Travel Notes #14: Albanien – Schlaflos in Shkoder

Bevor wir uns auf den Weg zum Busbahnhof von Ulcinj machen, müssen wir noch einiges an Getränken leeren, denn irgendwie haben wir uns dieses Mal ein wenig mit den Mengen verschätzt. Wir quälen uns Milch, Kakao und O-Saft rein, weil wir nicht alles mitnehmen können. Beim Auschecken kommen wir auch noch mit der Gastgeberin ins Gespräch, die ein bisschen Deutsch kann. Obwohl sie gleich zur Arbeit muss, lässt sie es sich nicht nehmen, uns noch auf eine Tasse Kaffee einzuladen. So viele Getränke am Morgen sollen sich später noch rächen.

Schon am Busbahnhof müssen wir dringend austreten. Wofür wir die 50 Cent Gebühr für die Toilettennutzung zahlen, erschließt sich uns nicht. Obwohl eine Putzfrau vor Ort ist, sind einige Toiletten zugesch… – wirklich widerlich.

Der Busbahnhof von Ulcinj.

Ansonsten ist heute wieder ein typischer Reisetag. Das Wetter wird merklich schlechter und es fängt ordentlich zu regnen an. Bei montenegrinischer Folklore fahren wir in Richtung Grenze. Ich könnte schon wieder ein paar Getränke „wegbringen“, aber der Minibus hat logischerweise keine Toilette. An der Grenze zieht sich der Verkehr wie Kaugummi und am Liebsten würde ich einfach aus dem Bus springen und irgendwo in die Büsche machen. Da ich nicht weiß, wie Wildpinkeln hier geahndet wird, muss ich wohl oder übel weiter durchhalten.

Shkoder – Horrornacht im Hostel

Bei strömendem Regen erreichen wir schließlich Shkoder. Die Stadt sieht alles andere als einladend aus. Hier möchte man nichtmal tot über dem Zaun hängen. Ich nenne solche Städte immer „schön hässlich“, denn aus Sicht der Street Photography hat Shkoder durchaus Potenzial. Trotzdem hofft Melina insgeheim, das wir hier nicht irgendwo anhalten. Da wir am nächsten Tag ohnehin ins Theth-Gebirge weiterziehen, werden wir es aber wohl überleben.

Ich bin mehr als froh, als der Bus endlich zum Stehen kommt. Ich kann kaum noch gehen, weil ich das Gefühl habe, dass mir augenblicklich die Blase platzt. Glücklicherweise haben wir ein Hostel direkt in Busbahnhofsnähe gebucht. Ohne überhaupt einzuchecken, werfe ich mein Gepäck ab und renne zum Klo, um mich endlich zu erleichtern. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich zuletzt bzw. wann ich jemals so dringend austreten musste.

Nach dem Check-In erkunden wir kurz die Gegend rund ums Hostel und gehen etwas essen. Viel mehr ist bei dem starken Regen auch nicht möglich. In der Stadt fällt immer wieder der Strom aus. Ich recherchiere im Internet und finde heraus, dass in Albanien vielerorts illegal Strom abgezapft wird und geschätzt etwa jede zweite Kilowattstunde nicht bezahlt wird. Mehrmals sitzen wir von jetzt auf gleich im Dunkeln. Im Restaurant, beim Einkaufen oder im Zimmer. Man gewöhnt sich schnell daran und nach ein bis zwei Minuten ist der Strom in der Regel auch wieder da.

Mit dem Fahren auf der richtigen Straßenseite nimmt man es hier nicht so genau.

Melina erfährt durch einen Bekannten, der vor kurzem in Theth war, dass der einzige Supermarkt dort ziemlich überzogene Lebensmittelpreise aufrufen soll. 6 Flaschen Wasser sollen hier 15,00€ kosten. Anstatt uns schon hinzulegen, raffen wir uns also noch einmal auf und gehen zum Supermarkt, um uns mit Vorräten einzudecken. Zu unserem Gepäck kommen noch mal 10 Liter Wasser und etwas zu Essen on top, aber irgendwie bekommen wir das schon hin.

Oben Links ist unser Zimmer. Direkt darunter befindet sich das Internet Café.

Zum Zeitpunkt der Buchung des Hostels wussten wir nicht, dass sich direkt darunter ein Internetcafé befindet. Im Prinzip nicht weiter schlimm. Wäre da nur nicht der extreme Lärm der Onlinezocker, die bis spät in die Nacht lautstark ihre Siege feiern. Aber nicht nur die Gamer lassen uns nicht schlafen. Auch der Straßenlärm ist durch die schlecht isolierten Fenster so laut, dass wir kein Auge zu bekommen, sei es durch vorbeifahrenden Mopeds oder bellende Hunde. Zu guter Letzt zieht auch noch ein Gewitter auf, das uns fast aus unseren Betten schmeißt. Irgendwann höre ich jemanden auf dem Flur, der zur Toilette geht und sich dann übergibt. Es kann eigentlich nur besser werden. Insgesamt ist es eine verdammt kurze Nacht und das ausgerechnet, wo wir so früh hoch müssen. 

Veröffentlicht von Dennis Gloth

Street Fotograf und Reiseblogger aus Leidenschaft.

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