Namibia: Fehlstart in Windhoek

Posted by

·

, , ,

·

Lesedauer

5–7 Minuten

Es ist bereits dunkel, als wir mit einer kleinen Maschine der Fly Namibia in Windhoek landen. Wir besorgen uns noch schnell eine SIM Karte und wollen dann in die etwa 45 Kilometer entfernte Hauptstadt Namibias fahren. Doch unser Aufenthalt am Flughafen dauert länger als uns lieb ist – viel länger.

In Kapstadt besteigen wir eines der kleinsten Flugzeuge, mit denen wir je unterwegs waren.

Wie an vielen Flughäfen der Welt, versucht man auch hier, uns eine überteuerte Taxi-Fahrt anzudrehen, die wir jedoch dankend ablehnen. Wir haben uns eine App Namens LEFA heruntergeladen, quasi eine namibische Version von BOLT oder UBER. Wir bestellen uns mit der App einen Fahrer, der sich zum Glück schon in der Nähe des Airports befindet. Die Minuten vergehen und irgendwie taucht das bestellte Fahrzeug nicht auf. Wir rufen den Fahrer an, der uns dann erzählt, dass er noch etwa 2 Stunden bis zum Flughafen braucht. Wir stornieren die Fahrt und brauchen eine neue Lösung.

Ein Mann spricht uns an, der angeblich auch für LEFA arbeitet und uns gerne in die Stadt fahren würde. Das kommt uns schon übelst verdächtig vor, zumal wir sein Fahrzeug in der App nicht sehen können. Wir lehnen dankend ab und versuchen weiter, ein neues Fahrzeug zu buchen.

Die Zeit verstreicht, inzwischen hat der Flughafen geschlossen und es befinden sich kaum noch Leute vor dem Gebäude, außer der Fahrer, der uns gerne nach Windhoek fahren möchte. Viele Optionen haben wir scheinbar nicht mehr, denn selbst die überteuerten Taxis sind nicht mehr da. Entweder, wir fahren mit dem Mann oder wir müssen die Nacht auf dem Parkplatz vor dem Flughafen verbringen. Wir rufen in der Unterkunft an und versuchen eine Lösung für unser Problem zu finden. Die Frau erklärt uns, dass die LEFA App für Flughafen-Transfers eigentlich nicht funktioniert. Vielleicht ist das der Grund, warum wir hier gestrandet sind. Warum die App dann allerdings anzeigt, dass sich diverse Fahrzeuge rund um den Flughafen aufhalten, ist fraglich.

Nachdem wir hier jetzt fast 2 Stunden herumhängen, sind wir soweit, dass wir mit dem Mann in die Stadt fahren. Wirklich wohl fühlen wir uns dabei allerdings nicht. Es ist dunkel, die Straßen sind komplett leer gefegt und weit und breit ist nichts. Keine Städte, keine Dörfer, nicht einmal einzelne Häuser. Melina sucht das Gespräch mit dem Mann, fragt ihn nach seiner Familie und ob er Kinder hat. Er ist wirklich freundlich und so langsam fällt ein bisschen die Angst, dass er etwas Böses im Schilde führt, von uns ab.

Um etwa 22:30 Uhr erreichen wir endlich die Unterkunft, die sich hinter einem meterhohen Metalltor befindet. Wir sind heilfroh, dass wir unbeschadet angekommen sind. Der Fahrer wollte wirklich nur seinen Job machen und uns helfen. Schlimm, dass man sich so in die Hose scheißen muss, aber leider hat man auch viel gelesen, sodass die Angst vor Überfällen nicht ganz unbegründet ist. Wir haben zufällig noch etwas Alkohol im Gepäck und so gibt es zur Beruhigung erstmal einen kleinen Schnaps vorm Schlafengehen.

Abgeklappt in Windhoek 

Nach einem kleinen Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Das Thermometer klettert schon morgens steil nach oben und erreicht gegen Mittag die 40 Grad Marke. Die Stadt hat touristisch nicht viel zu bieten und so ist unsere Sightseeing-Tour relativ schnell vorbei.

Überall in Windhoek finden sich Spuren aus der Kolonialzeit.
Auf den Straßen wird versucht, das gekaufte Obst und Gemüse direkt aus dem Einkaufswagen weiterzuverkaufen.
Der Uhrturm der ehemaligen Deutschen Afrikabank Windhoek.

