Ein kurzer Zwischenstopp in der Heimat, den wir bewusst mehr oder weniger geheim gehalten haben, liegt hinter uns. Nur der engste Familienkreis war eingeweiht und wurde besucht. Die kurze Rückkehr nach Deutschland vor unseren Freunden zu verheimlichen mag für manchen vielleicht nicht nachvollziehbar sein, doch wir sind uns sicher, dass wir uns mit überhasteten Treffen in kürzester Zeit selbst keinen Gefallen getan hätten.


Jetzt stehen wir am Schalter des Düsseldorfer Flughafens und hoffen, dass man uns in die Maschine von Turkish Airlines lässt, denn der online Check In über deren App funktioniert nicht – scheinbar kein Einzelfall, wenn man die Rezensionen im Internet liest. Wie sich später herausstellen wird, ist dies nicht unser einziges Problem mit der Fluggesellschaft.
Das Gepäck ist aufgegeben und wir sitzen im Flieger nach Istanbul, wo wir nach kurzer Umsteigezeit unseren Weg weiter nach Südafrika fortsetzen werden. Mit etwas Verspätung landen wir in der türkischen Millionenmetropole, in der wir erst vor wenigen Monaten mehrere Tage verbrachten. Einmal kurz verschnaufen und dann geht es auch schon weiter. Während wir auf die Anzeigetafel im Terminal gucken, fällt uns die Kinnlade förmlich auf die Füße. Anstatt um 01:05 Uhr geht unser Flug nun erst etwa 3 Stunden später. Je länger die Nacht, desto weiter verschiebt sich der Abflug nach hinten.
Wir freunden uns mit dem Gedanken an, dass wir die Nacht im Flughafen verbringen müssen. W-Lan gibt es hier auch nur für 2 Stunden, da wir uns außerhalb der EU befinden und somit auch kein Roaming greift. Auf einem Kinderspielplatz im Terminal finden wir ein paar weiche Sitzgelegenheiten, die wir zusammenschieben, um daraus ein provisorisches Bett zu bauen. Obwohl es alles andere als gemütlich ist, nicken wir irgendwann kurz ein, bis ein paar aufgedrehte Kids um etwa 4:00 Uhr morgens schreiend den Spielplatz entern. Das war es dann mit der Nachtruhe.


Ich habe mir vor dem Flug extra ein paar Tütchen Kaffee ins Handgepäck getan, und du glaubst nicht, wie ich diesen Schachzug gerade innerlich abfeiere. Heißes Wasser finde ich an einem Spender im Terminal und so kann ich wenigstens einen Kaffee zur Entspannung genießen, bevor wir gegen 5:30 Uhr dann endlich unsere Reise fortsetzen können.


Endlich in Kapstadt – aber der Ärger geht weiter

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir endlich Kapstadt. Inzwischen sind wir weit über 24 Stunden unterwegs, ohne wirklich richtig geschlafen zu haben. Wir wollen nur noch schnell in die Unterkunft und uns hinlegen. Am Flughafen besorgen wir uns noch fix eine SIM Karte, um uns ein UBER zu rufen, denn den Taxi-Fahrern, die vor dem Flughafen über einen herfallen, soll man nicht vertrauen.
Die UBER App funktioniert nicht wie gewünscht. Meine Kreditkarte lässt sich nicht hinterlegen und es kommt noch besser. Sie wird direkt gesperrt. Endlich mal wieder. Glücklicherweise haben wir noch Melinas Karte, die sich genauso wenig hinterlegen lässt, sodass wir auf einen anderen Dienstleister umschwenken müssen. Das klappt dann auch und gut eine weitere Stunde später sind wir endlich raus aus dem Airport.
Auf der Fahrt zur Unterkunft blicken wir schon auf zahlreiche Town Ships, was uns wirklich schockiert. Wir wussten zwar schon im Vorfeld, was uns in etwa erwartet, aber diese Slums mit eigenen Augen zu sehen, ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. An solche Anblicke müssen wir uns wohl die nächsten Wochen und Monate gewöhnen.
Wir checken bei zwei netten alten Leuten in eine Wohnung ein, von der man einen tollen Blick über die Stadt hat. Kurz nach dem Check In noch eine neue Erfahrung. Es bleibt gerade noch genug Zeit, sich Wasser für ein Getränk heiß zu machen, bevor der Strom für die nächsten 1-2 Stunden ausfällt. Load Shedding heißt das Zauberwort. In Afrika herrscht mehr Bedarf an Strom, als zur Verfügung steht. Deshalb wird fast täglich mehrmals der Strom für einige Stunden abgestellt. Mit einer App kann man sich vorher über die Zeiten informieren, die aber auch nicht immer zuverlässig sind. Da für heute aber ohnehin nur noch ausruhen angesagt ist, schockt uns dieser Umstand auch nicht mehr groß.

