Zu dem vielen Regen und Unwetter in den letzten Tagen gesellt sich heute Morgen auch noch ein platter Autoreifen. Das geht ja gut los. Wir fahren zur nächsten Tankstelle und lassen ihn erst einmal aufpumpen und hoffen, dass er heute beim Besuch eines weiteren Nationalparks nicht noch einmal schlapp macht. Als wir den Parkplatz des Parks erreichen, trauen wir unseren Augen kaum. Das Restaurant direkt an der Küste ist in den letzten Tagen komplett zerstört worden und auch heute klatschen meterhohe Wellen auf die Felsen. Wir sind etwas unsicher und parken unser Auto möglichst weit entfernt vom Ufer.

Tsitsikamma Nationalpark
Wir starten mit der kurzen Wanderung zur bekanntesten Sehenswürdigkeit des Parks, vorbei an unzähligen süßen Klippenschliefern. Schon ziemlich schnell erreichen wir über einen gut gepflasterten Wanderweg die markante Hängebrücke. Sie ist fast 80 Meter lang und überspannt den Storms River Mouth. Wir sind früh genug dran und haben die Brücke fast für uns allein. Beim Betreten einer der längsten Hängebrücken Südafrikas sind wir dann positiv überrascht, da sie bei Weitem nicht so wackelig ist, wie gedacht. Wir haben eine tolle Aussicht auf die felsigen Küsten und das Meer unter uns. Wir erklimmen anschließend noch eine kleine Erhöhung, die einen super Ausblick von oben auf die ikonische Brücke bietet.



Da es neben der kurzen Wanderung noch einige weitere im Park gibt, entscheiden wir spontan, dass wir uns noch ein wenig im Park aufhalten. Wir checken die Wanderwege und wählen den Wasserfall-Weg, der in etwa 6 Kilometer lang ist. Wir informieren uns nicht weiter und laufen einfach los. Ziemlich schnell merken wir, dass die Wanderung nicht ohne ist. Durch den Regen ist es relativ rutschig und der Großteil der Strecke führt direkt über die Felsbrocken und ist für uns mehr ein Klettern als ein entspanntes Wandern. Entsprechend lang kommt uns die Strecke vor und teils sind die gelben Pfeile, die zumindest eine grobe Kennzeichnung des besten Weges sein sollen, nicht mehr aufzufinden. Wir finden dennoch immer eine Möglichkeit, voran zu kommen.


Das Meer links neben uns ist unglaublich rau und die Wellen peitschen an die Felsen. Zum Glück noch weit genug von uns entfernt. Nach einer Weile hören wir Stimmen und sind uns sicher, dass es zum Wasserfall nicht mehr weit sein kann. Einige Felsen später können wir den Wasserfall hören und kurz darauf auch sehen. Wir haben es geschafft. Das Wasser fällt von den Klippen direkt in einen natürlichen Pool, in dem der ein oder andere tatsächlich bei 20 Grad Außentemperatur badet. Respekt. Für uns geht es nach einer kurzen Pause zurück zum Auto und weiter zur nächsten Unterkunft.





Addo Elephant Nationalpark
Im Moment scheinen wir einen Lauf zu haben, denn unser Morgen beginnt Mal wieder beschissen. Wir stehen extra um 6:00 Uhr morgens auf, um vor der Stoßzeit im Addo Elephant Nationalpark anzukommen, doch es kommt Mal wieder anders als geplant. Beim Ausparken vom Grundstück merken wir nicht, dass sich das elektrische Tor bereits wieder schließt und offensichtlich stoppt es auch nicht, während wir uns schon in der Lichtschranke befinden – Rumms.
Da sitzen wir nun mit dem Auto am Tor. Doch es ist nicht nur das Tor, denn die halbe Mauer kommt mit runter, schöne Scheiße. Dass das Tor definitiv mit einer Art Tesafilm befestigt worden sein muss, merken wir, als wir am Auto keinerlei Schaden, nicht einmal wirklich einen Kratzer feststellen können. Hilft alles nichts, wir müssen das Problem zügig lösen. Da die Vermieter mit auf dem Grundstück wohnen, rufen und klopfen wir, was das Zeug hält, doch keiner öffnet. Zu allem Überfluss kommt noch ein Einwohner auf der Straße zu uns, der uns irgendetwas von Überfall, Polizei und Hilfe erzählt und uns in einer Tour voll labert. Wir werden ihn nicht los und so muss nun immer einer am Auto mit dem komischen Typen bleiben und einer weiterhin versuchen, die Vermieter irgendwie zu erreichen. Nach weiterem Sturmklopfen am Badezimmerfenster kommt endlich der Herr des Hauses heraus.
Er versichert uns, dass er für den Tag eine Übergangslösung findet und es anschließend mit einem Kumpel für etwa 10€ repariert und wir erst einmal los fahren sollen. Mit rund 1 Stunde Verspätung starten wir dann also endlich in Richtung Nationalpark. Wie es an solchen Tagen immer so ist, hat dann auch noch unsere Wasser-Nachfüll-Station geschlossen, es gibt 50 Baustellen auf dem Weg und am Ende erreichen wir nach über 100 Kilometer Umweg genau zur Stoßzeit den Park. Da es heute allerdings schon den ganzen Tag regnet, ist der Park wenigstens so leer, dass selbst zur Hauptzeit nur sehr wenige Autos unterwegs sind.