Die Hitze setzt uns gut zu und wir brauchen langsam mal eine Pause. Ein kühles Bier auf der Rooftop Bar des Independence Denkmals hat da seinen ganz besonderen Reiz. Irgendwie ist die Luft hier oben ziemlich dünn und mir wird etwas komisch. Vielleicht habe ich auch zu wenig getrunken, auf jeden Fall wird mir immer wieder leicht schwarz vor Augen. Wir entscheiden uns, mit dem Fahrstuhl wieder herunter zu fahren. Und dann – Feierabend. Ich klappe zusammen und hänge in diesem viel zu engen Fahrstuhl.

Melina weiß sofort Bescheid, was zu tun ist, kann mich aber kaum hochheben. Glücklicherweise, sind noch zwei Männer im Fahrstuhl, die mich wieder hochziehen und unten aus dem Fahrstuhl hieven. Ich bekomme einen Gartenstuhl, auf den ich mich setzen kann, um wieder zu Bewusstsein zu kommen. Mir ist richtig schlecht und ich muss mich schnell um die Ecke verziehen und kotzen. Schließlich möchte ich die Hochzeitsgesellschaft nicht crashen, die am Denkmal gerade ein Fotoshooting veranstaltet.

Obwohl der Name Windhoek übersetzt soviel wie „Wind Ecke“ heißt, kann ich bei der Hitze lange auf ein bisschen frische Luft warten. Der Ausflug ist damit gelaufen und wir gehen lieber zurück zur Unterkunft. Es dauert eine ganze Weile, bis es mir wieder einigermaßen gut geht. Was für ein Start in Namibia. Ich wollte unbedingt hier her und jetzt denke ich bereits darüber nach, wie das hier weiter gehen soll.

Essen in Joe’s Beer House

Wir legen einen Tag die Füße hoch und verlassen das Haus nur, um essen zu gehen, wobei es „essen fahren“ besser trifft. Wir versuchen unser Glück mit LEFA erneut und dieses Mal funktioniert es problemlos. Unser Ziel ist Joe’s Beer House, ein Restaurant, das von einem deutschen Einwanderer geführt wird.

Der Fahrer setzt uns direkt vorm Eingang des Restaurants ab, das von einem Mann mit Gewehr bewacht wird. Auch wenn wir so etwas schon öfter auf unserer Reise gesehen haben, ist es immer wieder ein komisches Gefühl, schwer bewaffnetes Personal vor Restaurants oder anderen Einrichtungen zu sehen.

Das Design des Restaurants ist ziemlich abgefahren. Alle möglichen Gegenstände wurden hier ins Interieur verwurstet. Wir bekommen einen Tisch zugewiesen und suchen uns etwas aus der Karte aus. Wir bestellen uns das Namibia Trio, bestehend aus Zebra-, Kudu- und Springbockfleisch. So können wir uns mal direkt durch die heimische Küche probieren. Die freundliche Bedienung erklärt uns beim Servieren, welches Fleisch von welchem Tier stammt.

Das Essen ist wirklich gut und wir sind sehr zufrieden mit dem gebotenen Service. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, bezahlen wir und geben selbstverständlich auch Trinkgeld. Doch das scheint der netten Dame zu wenig zu sein und sie sieht uns mit dem Arsch nicht mehr an. Sie reagiert nicht einmal mehr, als wir uns verabschieden. Scheinbar haben wir ihrer Ansicht nach zu wenig gegeben. Wie dem auch sei, finden wir das Verhalten irgendwie daneben und unprofessionell. 

Zeit für Abenteuer

Namibia ist ein Land, das erkundet werden möchte und so ist es nur logisch, dass wir uns wieder einen Mietwagen nehmen. Aus Kostengründen entscheiden wir uns erneut für die möglichst günstigste Variante, die unseren Kriterien entspricht. Als wir das Fahrzeug abholen wollen, teilt man uns mit, dass unser bestelltes Auto nicht verfügbar ist und wir deshalb ein kostenloses Upgrade bekommen. Das ist wirklich ein Glücksfall, denn wir wissen jetzt noch nicht, wie die Straßenverhältnisse in den Wüsten Namibias wirklich sind.


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.