V&A Waterfront und der Stadtkern
Nach ausgiebiger Ruhe gehen wir zum ersten Mal auf Tuchfühlung mit der Stadt am südlichen Ende des afrikanischen Kontinents. Kapstadt bietet Reisenden eine Fülle von Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, sodass hier jeder auf seine Kosten kommt. Für uns heißt es jedoch erst einmal einkaufen und ankommen. Entgegen zahlreicher Empfehlungen in Online-Foren, die aus Sicherheitsbedenken für jegliche Fortbewegungen durch die Stadt ein BOLT oder UBER empfehlen, gehen wir zu Fuß. Ab und zu begegnen wir zwielichtigen Gestalten, aber wirklich unsicher fühlen wir uns bisher nicht. Vielleicht sind wir in der Beziehung zu naiv, denn ein Menschenleben zählt in Südafrika weitaus weniger als in anderen Teilen der Welt. Touristen und Einheimische werden immer wieder Opfer von Überfällen und Gewalt.



Wir besuchen den Stadtkern und finden dort einen Supermarkt. Die Preise für Lebensmittel sind größtenteils ähnlich zu denen in Deutschland. Einige Sachen bekommt man relativ günstig, bei anderen erschrecken wir uns tatsächlich ein wenig. Während wir durch die Gänge streifen, spricht mich ein Mann an, ob ich ihm nicht seinen vollen Einkaufskorb bezahlen könne. Leicht verwirrt verneine ich und suche Melina im Laden. Sie hat die Szene bei einem anderen Kunden auch beobachtet und das sollte wohl auch nicht das letzte Mal sein.
Weiter geht es zum Herzstück des Stadtkerns, dem Greenmarket Square, ein lebendiger Platz, der von historischen Gebäuden und Straßencafés gesäumt ist. Hier kann man lokale Kunsthandwerksprodukte kaufen oder einfach das bunte Treiben der Straßenkünstler und Händler genießen. Hier erleben wir auch gleich das erste Mal, dass Südafrikaner alle Musik im Blut haben. Viele tolle Musikgruppen, fröhliche Stimmung, so wie man sich das in vielen Teilen auch vorgestellt hat. Bei unserer weiteren Reise ist das allerdings nicht mehr so ausgeprägt zu beobachten.

In der Nähe befindet sich das Castle of Good Hope, das älteste erhaltene Kolonialgebäude Südafrikas, das inzwischen komplett von Obdachlosen umringt ist, die dort in Zelten oder unter Planen leben. Hier fühlen wir uns auch aufgrund der Lautstärke nicht ganz so wohl und sehen zu, dass wir Land gewinnen.

Es geht weiter zur V&A Waterfront. Die historische Hafenanlage ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Wir lassen die zahlreichen Restaurants, Cafés, Geschäfte und Unterhaltungsmöglichkeiten links liegen und genießen einfach den Spaziergang entlang des Hafens. Natürlich besuchen wir auch traditionelle Kunsthandwerkermärkte, bei denen auch die Verkäuferinnen bunt und fröhlich erscheinen. Die V&A Waterfront ist ebenso der Ausgangspunkt für Bootstouren zu nahegelegenen Inseln wie Robben Island, einem historisch bedeutsamen Ort, der für seine Rolle im Kampf gegen die Apartheid bekannt ist. Wir verzichten jedoch auf die Überfahrt und beobachten entspannt die Robben im Hafen, während hinter uns eine Gruppe Musiker trommelt und singt.




Bo-Kaap und der Lion’s Head
Anstatt den Tafelberg hinaufzufahren, entscheiden wir uns für einen Aufstieg zum Lion’s Head, einem markanten Berggipfel, der über der Stadt thront und einen atemberaubenden Panoramablick auf Kapstadt und seine Umgebung bietet. Doch bevor es soweit ist, besuchen wir den Stadtteil Bo-Kaap, ein historisches Viertel, das für seine bunten Häuser, reiche Kultur und Geschichte bekannt ist. Das Viertel liegt am Hang des Signal Hill und ist berühmt für seine schmalen gepflasterten Straßen, die von historischen Gebäuden gesäumt sind.
Früher haben hier ehemalige Sklaven gewohnt, die aus verschiedenen Teilen der Welt, insbesondere aus Südostasien, Indonesien, Madagaskar und Ostafrika, nach Kapstadt gebracht wurden. Diese vielfältigen kulturellen Einflüsse haben den Stadtteil zu dem gemacht, was er heute ist.





