Zwischenfazit: Immer noch „on the road“ – aber irgendwie anders

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Wir haben das absolute Privileg nach über 2 Jahren immer noch reisen zu können. Das wissen wir auch zu schätzen und trotzdem fühlt es sich mittlerweile anders an. Die anfängliche, große Euphorie weichte irgendwann der Routine. Wir lieben das Reisen und sind uns nach wie vor einig, dass es der richtige Schritt in unserem Leben war/ist.

Vieles ist nicht mehr so neu und aufregend wie bei unserem ersten Aufbruch. Wir kennen viele „Maschen“, sind etwas routinierter und abgebrühter. Wir machen uns inzwischen viel mehr Gedanken über unsere Zukunft nach dem Abenteuer Langzeitreise als wir es zuvor gemacht haben. Wir sind nicht mehr so frei vom Kopf, sind dadurch weniger kreativ und entwickeln nicht mehr unsere 100 Ideen und Spinnereien. Das Reisen ist nicht mehr so unbeschwert und frei, wie es das für uns am Anfang war. Womöglich wird uns langsam bewusst, dass auch dieses Kapitel irgendwann ein Ende hat.

Wir waren in letzter Zeit häufiger in Europa unterwegs und hatten das Gefühl, dass uns das alles nicht mehr catcht. Irgendwie ist es so ähnlich zu dem, was wir kennen und vielleicht nicht exotisch genug. Jedenfalls fällt es uns gerade sehr schwer, die Orte und Momente zu genießen. Uns fehlt häufig die Motivation irgendetwas zu machen. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, wenn wir schon nicht rausgehen, müssen wir aber zumindest irgendetwas „Schaffen“.

Das Erlebte verarbeiten

Wir haben während des ersten Reisejahres hunderte Ideen, Wünsche, Träume, teils in komplett verschiedenen Richtungen entwickelt und angefangen umzusetzen. Vielleicht sind wir nach über 100.000 Reisekilometern einfach etwas reisemüde. Wir haben jetzt über 2 Jahre lang unendlich viele Eindrücke erhalten und diese brauchen Zeit, verarbeitet zu werden. Schwer, wenn man währenddessen schon wieder unzählige neue Erlebnisse und Eindrücke sammelt, denn irgendwann sind wir einfach „voll“ und nicht mehr aufnahmefähig.

Hinzu kommt, dass wir merken, dass uns Freunde und Familie mehr oder bewusster fehlen, vermutlich, weil wir in den drei Monaten in der Heimat sehr viel Zeit mit diesen Menschen verbracht haben. Wir haben es total genossen, es tat uns einfach gut.

Im ersten Moment klingt das vielleicht alles ziemlich negativ, aber das ist es gar nicht, denn es gehört ganz einfach dazu. Wir erleben ja trotzdem noch viele tolle Dinge, sind uns dessen aber manchmal erst im Nachhinein bewusst. Es ist völlig normal, dass man während einer Langzeitreise verschiedene Phasen durchlebt – that’s life. Wenn wir ehrlich sind, erwischt uns diese Phase ziemlich spät. Viele Reisende haben bereits nach einigen Monaten mit dieser Situation zu hadern.

Wir hatten jetzt eine wirklich lange, abenteuerliche Zeit mit unglaublich vielen Höhepunkten, da darf sich auch einmal ein kleiner Tiefpunkt einmischen. Außerdem sind wir immer noch zu zweit und erstaunlicherweise haben wir diese Phasen mehr oder weniger gleichzeitig, sodass es deutlich einfacher ist, sie zu meistern. Doof wäre, wenn einer gerade voller Tatendrang wäre und der andere total unmotiviert ist. So können wir mit ähnlichen Gedankengängen Lösungen für unsere derzeitige Unzufriedenheit finden. 

Das haben wir in den letzten Jahren sehr gut hinbekommen und wir sind uns sicher, dass wir mit vereinten Kräften auch dieses kleine Reisetief überwinden. Vielleicht andere Planungsvarianten und Reisestile ausprobieren, mehr Geld ausgeben, sich auf wenige Orte fokussieren statt möglichst viel zu sehen. Erfinderisch werden. Endlich Mal wieder Urlaub vom Reisen machen.

Unser Job – unsere Reise

Reisen bedeutet ebenso tagtägliche Arbeit wie einem Job nachzugehen, nur eben auf eine andere Art und Weise und vermutlich mit mehr Abwechslung. Wo geht es als nächstes hin? Gibt es dort Stadtteile, die aus Sicherheitsgründen gemieden werden sollten? Wie komme ich dort hin? Zu Fuß, Bus, Taxi, Zug oder Flugzeug? Dann eine Unterkunft zu einem annehmbaren Preis finden usw…

Es gibt viele verschiedene Punkte, an denen wir ansetzen und einfach mal eine Veränderung ausprobieren können. Doch wir müssen uns dazu aufraffen und disziplinieren, auch einmal nichts zu tun oder Highlights der Länder auszulassen, auch wenn’s schwer fällt. Für uns wäre es sicherlich gut, einsamere Orte zu besuchen, die uns nicht „verführen“, ständig etwas sehen und machen zu wollen ohne so richtig die Motivation dazu zu haben. Gleichzeitig denken wir uns, hier kommen wir vermutlich nie wieder hin und wenn wir das jetzt nicht machen, werden wir es vielleicht nie sehen.

Derzeit ist unsere Reise etwas zerfahren, oft unterbrochen mit Rückkehr und Abschied nach und aus Deutschland. Wir haben uns das selbst so ausgesucht, weil wir ein paar Termine in Deutschland für uns priorisiert haben. Denn es geht nicht immer nur um einen selbst und nur weil man weit weg ist, darf man alles andere nicht vergessen und sollte unserer Meinung nach gerade die sozialen Kontakte versuchen, zu pflegen.

Nehmen wir das einfache Beispiel von „altmodischen“ Postkarten. Wie schwer war es häufig, diese in Zeiten der Digitalisierung noch in den Ländern zu finden und wie aufwendig war es manchmal, Briefmarken zu bekommen. Doch wir wussten, diejenigen, gerade die Omas daheim, werden sich unglaublich freuen und das ist jeden Aufwand wert. Wenn man schon so lange weg ist, kann man ihnen wenigstens kurzzeitig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Einfach ein schönes Gefühl.

Unser Zwischenfazit

Für uns heißt es jetzt, den Kopf auch einmal auszuschalten, uns noch einmal neu zu fokussieren und gleichzeitig unsere offenen Fragen zu beantworten. Wie können wir nach der Reise ein Leben leben, das wir möchten und uns gleichzeitig natürlich auch leisten können? Mittlerweile sind wir schon geübter in der Akzeptanz, dass man nicht alles so haben kann, wie man möchte. Viel zu viel ist miteinander verwebt, hängt voneinander ab, baut aufeinander auf, doch wir sind ganz zuversichtlich, einen Teil unserer Wünsche auch in Zukunft umsetzen zu können. Schließlich war das große Abenteuer einer Weltreise anfangs auch nur Spinnerei und wir haben es geschafft, unseren Traum mit allen Konsequenzen zu leben. Es bleibt also auch für uns spannend, wohin uns die nächsten Monate und letztendlich Jahre führen…


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