Ich bin ein pünktlicher Mensch. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn, bei der Pünktlichkeit inzwischen mehr Mythos als Realität ist. Also nehme ich sicherheitshalber einen Zug früher – man will ja nicht der sein, der seinem Kumpel am Bahnhofsvorplatz hektisch hinterherläuft. Natürlich kommt der Zug diesmal pünktlich, was mir eine gute Stunde Freizeit am Bremer Bahnhof beschert. Dort erwartet mich eine feine Brise aus Frittierfett, Uringeruch und Bahnhofskiosk-Kaffee – Bremen, ich liebe deinen Charme.
Felix sammelt mich wie verabredet ein, und los geht’s Richtung Hamburg. Wir parken beim alten Elbtunnel, laufen durch und nehmen den touristischsten aller Wege – direkt an der Promenade entlang Richtung Westfield Mall. Schon auf dem Weg warnen uns erste Graffitis: „FCK WESTFIELD“ oder „MALL OF DEATH“. Der Hinweis auf tödliche Unfälle während der Bauphase hängt wie ein stiller Schatten über dem Ort. Keine schöne Geschichte.


Westfield Wahnsinn – Wenn Shopping zur Reizüberflutung wird
Die Mall selbst ist – na ja – ein einziger Overkill. Riesig, laut, überfüllt. Influencer haben ihre Eröffnungsrunde offenbar schon abgedreht, heute übernehmen Familien und Shoppingfreudige das Ruder. Fotografisch ist hier einiges möglich, wenn man Zeit und Geduld hat. Wir haben sie nur bedingt. Zu wuselig, zu viel Reizüberflutung, zu wenig Fokus. Hier kann man sicherlich gute Fotos machen, aber heute machen wir sie nicht.



Mittagspause in der „Schanze“

Also raus da. Ab in die U-Bahn und ins Schanzenviertel für Burger und Pommes bei „OTTO’S BURGER“, dem Stammlokal unseres Vertrauens. Soulfood für Streetfotografen mit überreizten Synapsen. Danach ein Verdauungsspaziergang durchs Viertel, kurz durchatmen, bisschen fotografieren und im Buchladen ein wenig in Fotobüchern blättern, dann weiter nach Altona zur Ausstellung.



„How much is the Fish?“ – Fotoausstellung in der Kunstvilla Altona
Die Idee, die Ausstellung direkt auf dem Fischmarkt stattfinden zu lassen, scheiterte am organisatorischen Aufwand. Aber mit der Kunstvilla Altona hat man einen würdigen Ersatz gefunden – eine charmante, alte Villa, die bald saniert werden soll, aber bis dahin noch Kunst atmen darf. Props an die Eigentümer für die Zwischennutzung!


Zur Vernissage selbst: Der Laden ist rappelvoll. Die Bilder – Momentaufnahmen vom Leben rund um den Fischmarkt – entstanden über fünf Jahre hinweg. Acht Fotografen, darunter einige vom Streetcollective Hamburg, zeigen, was passiert, wenn man Woche für Woche dort mit der Kamera unterwegs ist. Manche Szenen wirken fast inszeniert, sind aber pures Leben – von surreal bis sentimental, von skurril bis knallhart ehrlich. Leider muss man sich anfangs durch die Massen drücken wie auf einem Technofestival im Seniorenheim. Erst später wird’s leerer, man kommt zur Ruhe – und endlich wirken die Bilder. Richtig. Wenn du die Ausstellung auch besuchen möchtest, hast du noch bis zum 27.04.2025 die Gelegenheit dazu. Die genaue Anschrift findest du am Ende des Artikels.



Die Deutsche Bahn: Immer für einen ironischen Abschluss gut
Gegen 20 Uhr ist Schluss für uns. Wir machen uns auf den Heimweg – mit vollem Magen, vollen Speicherkarten und vollen Köpfen. Die Deutsche Bahn rundet den Tag stilvoll mit einer Verspätung ab. Natürlich.
Fazit: Hamburg hat geliefert – mal wieder anders als gedacht, aber trotzdem voll Stoff für Kopf und Kamera.

Links und Adressen:
TBD Kunstvilla Altona
Ehrenbergstr. 25
22767 Hamburg
Kulturlotse.de: How Much Is The Fish? – Eine Fischmarkt Fotoausstellung
Hamburg Magazin: HOW MUCH IS THE FISH – Straßenfotografie-Ausstellung
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