ist super.

Ein kurzer Ausflug in die Zukunft
Wir gehen natürlich auch zur Stadt der Künste und Wissenschaften. Ein Viertel, das wirkt, als hätte jemand die Zukunft in Beton gegossen. Ich erwarte mir vor allem interessante Motive für Street Photography: Spiegelungen in den Wasserflächen, klare Linien und Licht, das präzise fällt.

Nur leider komme ich gar nicht richtig dazu, die Kamera zu zücken. Vielleicht liegt es an der Hitze, vielleicht an der Reizüberflutung oder an der Müdigkeit, die ich nicht richtig abschütteln kann. Am Ende habe ich mehr Bilder im Kopf als auf der Speicherkarte, aber auch solche Tage gibt es.


Nach einem langen und ereignisreichen Tag freuen wir uns auf eine etwas längere Mütze voll Schlaf. Immerhin geht unser nächster Flug erst spät am nächsten Abend.
Aber da haben wir uns wieder mal zu früh gefreut.
Guten Morgen, Presslufthammer!
Um 7:00 Uhr wird unser Haus in seine Einzelteile zerlegt. So fühlt es sich jedenfalls an. Bohrmaschine, Presslufthammer, vibrierender Boden. Ich bin mir nicht sicher, ob das Handwerker sind oder ob gerade das Gebäude um uns herum abgetragen wird.
An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also schleppen wir uns nochmal raus, laufen wieder durch die Stadt und lassen es uns in einem Restaurant bei ein paar Bierchen und Snacks gut gehen. Wir versuchen, das Beste aus dem letzten Tag hier zu machen bevor wir schon wieder weiter müssen.



Drama am Airport
Totmüde erreichen wir den Flughafen, aber immerhin pünktlich. Ich bin schon durch beim Boarding (Priority regelt), Melina will gerade folgen als uns auffällt, dass ich ihren Pass bei mir habe.
Sie steht auf der einen Seite der Glasscheibe, ich auf der anderen. Es wie eine Filmszene, wenn sich zwei Leute im Gefängnis verabschieden. Mit Gestikulieren, Winken und einem kleinen Spalt in der Scheibe schaffen wir es glücklicherweise, den Pass durchzureichen. Mehr Glück als Verstand gehabt! Sie darf doch noch mitfliegen, was sie kurze Zeit später aber fast bereut.
Denn unser Abenteuer ist an dieser Stelle natürlich noch nicht vorbei. Der Flug kostet uns einiges an Nerven. Turbulenzen der Extraklasse. Wir verlieren in Sekundenhöhe gefühlt hundert Stockwerke. Uns wird schlecht und unsere Ohren platzen fast. Selbst die Stewardess wird kurzzeitig blass im Gesicht.
Als wir landen sind wir einfach nur erleichtert, dass es vorbei ist und wir festen Boden unter den Füßen haben. Jetzt nur noch ins Taxi und ab zur Unterkunft.
Valencia hat uns super gefallen, ist in zwei Tagen aber kaum zu greifen. Vielleicht schaffen wir es eines Tages noch einmal dort hin, mit mehr Zeit und dann hoffentlich auch mit etwas mehr Schlaf.


Kommentar verfassen