Hier sind wir jetzt also mit unserem süßen, kleinen VW Polo auf unserer ersten Safari und dann gleich als Selbstfahrer. Der Adrenalinspiegel steigt und wir rollen voller Vorfreude durch die Pfützen los. Die erste halbe Stunde sehen wir so gut wie nichts und wissen auch noch gar nicht so richtig, wie man gleichzeitig Auto fahren, Tiere in der Landschaft suchen und parallel dazu auch noch die Straßen im Auge behalten soll. Eine Mischung aus Überforderung und Aufregung macht sich breit und wir sind schon ganz gespannt, wann wir die ersten Tiere zu Gesicht bekommen. Nach gut 45 Minuten erfolglosem Herumfahren entdecken wir dann das erste Tier. Nein, kein großer Elefant, kein Löwe und auch kein Büffel, es ist eine kleine Schildkröte, die am Wegesrand entlang kriecht. Aber hey, für uns ist es gerade wie ein Lottogewinn, wir haben unser erstes Tier gesichtet und sind uns sicher, dass das erst der Anfang war. Und tatsächlich kurze Zeit später laufen uns die ersten Elefanten über den Weg und wir sind hin und weg. Sprachlos, fasziniert und irgendwie auch etwas unsicher, denn unser VW Polo ist gerade einmal so groß wie ein Elefantenfuß. Krass.


Obwohl der Nationalpark hauptsächlich für seine große Elefantenpopulation bekannt ist, kann man mit viel Glück auch die restlichen vier der „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) entdecken. Doch auch den Tieren scheint das Wetter heute nicht viel Freude zu bereiten, sodass sie sich die meiste Zeit in, hinter und unter Büschen und Bäumen verstecken und wir sie nicht finden können. Dafür werden wir immer wieder mit kleinen Elefantenherden verwöhnt. Und während wir von weiter weg noch denken, dass der Mini-Elefant doch locker in unser Auto passen würde, stellen wir bei kurzer Distanz mal wieder fest, dass der gar nicht mehr so klein ist.

Es ist wirklich beeindruckend, die Elefanten in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Manchmal sehen wir sie erst gar nicht, hören dann aber Äste knacken und wissen, dass dort ein Tier sein muss. Wenig später sieht man sie dann auch meistens und hält schon Ausschau in alle Richtungen, ob man nicht gerade versehentlich die Herde trennt, denn das ist ein absolutes No Go. Auch wenn man natürlich immer möglichst nah an die Tiere heranfahren möchte, sollte man lieber nochmal ein paar hundert Meter mehr zwischen sich und den Tieren lassen, denn man dringt in ihr Revier ein und das finden auch wir Menschen nicht immer lustig. Als einer der Elefanten plötzlich auf dem Weg stehen bleibt, uns direkt anschaut und mit den Ohren wedelt, rutscht uns unser Herz kurz in die Hose, wir schwitzen und grübeln. Auch wenn die Tiere groß und schwer sind, laufen sie plötzlich los, hast du keine Chance und unser Auto ist für ihn sicherlich nicht mehr als eine Ameise. Wir legen den Rückwärtsgang ein und lassen uns langsam etwas zurückrollen. Das reicht ihm und er zieht weiter. Natürlich haben wir uns im Vorfeld informiert, wie man wann reagieren sollte, was zu beachten ist usw. , aber letztendlich sind wir hier in der Wildnis und wenn den Tieren etwas nicht passt, sind wir die Fremdkörper und Störenfriede.
Als das Wetter anschließend kurzzeitig etwas aufklart, können wir sogar noch eine Herde Zebras sichten. Sie sehen so schön und friedlich aus, dass man am Liebsten aussteigen und sie streicheln würde. Man nimmt erst jetzt ganz bewusst wahr, dass sie wie Pferde schnauben. Im Zoo achtet man da ja eher selten drauf. Hier erlebt man das Ganze mit all seinen Sinnen und es ist unglaublich intensiv und aufregend.

