Marokko: Essaouira – Hitze, Fisch und Hendrix

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3–5 Minuten

40 Grad im Schatten, Fischduft in der Nase und Jimi Hendrix im Ohr – unser Trip nach Essaouira und Diabat hat alles: chaotische Busfahrten, magische Fischmärkte und einen Hauch Hippie-Nostalgie.

Der Wetterdienst schlägt Alarm: Hitzewelle! Über 40 Grad Celsius. Wir sind heilfroh, dass unsere Reise raus aus der Stadt und Richtung Küste geht – in der Hoffnung, dass der Wind uns nicht nur Sand, sondern auch ein bisschen Erleichterung ins Gesicht weht.

Bei den Temperaturen kann man sich nur noch in eine schattige Ecke verkriechen.

Während andere Touristen in Online-Rezensionen begeistert von den marokkanischen Reisebussen schwärmen, sammeln wir gleich mal ein Kontrasterlebnis. Unsere Plätze im Bus? Eher ein Fall für die Müllabfuhr als für eine Reiseagentur – Geschmolzene Schokolade unter den Schuhen, verschmierte Fenster. Vielleicht soll das Ganze ja auch moderne Kunst sein. Wir verbringen die nächsten 3,5 Stunden im „Don’t-touch-anything“-Modus und fühlen uns wie bei einem Hygienetraining für Fortgeschrittene. Als wir endlich in Essaouira ankommen, atmen wir kollektiv auf – durch den Mund, versteht sich.

Fischduft und Fotofieber: Der Markt von Essaouira

Essaouira liegt an der Atlantikküste und ist bekannt für Fischerei, Hafenflair und postkartenreifes Altstadtambiente. Der Fischmarkt dort? Ein Fest für die Sinne. Also… zumindest für vier davon. Der Geruch haut uns beim Betreten fast um – salzig, fischig, marokkanisch. Die Marktstände biegen sich unter der Last von Thunfischen, Doraden, Tintenfischen und allem, was sonst so kreucht und fleucht. Ein Eldorado für Foodies, Fotograf*innen und Möwen mit Ambitionen.

Mit meiner Ricoh GR III in der Hand und dem Geruch in der Nase gleite ich durchs Marktgetümmel. Keiner merkt, dass ich fotografiere. Ich bin unsichtbar – außer für meine Nasenhaare, die hätten gerne Urlaub. Doch ich bin im Flow. Alles andere ist egal. Der Fischmarkt ist laut, lebendig, voller Energie. Hier wird gefeilscht, ausgenommen, filetiert – und manchmal auch gegrillt.

Ja, gegrillt. Und zwar direkt vor Ort. Wir besorgen uns an verschiedenen Ständen frische Waren und lassen sie uns brutzeln, dazu gibt’s Brot, Salat und eine Prise marokkanische Würze. Einfach, frisch und genau das Richtige, um die Geschmacksknospen aus dem Schockzustand zu holen. Allerdings gibt es hier keinen Zentimeter Schatten und uns läuft die Suppe vom Kopf. Trotzdem definitiv ein Erlebnis, das hängenbleibt.

Neben dem Fischmarkt zieht es uns immer wieder in die Medina. Weiße Häuser mit blauen Türen, ein Hauch Griechenland in Nordafrika. Die Altstadt ist verwinkelt, lebendig und angenehm unaufgeregt. Unser liebster Dreh- und Angelpunkt ist der Moulay Hassan-Platz. Hier treffen sich Fischer, Flaneure und Fruchtsaftverkäufer. Es gibt frischen O-Saft, gegrillten Fisch und einen Blick auf die alte Festungsanlage, der auch ohne Filter funktioniert.

Manchmal spielen Musiker auf dem Platz – im traditionellen Gnaoua-Stil. Der Rhythmus ist hypnotisch, die Stimmung entspannt. Dass hier einmal im Jahr ein großes Musikfestival stattfindet, können wir uns gut vorstellen. Und sind gleichzeitig froh, gerade nicht mittendrin im Festivaltrubel zu stecken.

