Als chronisch leidgeprüfte Reiseenthusiasten konnten Melina und ich natürlich nicht einfach entspannt in einen ICE steigen und nach Freiburg fahren. Nein, unser Reiseziel musste wieder hart erkämpft werden. Wenige Tage vor dem Trip standen wir sogar kurz davor, alles abzusagen.
Zugtickets und Unterkunft waren längst gebucht. Da wir schon immer einmal im Nachtzug fahren wollten, schien die Reise nach Freiburg perfekt für dieses kleine Experiment. Die Rückfahrt sollte zwar tagsüber stattfinden, dafür aber eine Odyssee von Freiburg über Hamburg, Bremen und schließlich Syke werden. Als Flixtrain dann wenige Tage vorher die Abfahrt spontan um mehrere Stunden nach hinten verschob, war klar: Damit würden wir definitiv nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen. Eine Rückreise im ICE kam aufgrund der hohen Preise für uns nicht in Frage.
Wir durchforsteten das Internet nach Alternativen, jedoch erfolglos. Mein letzter Strohhalm war die Meet&Street‑WhatsApp‑Gruppe, auch wenn ich mir nicht allzu große Hoffnungen machte, dort jemanden zu finden, der einen mitnehmen kann. Wir wären schon zufrieden, wenn wir zumindest ein bisschen Richtung Norden kommen würden. Frankfurt, Köln, Düsseldorf – egal. Doch nur wenige Stunden nach meinem Hilferuf meldete sich Florian Asche vom Ruhr‑Collective und bot uns eine Mitfahrgelegenheit an. Damit war die Reise gerettet.
In der „Holzklasse“ in den Breisgau

Kurz nach 23 Uhr geht unser Nachtzug ab Bremen. Wir sind schon etwas durch, schließlich haben wir den ganzen Tag normal gearbeitet. Vielleicht können wir dann wenigstens gut schlafen, wenn wir im Zug sitzen. Leider gab es keine Liegewagen‑Tickets mehr, also mussten wir uns mit Sitzplätzen begnügen. Auf den Fotos im Netz sahen die Abteile gemütlicher aus als die der Deutschen Bahn. Die Realität sieht leider etwas anders aus.
Wir sitzen ganz hinten, letzter Wagen, letzte Plätze im Viererabteil. Kaum Beinfreiheit, die Rückenlehnen lassen sich nicht verstellen, das grelle Licht macht es nicht besser, mit Schlafmaske geht’s irgendwie. Am Ende bekomme ich sogar mehr Schlaf als gedacht. Fit bin ich trotzdem nicht, als wir morgens in Freiburg ankommen.
Bis zum Check‑In müssen wir noch einige Stunden überbrücken. Unsere Idee, in einer Hotelkette zu frühstücken, scheitert an einer Rezeptionistin, die behauptet, das sei für Nichtgäste nicht möglich. Komisch, denn genau das haben wir in derselben Kette schon mehrfach gemacht. Ein kurzer Blick ins Netz, ein weiterer Anruf – und für 11 Euro dürfen wir uns am Buffet im ViaVelo bedienen. Geht doch.
Unsere Unterkunft liegt etwas außerhalb in St. Georgen. Wir dürfen schon ins Apartment, um unser Gepäck abzugeben und würden am liebsten sofort einen Powernap einlegen. Aber Füße hochlegen ist nicht, denn der Check-In ist erst ab 16 Uhr. Nachdem wir alles deponiert haben, fahren wir zurück in die Stadt, erkunden die Altstadt, halten die Füße ins Bächle und genießen den entspannten Vibe. Trotzdem steckt uns die Nacht in den Knochen, und so endet der Donnerstag früh. Wir probieren noch die „Lange Rote“, eine Freiburger Spezialität, und machen uns dann auf den Weg zurück, um endlich Schlaf nachzuholen.


Kurztrip nach Basel & Meet&Street‑Warm‑Up

Wir waren noch nie in der Schweiz und noch nie so nah dran. Also liegt ein kleiner Abstecher nach Basel nahe. Schon morgens ist es brütend heiß, und man könnte fast im klimatisierten Zug sitzen bleiben. Aber Neugier schlägt Komfort.
In Basel angekommen, hätten wir fast vergessen, dass das Deutschlandticket hier nicht gilt. Also laufen wir vom Bahnhof in Richtung Innenstadt und entdecken dabei einen spannenden Street‑Spot, der natürlich schon zigmal fotografiert wurde. Trotzdem muss ich meine eigenen Bilder machen. Danach besuchen wir einen Supermarkt und echauffieren uns über die Lebensmittelpreise, bevor wir die Altstadt erreichen. Wir sind positiv überrascht, wie schön leer es hier ist. Hinter jeder Ecke vermuten wir einen Reisebus, der scharenweise Touristen ablädt – aber Fehlanzeige. Basel entpuppt sich als entspannte, schöne Stadt, die definitiv einen Besuch wert ist.



