Am 29.03. lud die „Unposed Society Hannover“ zum ersten von insgesamt vier Fotowalks in 2025 ein – und endlich passte es mal in meinen Kalender. Wollte ich schon lange mal mitmachen, aber wie das so ist: Man nimmt sich was vor, und dann kommt das Leben dazwischen. Heute nicht!
Noch mit den Nachwehen des Gärtnerns in den schwiegerelterlichen Grünanlagen schleppe ich mich leicht angeschlagen zum Bahnhof. Wer hätte gedacht, dass Unkrautjäten so nah an Leistungssport sein kann? Aber gut, Kaffee regelt. Nach einer kurzen Zugfahrt treffe ich mich mit Philipp, den ich schon viel zu lange nicht gesehen habe. Gemeinsam durchqueren wir das niedersächsische Flachland auf der B6, bis wir gegen 11 Uhr die Landeshauptstadt erreichen.
Kaffee und alte Bücher
Kaum in Hannover-Linden angekommen, ist es höchste Eisenbahn für einen Koffein-Smoothie. In einem Kaffeehaus, das den Charme der 70er atmet, gibt’s den nötigen Treibstoff. Jetzt sind wir bereit, die Stadt unsicher zu machen. Wir schießen uns warm, aber ab und an lenken mich antiquarische Buchhandlungen von meiner Mission ab. Insgeheim bin ich froh, dass ich nichts finde. So muss ich wenigstens keinen kiloschweren Wälzer den ganzen Tag mit mir herumschleppen.


Hannover Underground
Mit dem Bus geht es zur U-Bahn-Station „Christuskirche“, die Philipp für sein Langzeitprojekt „4 U-Bahn-Stationen, 4 Fotos“ festhalten will. Ich mache rund 30 Bilder, lösche fast genauso viele. Der gläserne Eingang hat Potenzial, aber irgendwie will es heute nicht so richtig zünden. Manchmal ist das halt so: Man sieht das Motiv, aber es springt einfach nicht über.
Nächste Station: „Königsworther Platz“. Die Haltestelle erstrahlt in leuchtendem Gelb. Ich warte geduldig auf eine passende Person, die mit einem gelben Accessoire die Rolltreppe herunterkommt. Und dann passiert es: Eine Frau mit einer perfekt passenden Stofftasche biegt um die Ecke – trägt das Ding aber auf der falschen Schulter. Ich drücke trotzdem ab. Kein Jahrhundertfoto, aber man nimmt, was man kriegt. Besser gefällt mir eine andere Aufnahme: Eine Frau mit Kopfhörern, die nach oben fährt – schöner Kontrast zum gelben Hintergrund.


Meet and Street auf dem Opernplatz
So langsam wird die Zeit knapp, also ab zum Opernplatz, wo das offizielle Treffen stattfindet. Mit der U-Bahn fahren wir rüber zum Kröpke. Dort angekommen, erwarten uns bereits 40 bis 50 Fotografen, größtenteils aus Norddeutschland. Sascha, Tammo, Daniel und Uwe geben nach der Begrüßung eine kurze Ansprache, dann wird noch schnell ein Gruppenfoto gemacht – und zack, alle wieder in den Straßen Hannovers verstreut.


Philipp und ich kappen uns kurz ab, um die letzten beiden Stationen des Tages abzulichten. Am Aegidientorplatz: Wieder viele Rolltreppen, wieder viel Gelb. Ich fahre runter, fahre rauf, fahre wieder runter. So richtig zündet der Spot bei mir nicht. Ich konzentriere mich mehr auf die Menschen, die im Minutentakt vor meiner Kamera vorbeirauschen. Trotzdem: Die erhoffte Goldgrube bleibt aus.

Letzter Halt: „Kröpke“. Architektonisch ein schöner Bahnhof mit seinen vielen Rolltreppen und den Mosaiken an den Wänden. Das sehen offenbar nicht alle so, denn ein paar Sicherheitsbeamte bitten mich freundlich, aber bestimmt, den Platz zu verlassen. Nun gut, ich bin eh fertig. Noch ein letztes Foto eine Etage höher, dann treffe ich mich wieder mit Philipp an der Oberfläche.


Hopfenkaltschale und Kirmesbesuch
Zeit für eine Pause. Bei unserer Ankunft am Feinkiosk platzt der Laden schon aus allen Nähten. Offenbar gibt es Probleme mit dem Kassensystem. Alles muss per Hand notiert und aus dem Kopf heraus abgerechnet werden. Aber kein Grund zur Panik – die Stimmung unter den Fotografierenden ist trotzdem blendend. Nach einem Mashsee-Lager geht es weiter zum Frühlingsmarkt auf dem Schützenplatz. Ein Jahrmarkt ist immer ein sicherer Hafen für gute Fotos: Hier treffen sich alle Gesellschaftsschichten, hier passieren die skurrilsten Momente.



Fazit: Es geht um mehr, als nur Gute Fotos
Langsam macht sich aber die Erschöpfung bemerkbar. Nach einer letzten Runde über den Markt fahren wir zurück zum Wagen und verdrücken noch schnell einen stattlichen Falafel-Rollo, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Während der Fahrt quatschen wir über Fotografie, Reisen, Job und Familie – also das ganz normale Leben. Die fotografische Ausbeute war heute vielleicht nicht überragend, aber das ist auch gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger sind die Gespräche, die Begegnungen und der Spaß an einem gemeinsamen Hobby. Und genau dafür sind solche Fotowalks da.
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