Eines der markantesten Merkmale von Bo-Kaap sind die bunten Häuser, die eine Vielzahl von Farben wie blau, grün, gelb und rosa aufweisen. Diese Farben haben verschiedene Bedeutungen, von religiösen Überzeugungen bis hin zur Feier der Unabhängigkeit Südafrikas.
Auch hier begegnen wir wieder vielen fröhlichen Menschen und Bewohnern, die teilweise seit über 40 Jahren in den Häusern leben und sich heute mit ein paar Souvenirs den ein oder anderen südafrikanischen Rand dazu verdienen möchten. Für die meisten von ihnen sind die Touristen an ihren Häusern nicht lästig, sondern ein Geschenk und sie hoffen, dass es immer mehr werden.



Für uns geht es weiter zum Lion’s Head. Der Weg dort hin ist weiter als wir angenommen haben und wir hätten vielleicht doch ein BOLT Taxi bestellen sollen. Nach einer guten Stunde Fußweg erreichen wir den Fuße des Berges und nehmen einen der Wanderwege nach oben. Der Aufstieg zum Gipfel ist ein beliebtes Abenteuer für Wanderer aller Erfahrungsstufen. Die gut markierten Pfade führen durch Felsformationen und üppige Vegetation, während man sich langsam dem Gipfel nähert. Oben angekommen werden wir mit einem unvergleichlichen Ausblick belohnt: Die riesige Stadt breitet sich unter uns aus, während der majestätische Tafelberg im Hintergrund thront und wir das glitzernde Meer am Horizont sehen können.




Road Trip Light – Einmal zum Kap der Guten Hoffnung und zurück

In wenigen Tagen starten wir unseren Road Trip entlang der Garden Route. Doch bis es so weit ist, testen wir schon mal den Mietwagen auf einem kleinen Tagestrip und fahren unter anderem den Chapman’s Peak Drive, der sich mit 114 Kurven auf 9 Kilometern entlang der Küste schlängelt. Auf unserer Tour machen wir Halt in Hout Bay, dem Kap der guten Hoffnung und Muizenburg. Immer wieder legen wir kurze Stopps ein, um die atemberaubende Natur irgendwie auf ein Foto gebannt zu bekommen.





Wir erreichen das Kap der Guten Hoffnung und überlegen kurz, ob uns der Besuch die etwa 18 € pro Person wert ist. Aber wenn wir schon mal hier sind, nutzen wir die Möglichkeit natürlich. Das Kap der Guten Hoffnung ist eine markante Landspitze an der Südwestküste, etwa 70 Kilometer südlich von Kapstadt gelegen. Es ist Teil des Table-Mountain-Nationalparks und bildet einen spektakulären Teil der Küstenlandschaft, der für seine reiche Tierwelt und historische Bedeutung bekannt ist. Schon nach wenigen Metern sehen wir die ersten freilaufenden Vogelstrauße direkt am Wasser, wie schön.


Das Kap wurde erstmals 1488 von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Dias entdeckt und erhielt seinen Namen aufgrund der Hoffnung, die es den Seefahrern bot, als sie auf ihrer Reise entlang der südlichen Küste Afrikas das Ende des afrikanischen Kontinents erreichten. Es war ein bedeutender Orientierungspunkt auf den Handelsrouten nach Indien und zu den östlichen Gewürzinseln.

Da es sich beim Kap um eine Touristenattraktion handelt, ist es dementsprechend voll. Ein Reisebus nach dem anderen kommt auf dem Parkplatz an und Menschenmengen drängeln sich für ein Foto vor dem bekannten Schild, vor dem man auch schon mal bis zu 20 Minuten warten muss, bis man dran ist. Wir haben aber Glück und erwischen einen Moment, wo gerade kaum Leute da sind und so können wir schon fast entspannt ein paar Fotos vom „Hot Spot“ machen.

Unser letzter Stopp für heute ist Muizenberg, das für seine bunten Strandhäuser, die entlang des Strandes verstreut sind, bekannt ist. Diese Häuser sind in lebendigen Farben gestrichen, darunter pastellrosa, blau, gelb, grün und orange, und verleihen der Küstenlandschaft ein lebhaftes und malerisches Flair.


Die Geschichte dieser bunten Strandhäuser reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, als sie ursprünglich als Umkleidekabinen für die Besucher des Strandes dienten. Heute sind sie größtenteils zerfallen, sollen aber künftig wieder neu aufgebaut werden.
Unser erster Eindruck von Südafrika ist spannend, aber auch herausfordernd. Denn die Mentalität der Menschen und das Leben in Kapstadt ist ganz anders als alles, was wir zuvor erlebt haben. Auf der Kap-Halbinsel haben wir einen ersten Einblick in die atemberaubenden Landschaften bekommen und sind gespannt, was in den nächsten Wochen noch folgt.
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