Trotzdem wird es langsam Zeit für die Rückfahrt, denn abends steht das Meet&Street‑Warm‑Up an.
Inzwischen gehört es zur Tradition, das Event am Vorabend mit einem kühlen Bier unter Gleichgesinnten inoffiziell zu eröffnen. Eine gute Gelegenheit, die ersten bestellten Zines zu verteilen. Zufällig komme ich auch mit Florian (@ashes.on.the.streets) ins Gespräch, der uns am Sonntag mit nach Krefeld nimmt. Aber auch viele andere bekannte und neue Gesichter sind da. Der Biergarten ist laut, ich quatsche so viel, dass ich fast heiser werde.
Zum Tagesabschluss kommt Melina vorbei, und wir laufen gemeinsam zum Kanonenplatz. Von dort hat man einen großartigen Blick über Freiburg. Die Menschen sitzen entspannt zusammen, reden, essen, trinken ein Bier und genießen den Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt. Ein perfekter Abschluss.

Meet & Street 2026
Um 10:00 Uhr treffen sich die schätzungsweise 150, aus ganz Deutschland und umzu, angereisten Fotografierenden auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Nach der Aushändigung einiger Goodies, dem obligatorischen Gruppenfoto, ein paar generellen Infos zum Tag und Danksagungen, fehlt nur noch, die mit Spannung erwartete Ankündigung des Austragungsortes des nächsten Meet&Street.


Dieses Mal habe ich mich ehrlich gesagt kaum mit den Walks beschäftigt und so stehe ich mit einigen anderen fast etwas Lost auf dem Platz. Nachdem ich noch eines meiner Zines für Samuel Ioannidis signiert habe und viele schon losgezogen sind, schließe ich mich spontan Andrea (@andrea.x.schwarz) und Andreas (@andreasegephotography) an. Zum Fotografieren ist es ohnehin zu heiß und nach kurzer Zeit finden wir uns in einem kleinen Biergarten in der Altstadt wieder und genießen ein kühles Radler.

Erst um 13:00 Uhr, pünktlich zur Eröffnung der Open Gallery trauen wir uns wieder unter dem Sonnenschirm hervor und schlendern gemütlich zum Augustinerplatz. Die Bitte, dass sich die Fotografen möglichst nicht alle vor den ausgestellten Bildern tummeln, hat nicht wirklich gefruchtet. Es stehen mehr Fotografen als Passanten vor den Wänden. Ich habe den Eindruck, dass die Open Gallery nicht so gut, wie in den Jahren zuvor angenommen wurde, was jedoch am brütend heißen Wetter liegen könnte.




Der Hitze geschuldet, bin ich auch irgendwie durch und genieße lieber noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen in einem kleinen Cafe etwas abseits des Geschehens, bevor ich mich abends nochmal ins Getümmel mit den anderen Streetfotografierenden werfe. Hierfür haben die Organisatoren extra einige Tische im Kastaniengarten, einem Biergarten mit Blick über die Stadt reserviert. So lässt sich der Abend und das Meet&Street bei ein paar Bier und vielen guten Gesprächen über Fotografie und Reisen gemütlich ausklingen.



Stuttgart 21 27
Die langen Fahrtzeiten in den Breisgau und zurück haben mich schon vor dem Event ins Grübeln darüber gebracht, ob ich nochmal so einen Weg für das Meet&Street auf mich nehmen würde und ich war eigentlich auch fest entschlossen, nächstes Jahr einmal auszusetzen. Doch die vielen, positiven Gespräche haben mich schon wieder dermaßen angefixt, dass ich bereits meine Reise fürs nächste Jahr plane – zumindest im Kopf.
Zum Schluss ein großes Dankeschön an das Black Forest Street Collective (@blackforeststreets). Ihr wart fantastische Gastgeber und könnt stolz auf das sein, was ihr auf die Beine gestellt habt. Und den Kesselobjektiven aus Stuttgart drücke ich jetzt schon die Daumen, dass „Stuttgart 27“ besser organisiert wird als „Stuttgart 21“. 😄

Weitere Beiträge zum Meet & Street 2026:
- Andreas Usenbenz: Meet & Street Freiburg
- Florian Renz: Meet & Street 2026 in Freiburg: Wo die Streetfotografie die Füße ins Wasser hält
- Uwe Rosik: Meet & Street 2026
- Black Forest Streets: Meet&Street2026
- Olaf Schatta (Stories in Black and White): Meet and Street 2026 in Freiburg – kleine Doku
- Dirk Trampedach (fotowissen.eu): Meet & Street 2026 in Freiburg – Ein fotografischer Rückblick
- Michael Koopmann (auf-kurztrip.de): Meet & Street in Freiburg – Blickwinkel, Begegnungen und Bächle

Kommentar verfassen