Der Schneesturm Elli brachte vor allem eines mit: Stillstand. Der komplette ÖPNV kam zum Erliegen, Busse und Bahnen standen, Züge fielen aus oder wurden zu einer sehr vagen Möglichkeit. Mein Plan, zum Fotografieren nach Bremen zu fahren, stand lange Zeit auf der Kippe.
Eigentlich war alles vorbereitet. Kamera gepackt, Route im Kopf, Lust auf Street Photography. Doch je länger der Wintereinbruch anhielt, desto unrealistischer wurde dieser Plan. Mehrmals war ich kurz davor, es bleiben zu lassen. Und dann fuhr doch noch ein Zug und ich nutzte die Gelegenheit.

In Bremen angekommen war schnell klar, dass der Abend anders verlaufen würde als gedacht. An ausgedehnte Streifzüge durch verschiedene Viertel war nicht zu denken. Also blieb ich rund um den Bremer Hauptbahnhof. Eine gute Stunde Zeit, Schnee, Dunkelheit und viele Menschen, die sichtbar mit dem Wetter und der Situation zu kämpfen hatten.

Gerade unter solchen Bedingungen zeigt sich, warum ich Street Photography mag. Man ist gezwungen, sich zu konzentrieren. Der Radius ist klein, die Motive sind nah, die Szenen oft flüchtig. Menschen mit hochgezogenen Schultern, schnelle Schritte, wartende Blicke, Atemwolken in der kalten Luft. Der Schneefall schluckte Geräusche, das wenige Licht der Laternen und Anzeigen war weich und diffus – nicht einfach, aber interessant.





Gerne wäre ich noch weiter in die Stadt gefahren, um andere Viertel zu erkunden. Doch das Risiko, später nicht mehr nach Hause zu kommen, war mir zu hoch. Also blieb ich beim Bahnhof, beobachtete, wartete, reagierte. Manchmal entstehen die besseren Bilder genau dann, wenn man nicht ständig den Ort wechselt.




Als sich schließlich eine Rückfahrtmöglichkeit bot, nahm ich sie. Die Zeit war begrenzt, aber genau das half, fokussiert zu bleiben.


Dafür, dass der Tag lange auf der Kippe stand und nur ein kurzes Zeitfenster blieb, kann sich die fotografische Ausbeute sehen lassen. Eine Stunde Street Photography, ein Schneesturm und ein Ort – manchmal reicht das vollkommen aus.
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