Die Stadt hat für uns dieses gewisse Etwas – schwer zu beschreiben, aber unmöglich zu ignorieren. Vielleicht ist es die entspannte Atmosphäre, vielleicht die Atlantikbrise, die die Hitze erträglicher macht. Oder es ist einfach das Zusammenspiel aus Altstadt-Charme, Meerblick und einem Gefühl von „Hier könnte ich bleiben“. Jedenfalls zählt Essaouira für uns ganz klar zu den Orten, die uns immer wieder aufs Neue verzaubern. Es ist für uns persönlich mehr als nur ein weiterer Punkt auf der Landkarte – es ist ein Wohlfühlort.

Ein Ausflug nach Diabat – Sand, Esel und Jimi Hendrix

Trotz der Hitze beschließen wir, einen Tagesausflug ins benachbarte Diabat zu machen. Der Weg dorthin führt durch Dünen, dauert etwa eine Stunde und fühlt sich stellenweise an wie ein unfreiwilliges Wüstentraining. Aber es lohnt sich: Diabat war einst Hippie-Hochburg der 70er, heute ein Rückzugsort für Künstler, Musiker – und uns.

Größter Namensmagnet: Jimi Hendrix. Angeblich soll seine „Castles Made of Sand“-Nummer hier inspiriert worden sein. Vielleicht von der halbversandeten Ruine des alten Sultanpalasts, die nun wie ein vergessenes Filmset in der Landschaft liegt. Wir sind fast allein dort – was selten ist und angenehm. Der Sand knirscht, die Sonne brennt, und der Palast zerbröselt weiter vor sich hin.

Mittlerweile haben sich in Diabat allerdings auch Luxushotels und Wellness-Oasen eingenistet. Immer ein bisschen schade, wenn ursprüngliche Orte durch Glanz poliert werden. Klar, Tourismus bringt Geld – aber auch Glanzlack, der langsam die Seele überdeckt. Immerhin: In den hintersten Gassen des Dorfs lebt die alte Welt weiter. Esel statt SUVs, freilaufende Hühner statt Wellnessgäste. Wir fühlen uns wie in einer Parallelwelt – und mögen sie sehr.

Zum Abschluss machen wir etwas, das wir sonst immer vermeiden: Wir setzen uns ins touristischste Café weit und breit – das nach Jimi Hendrix benannte. Bunte Wände, Musikbeschallung, „Purple Haze“ zum Pfefferminztee. Und ja, natürlich gibt’s hier die obligatorische Touri-Abzocke: Plötzlich kostet das zum Tee gereichte Gebäck extra. Kein Drama, aber ein kleiner Dämpfer in der sonst so offenen Gastfreundschaft.

Trotzdem war Diabat die perfekte Auszeit: ruhig, anders, ein bisschen entrückt. Der perfekte Kontrast zu Essaouiras geschäftigem Treiben. Und wer weiß – vielleicht summt auch Jimi irgendwo da draußen noch sein Lied vom Sand.


10 Kommentare zu „Marokko: Essaouira – Hitze, Fisch und Hendrix“

  1. Avatar von Hendrik

    Super Reisebericht mit ganz viel Fischgeruch und tollen Bildern!

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Vielen Dank, Hendrik! 🙂

  2. Avatar von Volker Krause

    Hautnah, man riecht richtig den Fisch! Sehr schöne Aufnahmen!

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Vielen Dank für dein Feedback. 🙂

  3. Avatar von Oliver Jockers
    Oliver Jockers

    Sehr interessant und ich bekomme richtig Lust, mir das auch einmal anzuschauen.

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Es lohnt sich definitiv. Essaouira hat sich zu unserer Lieblingsstadt in Marokko entwickelt. Der Fischmarkt ist ein Eldorado für Streetfotografen, wie man so schön sagt. 😃

  4. Avatar von Frank
    Frank

    Danke für diese wundervolle Reise!

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Sehr gerne. Vielen Dank für dein Feedback.

  5. Avatar von Gustav

    Fesselnder Text, großartige Bilder, grandioser Bericht.

    1. Avatar von Dennis Gloth

      Vielen Dank für dein tolles Feedback. 🙂

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