Marokko: Agadir – Kein Bargeld, kein Plan, kein Problem

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4–5 Minuten

Wir sitzen am Flughafen von Baden-Baden und warten auf einen von insgesamt zwei Flügen, die hier heute starten. Man könnte fast meinen, wir hätten uns ins falsche Gebäude verirrt und wären in einer besonders großzügig gestalteten Arztpraxis gelandet. So ruhig war es selten an einem Flughafen. Alles läuft nach Plan, wir steigen entspannt ins Flugzeug – ein kurzer Moment der Zufriedenheit. Doch dann meldet sich der Pilot mit der Durchsage, die wirklich keiner hören will: „Technisches Problem.“

Wunderbar. Die Flugbegleiter lächeln professionell, während ich mir vorstelle, wie ein Trupp Mechaniker rätselnd vor dem Cockpit steht und Google bemüht: „Warum startet mein Flugzeug nicht?“ Nach einer Stunde, mehreren Neustarts und ein paar Tests geht es endlich los. Hoffen wir mal, dass niemand mit Klebeband improvisiert hat.

SIM-Karte, Sonnenuntergang, Orientierungslosigkeit

Mit Verspätung, aber immerhin in einem Stück, landen wir in Agadir. Jetzt schnell eine SIM-Karte besorgen, Bargeld für den Bus wechseln – und schon lauert die nächste Hürde: Die Wechselstube ist überfüllt und unser Bus, vermutlich der letzte des Tages, fährt in zehn Minuten. Kein Problem, dann eben Tickets mit der Kreditkarte kaufen. Blöd nur, dass wir dann ohne Bargeld durch die Stadt gurken. Und wir haben Hunger. Und es wird dunkel. Hervorragend.

Nach 45 Minuten Fahrt steigen wir irgendwo in Agadir aus. Wo genau? Gute Frage. Eine junge Alleinreisende gesellt sich zu uns, vermutlich in der Hoffnung, dass wir Ahnung haben, wo es langgeht. Doch Fehlanzeige. Wir orientieren uns gemeinsam mithilfe von google maps und ziehen los Richtung Taxi-Terminal. Schon nach wenigen Metern trauen wir unseren Augen kaum. Zwar kein Pferd auf dem Flur, doch ein Kamel mitten in der Stadt. Wahnsinn. Statt also anschließend in ein Taxi zu steigen, entscheiden wir uns irgendwann einfach, die vier Kilometer zur Unterkunft zu Fuß zu gehen.

Und tatsächlich: Hätten wir ein Taxi genommen, wären uns einige spannende Eindrücke entgangen. Zum Beispiel die geisterhafte Stille auf den Straßen, denn während des Ramadans ist während des Sonnenuntergangs einfach mal niemand unterwegs. Eine schöne Abwechslung zu den sonst oft chaotischen Szenen in marokkanischen Städten. Die junge Frau verabschiedet sich auf halbem Weg, und wir marschieren weiter durch die inzwischen stockfinstere Stadt.

Endlich an unserer Airbnb-Unterkunft angekommen, meldet sich unser Magen lautstark zu Wort. Blöd nur: Immer noch kein Bargeld. Im nächstbesten Supermarkt fragen wir vorsichtig nach, ob Kartenzahlung möglich ist. Der Verkäufer schüttelt den Kopf – bietet uns aber großzügig an, einfach zu nehmen, was wir brauchen und später zu bezahlen. Wir sind gerade erst ein paar Stunden im Land und schon begegnen wir einer solchen Herzlichkeit. Wir lehnen fast aus Prinzip ab, nehmen dann aber wenigstens Wasser und zahlen am nächsten Tag unseren Schuldenberg in Höhe von 2,50 Euro brav zurück.

Kamelrennen statt Kotelett. Wenigstens der Fernseher lenkt ein bisschen vom Kohldampf ab.

Zwischen Eselkarren und Gewürzduft

Unser erster Eindruck von Agadir? Absolut positiv. Die Menschen sind freundlich, nicht aufdringlich und als wir den Souk El Had besuchen, sind wir völlig fasziniert von der Farben- und Geruchsexplosion. Hier gibt es alles: Gewürze, Teppiche, Haushaltswaren – kurz gesagt, wer hier nichts findet, ist selbst schuld.

Touristische Hotspots wie die „neue“ Medina oder die Kasbah lassen wir vorerst links liegen. Stattdessen tauchen wir lieber tiefer in den Alltag ein und verbringen die Tage auf Märkten und Basaren. Morgens starten wir gemütlich auf unserem sonnigen Balkon in den Tag, frühstücken gemächlich und tasten uns langsam an die Spezialitäten des Landes heran. Währenddessen dringen aus den Gassen unter uns die klappernden Hufe von Pferden und Eseln, die mit ihren Kutschen durch die Stadt ziehen. Ein fast nostalgisches Flair, das uns direkt noch tiefer ins Lebensgefühl Marokkos eintauchen lässt.

An das marokkanische Fleischangebot müssen wir uns erst gewöhnen.

Harira, Datteln & Herzlichkeit

Doch es gibt eine Herausforderung: Während des Ramadans ist es gar nicht so einfach, etwas zu essen zu finden (auch wenn die Bilder oben etwas anderes vermitteln). Vieles hat geschlossen und die Familien essen meistens zusammen zuhause. Der Tag beginnt im Prinzip erst so richtig, wenn unser fast endet. An einem Abend zögern wir vor einem kleinen Laden, in dem zwei Männer mit ihrer Familie speisen. Wir haben das Gefühl, zu stören – dieser Moment des Fastenbrechens ist für sie heilig, und wir fühlen uns ein wenig wie Eindringlinge. Doch unser knurrender Magen lässt nicht locker. Zum Glück hilft uns einer der Gäste, der Englisch spricht weiter und so dürfen wir hier typisch marokkanisch essen. Harira Suppe, ein gekochtes Ei und natürlich Datteln, dazu gibt es einen frischen Minztee. Ein kurzer Moment der Unsicherheit verwandelt sich schnell in eine wärmende Begegnung mit der Gastfreundschaft des Landes.

Am nächsten Tag auf unserem Weg zum Strand erleben wir dann ein Kontrastprogramm: Plötzlich sind wir von Touristen umzingelt. Die Restaurants servieren Pizza und Pasta, die Promenade erinnert an Malle und Einheimische kommen nur noch ins Bild, wenn sie uns eine Sonnenbrille andrehen wollen. Hier haben wir definitiv alles richtig gemacht – lieber in den echten Alltag eintauchen, als in der Touri-Blase festsitzen.

Die Flaniermeile von Agadir versprüht eher europäischen Charme.
In unserer Nachbarschaft unter den Einheimischen fühlen wir uns wohler.

Kaum versehen wir uns, ist die erste Woche in Marokko schon vorbei. Rucksack packen, nächster Ort, nächstes Abenteuer. Mal sehen, was uns dort erwartet!


Ein Kommentar zu „Marokko: Agadir – Kein Bargeld, kein Plan, kein Problem“

  1. Avatar von
    Anonym

    Ich habe wirklich einen schönen Eindruck auf mein Land hinterlassen, wirklich die Stadt Agadir ist sehr schön und gilt als die Touristenhauptstadt Marokkos

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