Für uns ist der Addo Elephant Nationalpark der perfekte Einstieg für eine Selbstfahrer Safari. Es gab nicht viele andere Besucher und auch nicht übermäßig viele Tiere, auf die wir zu allen Seiten hin achten mussten. Wir konnten in unserem Tempo ganz in Ruhe durch den Park fahren und bei einer Tiersichtung so lange stehen bleiben wie wir wollten. Klar wäre es auch schön gewesen, den Scheibenwischer einmal ausschalten zu können, aber so ein Wetter bringt eben auch Vorteile mit sich und man sollte einfach immer das Beste daraus machen.
Auf dem Rückweg stellen wir dann noch fest, dass wir morgens durch das ganze Hin- und Her eine der gefährlichsten Straßen Südafrikas zur Anfahrt genutzt haben, die Touristen jederzeit meiden sollten. Da hatten wir wohl doch sehr viele Schutzengel dabei, denn hier scheinen bewaffnete Überfälle und Touristen Entführungen an der Tagesordnung zu sein. Schwein gehabt.
Bei Rückkehr zur Unterkunft steht dann noch ein weiteres Gespräch zur Reparatur des Tors und der Mauer an. Wie es immer so ist, decken selbst unsere zwei abgeschlossenen Versicherungen den Schaden nicht ab und die Vermieter verlangen statt der versprochenen Eigenlösung für 10 € plötzlich eine Reparatur durch eine Fremdfirma für 120 €. Auch nicht die Welt, aber wie das Ganze gelaufen ist, war nicht ganz so nett.
Oudtshoorn
Unser nächster Stopp ist in der „Straußenhauptstadt der Welt“, Oudtshoorn, gelegen in der Kleinen Karoo Halbwüste. Schon seit dem 19. Jahrhundert werden hier auf vielen Farmen Straußen gezüchtet, da gerade die Federn schon lange weltweit exportiert werden. Eigentlich gibt es hier wenig Niederschlag, sodass die Strauße in der trockenen Klimazone gut leben können. Aktuell sieht das allerdings anders aus, denn seit Tagen regnet es extrem in Südafrika und statt Trockenheit herrscht häufig Überschwemmung. Auch wir sind in Oudtshoorn gefangen, da die Straßen allesamt überflutet sind. Zu Fuß können wir zumindest über Umwege in den Ortskern gelangen, heute mit dem Auto weiter zu fahren ist allerdings unmöglich. Für uns ist es nicht so schlimm, denn wir verlängern einfach um eine Nacht und bleiben den Nachmittag in unserer gemütlichen Unterkunft, umgeben von einem großen Garten mit Hunden und Straußen. So lässt es sich aushalten.






Einen Tag später sieht die Welt schon wieder anders aus. Das Hochwasser ist zurück gegangen und die Straßen sind wieder weitestgehend freigegeben. Noch schnell packen, Auto beladen und dann kann es weiter gehen. Denkst du. Erst sehen wir, dass unser Auto mal wieder einen Platten hat und dann bricht Melina’s Brille auch noch durch. Zwar haben wir eine Ersatzbrille mit, allerdings mit einer kleineren Dioptrienzahl und das ist für Augen und Kopf nicht sehr angenehm, gerade, wenn man Auto fahren muss. Wir fragen in unserer Unterkunft nach Sekundenkleber. Leider lässt sich der Angestellte nicht auf das Herausgeben des Klebers ein, sondern legt selbst Hand an und schmiert den Kleber gefühlt überall hin, aufs Glas, an den Rahmen, nur da, wo er halten soll, hält er nicht. Schade. Wir wurschteln uns danach selbst etwas zurecht und hoffen, dass die Brille im Wechsel mit der Ersatzbrille erstmal noch etwas durchhält. Denn heute nichts zu sehen wäre noch ärgerlicher als sonst. Wir machen uns nämlich auf den Weg zu einer der schönsten Bergstraßen Südafrikas. Es geht über den Huisrivierpass durch die Swartberg-Berge.
Rechts und links von uns tauchen immer wieder steile Klippen und Felsformationen sowie tiefe Schluchten auf. Die Landschaft ist wirklich beeindruckend, auch wenn wir bei den vielen Kurven und steilen Anstiegen das ein oder andere Mal unseren kleinen Polo ganz schön herausfordern. Dafür wird uns das Fotografieren hier recht leicht gemacht, da immer wieder Ausbuchtungen und Aussichtspunkte entlang der Straße errichtet wurden. Wir passieren auch die Wein- und Obstregionen der Kleinen Karoo, die wir uns in den nächsten Tagen genauer anschauen möchten.



