Namibia: Road Trip über Windhoek nach Lüderitz

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5–7 Minuten

Die erste Etappe führt uns von Windhoek über Maltahöhe bis nach Lüderitz. Schon bei unserer ersten Station, der Unterkunft in Maltahöhe, erleben wir die ersten Kuriositäten – und damit meinen wir nicht die Esel und Affen, die hinterm Haus herumlaufen.

Weshalb wir bei der Autovermietung einen Lehrfilm über das Fahren auf „Gravelroads“ ansehen mussten, bevor uns der Wagen ausgehändigt wird, merken wir bereits nach einigen Kilometern außerhalb der Hauptstadt Namibias. Die Schotterpisten sind hier noch einmal eine ganz andere Herausforderung als die Straßen in Südafrika. Schon jetzt feiern wir das kostenlose Upgrade von einem Kleinwagen auf einen sogenannten Mini SUV. Denn selbst in diesem höhergelegenen Fahrzeug werden wir auf den Straßen ordentlich durchgeschüttelt wie ein Cocktail im Shaker.

Die dreckigen Scheiben sind unser kleinstes Problem mit dem Wagen – aber das wissen wir hier noch nicht.

Da ist es gut, dass wir die Strecke bis Lüderitz nicht an einem Tag zurücklegen, sondern eine Unterkunft in Maltahöhe gebucht haben, die bei unserer Ankunft allerdings irgendwie ein bisschen merkwürdig rüber kommt. Wir sind uns nicht einmal sicher, ob die Pension überhaupt geöffnet hat. Im relativ dunklen Gebäude treffen wir dann doch jemanden und können einchecken. Vorher haben wir uns extra mit Lebensmitteln eingedeckt, damit wir uns selbst versorgen können. Auf einem Hinweisschild im Zimmer gibt man seinen Gästen jedoch deutlich zu verstehen, dass mitgebrachte Speisen und Getränke hier nicht konsumiert werden dürfen, ansonsten droht eine Strafe von 250 Namibia Dollar (circa 12,50€) – ernsthaft?

Um die Spuren zu verwischen, belegen wir uns die Sandwiches in der Dusche des Zimmers und verspeisen diese auch dort. Damit es nicht ganz so auffällt, bestellen wir am nächsten Morgen wenigstens noch einen Kaffee und einen Kakao, bevor wir relativ schnell weiterziehen. 

Es geht weiter Richtung Süden bis nach Lüderitz. Bevor wir die Stadt an der Küste des stürmischen Atlantiks allerdings erreichen, passieren wir unendliche Wüsten und Landschaften, die für uns so unwirklich erscheinen. Wir sind jetzt schon ein bisschen in der Welt herumgekommen, haben so etwas allerdings noch nie gesehen und können diese, gefühlt unendliche, Weite kaum fassen. Wir finden eine stillgelegte Bahnstrecke mit einem Bahnhof inmitten der Wüste. Dieses unwirkliche und zugleich geniale Szenario lässt uns nicht los und wir können gar nicht anders, als für ein paar Fotos anzuhalten. 

Man kann diese Weite kaum in Worte fassen. Selten sind wir so von der Landschaft geflasht, wie hier.
Der Bahnhof von Garub.

Eine gute Stunde später kommen wir in der natürlichen Meeresbucht, in der Lüderitz auf Granitfelsen gebaut wurde, an. Die Stadt ist geprägt von liebevoll restaurierten Häusern aus der Kaiserzeit. Diese sind die Überbleibsel des Diamantenbooms zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Wir bummeln ganz entspannt durch die Gassen, während uns immer wieder vertraute Begriffe wie Turnhalle oder Kegelbahn über den Weg laufen. Dass die Stadt von relativ vielen Touristen besucht wird, sieht man am Publikum in den Straßen und an den teils sehr schicken Unterkünften. Wir jedoch nächtigen „low Budget“ in einem dunklen Zimmer, in das gerade mal ein Bett und ein Nachtschrank passt und nur eine Gemeinschaftstoilette auf dem Hof hat. Aber wie so oft gewöhnen wir uns recht schnell daran und freuen uns schon auf unseren morgigen Ausflug.

