Fotografieren und anschließend gut essen ist eine Kombination, die ich selten hinterfrage. Im Winter schon gar nicht. Wenn am Ende Grünkohl auf dem Tisch steht, erst recht nicht. Das Fotokollektiv „Bremer Streetmusikanten“ hatte zu genau so einem Fotowalk durch Bremen eingeladen. Treffpunkt am Sielwall, danach gemeinsam essen.
Angemeldet waren zwanzig Leute, am Ende standen zwölf da. Der Winter hatte offenbar eine Vorauswahl getroffen. Für einen Fotowalk keine schlechte Zahl. Kleine Gruppen sind angenehmer. Man kennt sich schnell, verliert sich aber ebenso schnell wieder aus den Augen, sobald jemand an einer Hauswand oder etwas Skurrilen hängen bleibt, das für andere vollkommen banal ist.


Statt der üblichen Kohlfahrt-Programmpunkte, wie Teebeutelweitwurf bei schlechter Musik gab es Foto-Challenges. Fünf Minuten Zeit, ein Thema. Kein Wettbewerb, kein Druck, keine Diskussionen über richtige oder falsche Bilder. Wer länger brauchte, brauchte länger. Street Photography lässt sich ohnehin nur bedingt beschleunigen.
Los ging es direkt am Treffpunkt mit dem Thema „Typisch Viertel“. Die Gruppe verteilte sich zügig in alle Richtungen. Das Viertel zeigte sich grau und leicht verschlafen. Ich landete bei einer Wand voller Plakate und Aufkleber. Kein neuer Ort, kein besonderer Fund. Aber ein Motiv, das für mich ganz gut zum Viertel passt. Viel Meinung, wenig Ordnung, alles übereinander.

In der Helenenstraße wurde es mit dem Thema „Liebe“ etwas komplizierter. Morgens war wenig los, große Szenen blieben aus. Also suchte ich nach kleinen Hinweisen. Aufkleber, Schriftzüge, irgendetwas, das zum Thema passt. Die Werder-Raute bot sich an. Vereinsliebe funktioniert in Bremen zu jeder Tageszeit. Daneben ein Aufkleber, der Liebe etwas technischer interpretierte.




Weiter ging es Richtung Weserstadion. Thema diesmal „Werder“. Die naheliegende Lösung lag auf der Hand, wurde aber nach Kristians Einwand, „jetzt nicht einfach losziehen und eine Raute fotografieren“ schnell verworfen. Ich erinnerte mich an ein älteres Smartphone-Foto und griff die Idee noch einmal auf. Diesmal bewusst mit dem Handy als Teil des Bildes. Ein kleiner Perspektivwechsel, der zumindest für mich einen Unterschied machte.



Nach gut zwei Stunden meldete sich langsam der Hunger. Zum Glück bewegten wir uns inzwischen Richtung Schirrmanns, wo später das Essen wartete. Am Lagerhaus dann die nächste Aufgabe zum Thema „Musik“. Ohne Musiker oder jemanden mit einer Plattensammlung unter dem Arm gar nicht so einfach. Meine Lösung war ein Plakat im Fenster des „Eisens“, einer Kult-Kneipe im Viertel.




Die letzte Challenge lautete „Konsum“. Menschen mit Einkaufstaschen waren an diesem Vormittag erstaunlich selten. Bremen schien gerade nichts zu brauchen. Am Ende stand ich selbst vor einem Buchladen und wurde zumindest theoretisch Teil des Themas. Andreas Altmanns „Leben in allen Himmelsrichtungen“ für fünf Euro. Ein Kauf, der sich nicht vermeiden ließ. Ein brauchbares Foto zum Thema entstand dabei nicht, aber damit konnte ich leben.

Zum Abschluss dann endlich Essen. Warm, ruhig und entspannt. Dazu Gespräche über Fotografie, Kameras und Projekte, die man irgendwann umsetzen möchte. Nach und nach löste sich alles auf.



Zurück blieb das Gefühl eines gelungenen Vormittags mit tollen Leuten und angenehmen Gesprächen. Dazu ein paar brauchbare Bilder auf der Speicherkarte und die Erkenntnis, dass Street Photography ruhig öfter so stattfinden darf.
Weitere Infos zum Fotokollektiv: Bremer Streetmusikanten
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