Stellenbosch
Um tiefer in die Wein- und Obstregionen einzutauchen, machen wir unseren nächsten Halt in Stellenbosch, eine der ältesten Städte Südafrikas. Für uns wirkt sie so anders als das, was wir bisher aus Südafrika kennengelernt haben. Es gibt viele historische Gebäude im kapholländischen Stil, die Läden und Restaurants sehen alle ziemlich gehoben aus und alles ist sehr sauber und gepflegt.



Wir sind allerdings sowieso weniger wegen der Innenstadt sondern vielmehr wegen der umliegenden Berge, Weingüter und Farmen hier. Die Region beherbergt nämlich mehr als 150 Weingüter und Weinfarmen, die eine Vielzahl von Rebsorten anbauen und international anerkannte Weine produzieren. Gar nicht so leicht, sich hier für ein Weingut zu entscheiden. Wir fahren ein paar der Güter an und wählen am Ende die Kleine Zalze. Bei der Einfahrt auf das Gelände bekommen wir das Gefühl, als würden wir jetzt in ein Hoheitsgebiet zu Berühmtheiten fahren. Das Auto wird gecheckt, das Kennzeichen aufgenommen und uns werden ein paar Fragen gestellt. Echt verrückt. Das Weingut ist super schön angelegt und ich gönne mir eine kleine Weinverkostung. Die Weine schmecken größtenteils gut und die Erklärungen dazu können selbst wir als Laien gut verstehen. Nach dem Besuch fällt uns natürlich immer wieder auf, wie verbreitet die Weine sowohl in Südafrika als auch in anderen Teilen der Welt sind. Wir sehen sie immer wieder im Regal und werden an das Erlebnis auf dem Weingut erinnert.



Bevor wir uns wieder auf den Rückweg Richtung Kapstadt machen, ziehen wir noch einen kleinen Schlenker nach Moiiberge. Als wir auf das Gelände fahren, fallen uns schon die vielen bunten Skulpturen auf, die aus recycelten Materialen und alten Farmgeräten hergestellt sind. Ursprünglich als Farm gegründet, entwickelte sich Mooiberge im Laufe der Jahre zu einem wichtigen landwirtschaftlichen Betrieb.


Hier gibt es eine Menge Erdbeerfelder, auf denen man zu bestimmten Jahreszeiten auch selbst Erdbeeren pflücken kann. Mittlerweile ist das Gelände viel mehr als nur ein Erdbeerhof, eher eine Erlebniswelt mit einem kleinen Shop mit regionalen Produkten. Da uns allerdings die Zeit etwas im Nacken sitzt, schauen wir uns nur einmal um und düsen dann weiter nach Kapstadt, um unser Auto zurück zu geben und die letzten Wochen etwas Revue passieren zu lassen.
Kapstadt Bergvliet
Aus unserem Plan, uns eine Woche in einem Vorort von Kapstadt auszuruhen, zu entspannen und neue Kräfte zu sammeln, wird mal wieder nichts. Stattdessen holen uns in dieser Zeit sogar Dinge wieder ein, die eigentlich erledigt waren und wir haben jeden Tag neue Sorgen im Kopf. Dazu kommt, dass wir nicht wissen, wie es für uns weiter gehen soll.
Die Flugpreise werden immer höher, egal ob nach Namibia oder innerhalb Südafrikas und wir können in der Unterkunft nicht verlängern. Kurzerhand entscheiden wir zwei Tage vor Abreise, dass wir das Geld in die Hand nehmen und buchen uns einen Flug nach Namibia. Dass wir im Dunkeln in einer nicht ganz ungefährlichen Stadt in einem neuen Land ankommen werden, macht die ganze Sache nicht besser.





Schneller als erhofft, kommt der Abreisetag und unsere Unterkunft ist neu gebucht, sodass wir pünktlich um 10:00 Uhr morgens auschecken müssen. Doof nur, wenn dein Flieger erst am Abend geht und es in diesem Teil Kapstadts weit und breit keine Möglichkeit gibt, sich länger aufzuhalten. Also ab zum Flughafen und 8 Stunden ausharren. Während unserer Wartezeit stellen wir wieder einmal fest, dass südafrikanische Länder definitiv nichts für flexibel Reisende sind, die sich gerne Optionen offen halten und spontan entscheiden möchten. Sowohl in Südafrika als auch in Namibia legen die meisten Leute ihre genaue Route von zuhause aus fest und buchen häufig schon ein Jahr im Voraus Mietwagen und Unterkünfte. Für uns bleibt aktuell also immer nur der Rest und so blicken wir schon leicht skeptisch auf unsere Abenteuer in Namibia, denn das einzige Auto, dass wir noch buchen können, ist kein 4×4 Wagen, nein, noch nicht einmal ein Mini SUV. Na das kann ja heiter werden…


Kommentar verfassen