Es gibt diese Tage, da fragt man sich, warum man überhaupt aufsteht. Vor diesen Tagen sind wir auch auf Reisen nicht geschützt und heute soll offensichtlich solch einer sein.
Nach dem Aufstehen fühlen wir uns schon nicht so ganz ausgeruht und fit, starten den Tag aber nach Plan. Um 10:00 Uhr fahren wir bei 17 Grad in langen Klamotten aus Swakopmund los, doch schon nach gut 1 Stunde Fahrt Richtung Norden haben wir das Gefühl, dass unsere Klimaanlage im Auto nicht mehr gegen die knallende Hitze und den Staub ankommt.

Wir ziehen uns auf dem Weg um und setzen unsere Reise fort. Bevor wir zu unserer heutigen Unterkunft fahren, möchten wir uns die berühmte Spitzkoppe ansehen. Sie ist eine Gruppe aus kahlen Granitgipfeln und fast 700 Millionen Jahre alt. Aufgrund ihrer imposanten Erscheinung können wir die Spitzkoppe schon von weitem sehen, doch bis wir sie erreichen, dauert es eine ganze Weile und kostet uns einige Nerven.
Der Grund dafür ist unter anderem die Zufahrtsstraße. Wir verlassen die Hauptstraße und befinden uns mal wieder auf einer Schotterpiste, die uns selbst bei 30 km/h ordentlich durchschüttelt. So dauert es bis wir die Kreuzung erreichen, an der das Schild die Spitzkoppe geradeaus anzeigt. Jetzt kann es eigentlich nicht mehr weit sein. Wir landen Mitten im Nirgendwo, keine Schilder mehr, keine Wendemöglichkeit, tiefer Sand, Steine ohne Ende und wir ohne Allrad Fahrzeug. Wir kämpfen uns ganz langsam voran und sehen nach 20 Minuten tatsächlich noch ein Auto, welches diesen Weg fährt. Auch sie scheinen ziemlich unsicher zu sein, ob dies der richtige Pfad ist, sind aber immerhin mit einem 4×4 Pick Up unterwegs.

Nach 45 Minuten um den Berg herum fahren, während die Temperatur weiter steigt und steigt, sehen wir 3 Männer und einen Traktor hinter einem Gatter. Wir halten an und fragen sie nach dem Eingang zur Spitzkoppe. Sie wirken leicht verwirrt, erzählen etwas von einer notwendigen Genehmigung und dass wir etwas unterschreiben sollen. Wir sind echt skeptisch, fragen, was das Ganze kosten soll. Er sagt, er habe keine Ahnung, wir können aber einfach hier durch fahren, das sei ein offizieller Eingang und dann bei der Rezeption bezahlen. Mittlerweile hat auch das andere Auto angehalten und die deutschen Insassen schließen sich uns an. Gemeinsam fahren wir also durch den Parkeingang und suchen die Rezeption.
Das soll hier eines DER touristischen Highlights sein, dafür ist die Beschilderung ziemlich dürftig. Als wir das Schild für die Rezeption endlich entdecken und mittlerweile klitschnass sind, sagt man uns, die Rezeption befinde sich noch 100 m weiter vorn. Gut, dann halt noch weiter durch die Hitze. Siehe da, an der Rezeption befindet sich auch der eigentliche Haupteingang, der aber nirgends ausgeschildert war. Vielen Dank auch für die extra Stunde Fahrt einmal außen herum. Mittlerweile sind es 37 Grad und unsere Laune ist nach der ganzen Gurkerei und brütenden Hitze im Keller.
Nachdem wir die 12€ Eintritt gezahlt haben, erfahren wir dann noch, dass wir nur einen Mini Teil des Parks allein ansehen können, der Rest ist nur mit Guides möglich. Aber keine Sorge, die warten schon an den jeweiligen Stationen und ihr könnt sie einfach bar bezahlen. Irgendwie ist uns jetzt so gar nicht mehr nach großen Erkundungen zu Mute und so entscheiden wir uns, nur die kleinen Teile des Parks anzusehen. Mit einem Guide hätte man noch hunderte von Felszeichnungen entdecken können, welches vor dem Vandalismus auch ohne Guide möglich gewesen wäre. Mal wieder ein Beispiel dafür, was wir Menschen alles kaputt machen, wirklich schade.
Für uns geht es also zum berühmten Felsbogen (Rock Arch), der schon in etlichen Filmen als Kulisse diente. Dieser Bogen ist entstanden, weil der Wind über Millionen Jahre ein Loch aus dem Stein gefräst hat. Schon krass, was die Natur erschafft. Das Schönste an dem Besuch des Bogens ist der Schatten in dem Loch, welcher endlich ein klein wenig Abkühlung bietet. Wir verweilen ein wenig und gehen dann noch zum anderen Highlight, dem Rock Pool. Dieser Pool hat sich in einem Felsen natürlich gebildet, ist zu dieser Jahreszeit aber vollständig ausgetrocknet und so überhaupt nicht sehenswert. Nach gut 1 Stunde verlassen wir den Park durch den Haupteingang, ziemlich enttäuschend nach der harten Anfahrt.