Kolmannskuppe

Der Hauptgrund, warum es uns in den Süden Namibias verschlägt, ist der Besuch der Kolmannskuppe. Die Stadt wurde innerhalb weniger Jahre zur reichsten Stadt Afrikas und einer der reichsten Städte der Welt während des Diamantenbooms um 1910. Sie hat jeglichen Luxus entwickelt, den es zuvor nicht gab und eine bewundernswerte Infrastruktur geschaffen. Es gab sogar eine eigene Eisenbahn vom oberen Teil der Stadt zum unteren, damit die Damen die 300 Meter bloß nicht zu Fuß zurücklegen mussten. Und das alles, obwohl in Kolmannskuppe nur etwa 400 EinwohnerInnen lebten.

Als man in anderen Teilen Namibias bessere Schürffelder gefunden hat, stellte man hier die Diamantenförderung ein und so verließen auch nach und nach alle EinwohnerInnen die Stadt, wodurch es heute eine Geisterstadt ist. Die Wüste erobert mit der Zeit die Gebäude zurück und bietet uns eine ganz besondere Atmosphäre. Durch die vielen Informationen zur Geschichte und dem Leben, welche unser Guide mit einer großen Prise Humor vermittelt, bekommen wir einen kleinen Eindruck davon, was hier früher einmal abgegangen ist. Wir halten uns über die gesamte Besuchszeit in der Geisterstadt auf und begehen auch die mittlerweile oft einsturzgefährdeten Gebäude, sei es das ehemalige Krankenhaus, der Kaufmannsladen oder auch die Häuser verschiedener Berufsgruppen. Es ist wirklich beeindruckend, dass sich die Natur nach und nach zurück holt, was ihr einst genommen wurde.  

Schockmoment in der Wüste

Nach zwei Tagen an der Küste zieht es uns weiter. Wieder raus aus der Stadt und rein in die Weite Namibias. Die asphaltierten Straßen werden wieder zu steinigen Pisten, als es plötzlich einen Knall gibt und nichts Gutes verheißt. Shit, jetzt sind auch wir von dem legendären platten Reifen betroffen. Die Panne, die jeder Reisende mindestens einmal auf seiner Tour durch Namibia erlebt. Nicht umsonst sieht man neben ein paar Schädeln auch ständig geplatzte und zerfetzte Autoreifen am Straßenrand. Beim ersten Check ums Fahrzeug herum sind alle Reifen noch rund. Nach genauerem Hinsehen entdecken wir einen etwa Handflächen großen Stein, der sich zwischen Rad und Bremsscheibe verklemmt hat. Eins steht fest, so können wir nicht weiterfahren. Das Ding muss da raus. Mitten im Nirgendwo und keine Ahnung von Autos, machen wir uns am Kofferraum zu schaffen, um den Wagenheber auszupacken.

Als wir so am Fahrzeug herumfummeln, als hätten wir den totalen Durchblick, halten zwei SUVs neben uns. Drei Engländer steigen aus und fragen, ob sie uns helfen können. Das ist hier in Namibia unter Touristen so üblich, denn jeder ist froh, wenn man irgendwie Unterstützung bekommen kann, auch wir haben schon so einige Male angehalten, mussten aber nie wirklich eingreifen. Die Engländer hingegen sind sofort dabei und David schmeißt sich in den Staub und unter das Auto als hätte er nie etwas anderes in seinem Leben getan. „Gott sei Dank, einer mit Ahnung“, dachten wir. Doch je mehr er unter dem Wagen herumfuhrwerkt, desto mehr merken wir, dass er nicht viel mehr Durchblick hat als wir. 

Klugscheißen wollen wir aber auch nicht, denn wir sind einfach nur froh und dankbar über seine Hilfe. Während wir uns mit den anderen beiden unterhalten, schwitzt sich David vermutlich halb tot im Staub der namibischen Wüste. Da die Jungs noch eine ganz ordentliche Strecke vor sich haben, sind wir froh, als uns nach einer halben Stunde das Ruder übergeben wird. Nach 15 Minuten Restarbeiten setzen wir unsere Fahrt in der Hitze dann auch fort. 

Hier möchte man nicht mit einer Panne liegen bleiben.

Nach etwa 45 Minuten Fahrtzeit fühlt sich wieder irgendetwas komisch an. Hoffentlich nicht noch ein Stein. Wir halten an, um nachzusehen. Die Muttern haben sich wieder gelöst und um ein Haar hätten wir unser Hinterrad in der Wüste verloren. Nochmal heißt es ordentlich schwitzen und nachziehen. Gegen Nachmittag erreichen wir, mit allen vier Rädern unseren nächsten Stopp, ein Camp mitten in der Wüste.


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