Kurz nachdem wir aus dem Ausgang heraus fahren, rennen wieder jede Menge kleine, bettelnde Kinder auf die Straßen. Die einen möchten etwas verkaufen, die anderen halten ihre leeren Wasserflaschen hoch. Obwohl wir schon viel Armut auf Reisen erlebt haben, bricht es uns jedes Mal wieder das Herz, denn Touristen sollen hier auf keinen Fall anhalten. Viele Erfahrungsberichte schildern, dass die Kinder die leeren Wasserflaschen nur als „Lockmittel“ verwenden, damit die Touristen anhalten und anschließend „ausgenommen“ und unter anderem mit Steinen beschmissen werden. Uns schießt dann immer wieder die Frage durch den Kopf, ob das wirklich die Regel ist oder nicht doch genügend Kinder dabei sind, die einfach nur Wasser zum Überleben benötigen. Es fällt uns unfassbar schwer, denn wie immer und überall müssen alle darunter leiden, nur weil sich ein paar wenige Leute daneben benehmen. Die Medien haben natürlich auch einen großen Anteil daran. Nach diesen Begegnungen ist die Stimmung bei uns immer etwas bedrückt und wir knabbern noch eine ganze Weile daran.

Wir fahren die beschissene Schotterpiste weiter, mittlerweile bei fast 40 Grad und halten noch einmal kurz für ein Foto an, dann gehts weiter. 10 Minuten später frage ich mich, wo mein Handy ist, die Navigation läuft ja gar nicht mehr. Überall erfolglos im Auto gesucht, den LKW im Rückspiegel gesichtet, wenden wir fix, fahren mit Warnblinker in den Gegenverkehr und hoffen, dass der LKW Fahrer checkt, dass er bitte ganz schnell rüber fahren muss. Wir haben Glück, er fährt rüber und wir suchen im Nirgendwo auf einer Schotterpiste ein Handy. Passt irgendwie zu unserem Tag. Doch auch an solchen Tagen gibt es sie, die kleinen Glücksmomente, sodass wir wenig später das völlig verstaubte Mobiltelefon in den Händen halten. Ohne dieses Handy und die namibische Simkarte wären wir echt am Arsch gewesen, denn Melina‘s deutsches Handy funktioniert in Namibia gar nicht.

Als wir uns dann auch noch einer offensichtlich sehr armen Siedlung nähern und unser Navi sagt, wir müssen genau hier abbiegen, bekommen wir leichte Schnappatmung. Doch unsere Unterkunft liegt zumindest eine Straße weiter, aber dennoch in einer der ärmsten Gegenden, die wir gesehen haben. Ein komisches Gefühl. Kein Wunder also, dass wir in der Unterkunft auch wieder vom Open-Badezimmer-Konzept empfangen werden, wie wir es nennen. Wieder einmal ein Badezimmer ohne Tür, offen zum Wohn- und Schlafbereich. Dies ist ein Umstand, an den wir uns in Namibia bis zum Schluss nicht so wirklich gewöhnen können. Dass es hier völlig normal ist, erkennt man daran, dass das Zimmer an sich total modern und gut ausgestattet ist, sodass wir uns nach einer kalten Dusche luxuriös unter die Klimaanlage legen können. Was ein Tag.
Nach einer unruhigen Nacht machen wir heute einen Übernachtungsstopp in der kleinen Stadt Outjo. Hier sehen wir das erste Mal eine authentische Stadt, wenig touristisch, mit viel Leben auf der Straße. Hier koexistieren die Menschen vom Stamm der Himba ganz selbstverständlich mit ihrer traditionellen Lebensweise und ihrem besonderen Kleidungsstil neben der restlichen, modernen, städtischen Bevölkerung. Überall sehen wir die hübschen Himba Frauen, bei denen die Frisur und der Schmuck eine große Rolle spielen. Gerne hätten wir sie auch fotografiert, es kommt uns aber irgendwie falsch vor. Nur, weil es für uns etwas besonderes ist, wenig bekleidete, hübsche, traditionelle Frauen mitten in der Stadt herumlaufen zu sehen, fühlt es sich an, als würde man sie „wie in einem Zoo“ fotografieren. Und so belassen wir es bei den Eindrücken und Bildern in unserem Kopf und lassen den Abend in einem kleinen, gemütlichen Biergarten mit Helene Fischer Musik, mitten in Afrika, ausklingen.


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